Wen bezeichnet die Bibel als den kommenden Mashiach (Gesalbten, Christus)? Teil 9

Glaubensimpuls 150

Lasst uns mit viel Geduld und immer neuem Elan unser biblisches Thema weiter vertiefen. Dies tun wir mit grosser Freude und Dankbarkeit anhand der Thora, der Propheten, Psalmen und Schriften.

Es gibt eine hellenistische, d.h. eine philosophische Bibelauslegung, und eine prophetische, d.h. dem israelitisch-jüdischen Denken entsprechende Auslegung der Bibel. JaHuWaH (sprich Jahua), unser Schöpfer, hat sich entschieden, uns, seinen Geschöpfen, seine Gedanken, seinen Heilsplan, ja sein ganzes Herz, über das von ihm souverän auserwählte israelitisch-jüdische Volk auszuschütten. Dabei teilte er sich im israelitisch-jüdischen Denken, Empfinden und Reden mit.

In der Thora, in den Schriften der Propheten und in den übrigen Bundesschriften (AT) sind uns die Weisungen und Informationen über das Wesen JaHuWaHs, über seine Erwartungen, seine Verheissungen, und alles was wir zu einem gesegneten Leben brauchen, gegeben. JaHuWaH hat sich darin als der Schöpfer aller Dinge und aller Menschen geoffenbart, dem allein Anbetung und Ehre gilt. Aus dieser Anbetung und Ehre nährt sich unser ganz persönliches Leben, der Umgang mit den Mitmenschen und der ganzen Schöpfung.

Die hellenistische Bibelauslegung hält sich strikt an fest verankerte heidnisch-religiöse Vorstellungen, die sich im Laufe der Jahrtausenden aus zahllosen Praktiken des Götzendienstes entwickelten und verfestigten. Im Gegensatz zu der israelitisch-jüdischen Erfahrung mit JaHuWaH (Gotteserfahrung) glaubt der philosophisch denkende Mensch, dass sich geschaffene Dinge und Wesen zu eigenständigen Gottheiten entwickelten, denen sich die Menschen durch Anbetung und Hingabe zu unterwerfen haben, wollen sie einen „erfüllten“ Lebensweg finden und gehen.

So ist z.B. die kirchliche Lehre über einen Mensch gewordenen Gott, innerhalb dreier Gottpersonen, ein typisches Mischprodukt aus der antiken und der griechischen Götterwelt (griech. Dramen, Philosophien), die das Leben der kirchlichen und freikirchlichen Theologie (Philosophie) in den zentralen Lehrpunkten beherrscht. Diese Theologie, bzw. Philosophie, wird jeder aufrichtige und treue Bibelleser mit der Zeit erkennen und konsequent ablehnen müssen (wollen), will er Babylon hinter sich lassen und in der gegebenen Freiheit und Verantwortung JaHuWaH gegenüber sein Leben entsprechend leben und vollenden.

Überwinden wir das hellenistisch-kirchliche Prinzip der Bibelauslegung, das unser Glaubensdenken formte und wachsen in das biblische, israelitisch-jüdische Offenbarungsgut hinein, dann wird unser Glaubensleben zuerst einmal radikal auf den Kopf gestellt! Dieser Prozess bleibt aber keinem redlichen Bibelleser erspart, der sich auf den Namen Jahushuas von Nazareth (Jesus) beruft. Jahushua war durch und durch Jude. Er suchte in allem den Willen des Vaters, indem er nach den Richtlinien der Thora und der Propheten lebte.

Wie alle Propheten, so hob auch Jahushua (Jesus) allezeit hervor, dass der Abba Vater uns mit der Wahrheit der Thora und der Propheten frei macht für den tiefen Sinn des Lebens. Das ist das höchste Gut, das uns in dieser Welt von unserem Schöpfer JaHuWaH anvertraut worden ist. Darum ist die Kenntnis der biblischen Heilszusammenhänge für unsere Lebenskraft, unsere Glaubensreife und -mündigkeit von unschätzbarem Wert.

Der Prophet Sacharjah führt uns in unvorstellbare heilsgeschichtliche Zusammenhänge hinein, die uns so bisher nicht zugänglich waren, weil wir gelehrt worden sind die Bibel nach den Prinzipien der hellenistisch-philosophischen Auslegung zu verstehen und zu glauben, so wie das die hellenistischen Kirchenväter, mit der Hilfe von Kaiser Konstantin, vorgaben.

Die prophetische Botschaft Sacharjahs fiel in die Jahre 520 bis 518 v.u.Z. Er war ein gerechter und treuer Nachfolger JaHuWaHs aus dem Stamm Levi, der in der Zeit der schweren Verbannung im fernen Babel geboren wurde. Die Bibel (Thora, frühen Propheten und Psalmen) war für ihn im fremden Land die einzige Orientierung und Lebenshilfe. In ihr fand er den tiefen Sinn des Lebens und die Kraft zum Durchhalten.

Er wurde selbst zum Propheten berufen. Es war in jener Zeitenwende als sich die Prophetie Jirmejahus (Jeremias) erfüllte. König Kyrus erliess in seinem ersten Regierungsjahr ein Gesetz. Danach sollten die Juden nach siebzig Jahren der Verbannung wieder in ihr Land zurückkehren und den Tempel in Jerushalajm wieder aufbauen. Kyrus betont, dass er von JaHuWaH selbst zu dieser Entscheidung aufgefordert worden ist (vgl. Esr 1,1-4; 2Chr 36,22-23).

Was ich bei dieser Gelegenheit gerne wiederholen möchte ist Folgendes: JaHuWAH selbst, und damit natürlich auch die Priester und Propheten, bezeichnen Kyrus als Gesalbten JaHuWaHs, das heisst im Lateinischen: Christus (vgl. Jes 44,28-45,1). Dass Kyrus vom Abba Vater auch Christus genannt wird, haben die wenigsten Kirchenmenschen jemals gehört. Diese Tatsache verschlägt vielen von ihnen die Sprache und bringt sie aus der Fassung. Wer von uns sollte diese Frustration nicht nachvollziehen können?

Bis jetzt waren sie ohne den geringsten Zweifel der vollen Überzeugung, dass allein nur der von der Kirche aus der Philosophie auf den ersten Konzilien gemachte Jesus-Gott der Christus (Gesalbter) war, ist und bleiben würde. Biblische Informationen über den Begriff „Christus“, wie sie uns JaHuWaH durch den Propheten Jeshajahu (Jesajah) und andere Propheten vermittelt, werfen das zentrale kirchlich-hellenistische Denken über einen Jesus-Gott mit aller Wucht vom Sockel des Götzendienstes.

Die Aufforderung eines heidnischen Königs, des Kyrus, dem Christus JaHuWaHs (d.h. des Kyrus dem Gesalbten JaHuWaHs), an die Juden, zurück in die Heimat Judäa, zurück in die Stadt Jerushalajm zu gehen und dort JaHuWaH wieder einen Tempel zu bauen, hat die verantwortlichen jüdischen Männer erzittern lassen, denn es erfüllte sich die Prophetie Jirmejahus (Jeremias). Sie waren wie betäubt (vgl. Ps 126).

Der Geist JaHuWaHs erfasste sie völlig neu und führte sie in die tiefsten Schätze der Thora zurück. Ihrer Hingabe an JaHuWaH waren keine Grenzen mehr gesetzt. Sie wurden von einer tiefen Umkehr zu JaHuWaH und seiner Thora erfasst, begleitet von einer neuen Liebe zu JaHuWaH, so wie sie in der Thora geschenkt und erwartet wird: „Höre Israel: JaHuWaH ist unser Erlöser, JaHuWaH ist einzig EINER! Und du wirst JaHuWaH, deinen Erlöser, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft“ (5Mo 6,4-5).

In solchen ereignisreichen Zeiten schenkt JaHuWaH seinen Propheten Einblick, sowohl in die nahe als auch in die ferne Zukunft – hinein in die letzten Tage dieses Zeitalters. In sieben ergreifenden Visionen erhält Sacharjah sowohl Einblick über die nahe liegenden Ereignisse, in die Zusammenhänge des gerade bevorstehenden zweiten Tempelbaus, als auch über die endzeitlichen Geschehnisse.

JaHuWaH erschliesst in solch aussergewöhnlichen Zeiten den Propheten noch viele andere wichtige Zusammenhänge des Lebens, denn der Überrest seines Volkes soll ebenso die Liebe und den Segen JaHuWaHs erfahren, indem sie mit neuer Hingabe seine Verheissungen aufnehmen und sich mit freudiger Bereitschaft bemühen ihr Leben von seinen Ordnungen, Rechtsbestimmungen und Shabbaten bestimmen zu lassen.

Wir wollen uns darum zentrale Aussagen Sacharjahs zu Herzen führen. Dabei werde ich bereits erwähnte Aussagen wiederholen, weil dies in diesem Kontext notwendig ist.

Erstens spricht Sacharjah mindestens fünf Mal vom Kommen JaHuWaHs in Herrlichkeit (vgl. Sach 2,14; 8,3; 9,14-17; 12,10; 14,3-5).

Zweitens spricht er – in einem Atemzug – vom Kommen der Heiligen mit JaHuWaH. Die zentrale Aussage finden wir in Sach 14,5.

Punkt eins und zwei beziehen sich zuerst einmal auf die Ereignisse der Entlassen aus Babel, die unter der Führung JaHuWaHs heimkehren und somit vor den umliegenden Völkern in Jerushalajmin „erscheinen“. Die Reaktion der umliegenden Völker war feindselig und zerstörerisch (s. Neh 3 und folgende Kapitel). Trotzdem konnte, unter der Führung JaHuWaHs, der Tempel gebaut werden und die Herrlichkeit JaHuwaHs machte sich breit. Doch zur absoluten Erfüllung kommen diese Aussagen von Punkt eins und zwei erst am Ende dieses Zeitalters. In Sach Kap. 12-14 wird uns die Parallele zu den Entlassenen und dem wieder aufgerichteten Volk, den Heiligen, wunderbar dargestellt.

Mit der Freilassung der Verbannten aus Babel, mit der Rückkehr nach Jerushalajm und dem Wiederaufbau des Tempels (Esr 6,14-15) und der Mauer, mit der neuerlichen Verkündigung der Thora in ihrer Mitte durch die Heiligen (Priester und Leviten) wird uns die bevorstehende endzeitliche Ankunft JaHuWaHs in Jerusalem und das Wirken seiner Heiligen bereits schattenhaft dargestellt (vorgeschattet).

Der jüdische Priester Esra gibt uns einen tiefen Einblick in die Ankunft JaHuWaHs und seiner Heiligen in Jerushalajm, nach der Freilassung aus Babylon. Wie uns im Buch Esra berichtet wird waren die Heimkehrer in Jerushalajm tief erschüttert und aufgelöst. Unter Tränen und mit einer völlig neuen Bereitschaft und Hingabe feierten sie ihre Umkehr zu JaHuWaH und die Hinwendung zu seinen Ordnungen, Rechtsbestimmungen und Shabbaten.

Am Ende dieses Zeitalters wird sich dasselbe in einem umfassenden Ausmass ereignen (vgl.Sach 12,10). Mit Sacharjah war die verheissene Hoffnung wieder gegeben, dass die Verkündigung von Jerushalajm aus einmal auch die „verlorenen“ Schafe des Hauses Israel und alle Menschen erreichen würde (vgl. Sach 8,23; 14,16)

Im nächsten Gim möchte ich gerne die Fortsetzung machen.

Allen wünsche ich von Herzen einen besinnliche Shabbat, begleitet von lieben Segensgrüssen.

Gregor Dalliard