„..denn es steht geschrieben: «Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch der Thora geschrieben steht!«“ (Gal 3,10b).

Glaubensimpuls 129

(Aktualisiert: 29.01.2015). Wie im letzten Gim 128 bereits erwähnt, stellte sich die kleine aber einflussreiche Sekte der ultraextremen Pharisäer gegen Jahushua und seine Sendung. Die breite Mehrheit der Pharisäer aber unterstützte Jahushua (vgl.Gim 42), indem sie sich von Jahushua zurück zum Tanach, der Bibel, führen liessen und viele andere Pharisäer ihn darin fest unterstützten. Darum heisst es von ihnen allen, wie das für einen gläubigen Juden üblich war: „und alle sind Eiferer für die Thora“ (Apg 21,20). Sie hielten sich also allein an die Thora, Propheten und Schriften, wie Jahushua sie lehrte – gepaart mit Gnade und Barmherzigkeit.

Diese Mehrzahl der Pharisäer war von der kleinen Gruppe der einflussnehmenden ultraextremen Pharisäer nicht zu überwinden. Sie hielten Jahushua den Zugang zum Tempel offen, so dass er täglich im Tempel lehren konnte (vgl. Mt 26,55; Mk 11,15.27; 12,35; 13,1; 14,49) und schützten ihn vor den Römern (vgl. Jo 11,47-52). Wären die Juden, die Mehrheit der Pharisäer, gegen Jahushua gewesen, dann hätte er nicht täglich im Tempel lehren können und die Römer hätten ihn früher schon verhaftet. Auch das sollten die Prediger um der Wahrheit und Gerechtigkeit willen überdenken!

Äusserst verunsichert ging Shaul, der Verfolger jener, von denen gesagt ist: „und alle sind Eiferer für die Thora“ (Apg 21,20), später in sich und zog sich nach Arabien und Damaskus zurück (vgl. Gal 1,17). Was durfte er erkennen? Shaul erkannte später die Bedeutung und Zusammenhänge der Thora, indem er den Tanach, d.h. die Thora, Propheten und Schriften von Grund auf studierte und der Vater im Himmel ihn darin sowohl seine Gnade und Barmherzigkeit als auch die Sendung Jahushuas erkennen liess (vgl. Gal 1,15-16). Denn gerade von der Gnade und Barmherzigkeit JaHuWaHs her ist die Thora und ein Leben nach der Thora überhaupt erst möglich und verständlich. Er konnte darum später bekennen: „Aber darum ist mir Barmherzigkeit zuteil geworden..“ (1Tim 1,16)

Er erkannte, dass Erwählung, Berufung und Gnade, bzw. Begnadigung und das Heil, allein von JaHuWaH ausgehen und gewirkt sind. Sie sind allein im Bundesschluss mit Abraham begründet und entfaltet (vgl. 1Mo Kap 12ff; 5Mo 7,6-8 u.a.m.). Sie allein geben dem Leben nach den Ordnungen der Thora erst die tragende Kraft. Ohne sie hätte ein Leben nach den Weisungen JaHuWaHs gar keinen Sinn und wäre zwecklos. Kein Mensch könnte vor JaHuWaH bestehen. Darum bezieht er sich immer auf den Abba JaHuWaH. Ich bin überzeugt, dass sowohl die Erscheinung des Jahushua HaMashiach (des Jesus-Gottes), von der in der Apostelgeschichte 26,14-18 die Rede ist, als auch der Missionsbefehl in Matthäus 28,18-20 und vieles mehr, nach der Entstehung der Dreieinigkeitslehre durch die Kirchenväter in die Texte eingebaut worden sind! In unserem Theologiestudium wurde das auch so belegt, was ich damals allerdings nicht akzeptieren konnte!

Damit durfte er erkennen, dass niemals nur durch die treue Erfüllung aller Weisungen JaHuWaHs in der Thora – ohne Gnade und Barmherzigkeit – die Zugehörigkeit zu JaHuWaH erwirkt und entsprechend erfüllt werden kann. Abgesehen davon, dass nach der Zerstörung des Tempels nicht mehr alle bindenden Verordnungen der Thora erfüllt werden konnten. Zudem stolpert jeder Mensch ab und zu über Lebensverordnungen JaHuWaHs. Mit seinen ultraextremen pharisäischen Glaubensgenossen vertrat und praktizierte er früher die Überzeugung, dass allein durch das strenge Einhalten aller Verordnungen JaHuWaHs und die vielen zusätzlichen Verordnungen ihrer Ausleger, die Zugehörigkeit zu JaHuWaH erwirkt und dadurch das Heil gesichert werden kann. Immer wieder wird er von da an die Gnade allein rühmen und zwar in allem was mit JaHuWaH, seiner Thora und der Wiederherstellung Israels und der Menschen zu tun hat.

Vor allem im Brief an Timotheus rühmt er die Gnade, die er nun aus der Thora erkennen und erfahren durfte: „Ich bin JaHuWaH unserem Erlöser dankbar, der mir Kraft verliehen, mich treu erachtet und in den Dienst gestellt hat, der ich zuvor ein Lästerer und Verfolger und Gewalttäter war; aber mir ist Barmherzigkeit zuteil geworden, weil ich es unwissend (religiös blind gemacht) im Unglauben (nicht der Thora gemäss) getan hatte“ (1Tim 1,12-13).

Shaul bezeugt damit, dass er nun, anhand der Thora und der Propheten die Sendung und den Dienst Jahushuas einordnen kann (vgl. Gal 1,17). „Als es aber dem (JaHuWaH), der mich von meiner Mutterleibe an ausgewählt (durch die Geburt ein Jude, ein Auserwählter) und durch seine Gnade berufen hat, gefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren (d.h. den Dienst des vom Vater Gesalbten, Gesandten Jahushua von Nazareth zu versthen, mich erkennen und verstehen zu lassen, dass Jahushua im Auftrag des Vaters für die „verlorenen“ Israel-Nationen gesandt war), damit (auch) ich ihn unter den „verlorenen“ Israel Nationen verkündigte (d.h. damit ich den gleichen Auftrag wie Jahushua tue, im gleichen Geist wie er wirke), zog ich nicht Fleisch und Blut zu Rate“ (Menschen und Lehren von Menschen, sondern allein die Thora) (Gal 1,15-16).

Von da an reihte er sich mit ganzer Hingabe wie Jahushua in den Dienst JaHuWaHs ein und führte, wie die andern Apostel und Jünger das Werk, das JaHuWaH durch Jahushua begonnen hatte, fort. Die einen führten diesen Dienst vorwiegend unter den ungehorsamen Beschnittenen, die andern unter den „verlorenen“ Unbeschnittenen aus (vgl. Gal 2,7). Darauf hatte er sich mit den Aposteln geeinigt. Er konnte nun verstehen, dass alles Leben nach den Ordnungen der Thora nur durch die allgegenwärtige und begleitende Gnade und Barmherzigkeit JaHuWaHs möglich ist und zum Ziele kommt. Er erkannte, das uns nur darin und nur so der wahre Friede und Segen des Lebens geschenkt ist. (vgl. Gal 3,12b; 3Mo 18,5). Er war davon erfasst.

Seine Redensarten, Vergleiche und Ausführungen sind manchmal etwas schockierend und verletzend. Doch heute können wir seinen neuen Eifer für die Ehre JaHuWaHs einordnen, selbst wenn er sich in seinem Eifer auch täuschen konnte. Täuschungen, die zu gefährlichen Auswüchse führen konnten, wie etwa in der Frage der nahen Wiederkunft Jahushuas und der damit verbundenen Empfehlung nicht mehr zu heiraten.

Das können wir ihm wohl verzeihen, denn auch er war nur ein Mensch und keine Gottheit! Wie keiner von uns, so erhob auch er nie den Anspruch wie eine Gottheit behandelt und verstanden zu werden. Im Gegenteil! Seine Person und seine Briefe werden in kirchlichen Kreisen vollkommen überbewertet.

Christen, die vom Geist des Antijudaismus (Antisemitismus) der Kirchenväter verführt sind, verehren Shaul wie eine Gottheit. Für sie ist er unfehlbar, darum werten sie seine Schriften, samt den Veränderungen und Hinzufügungen der Kirchenväter, wie ein neues Evangelium und setzen dieses über die Thora. Mit allen erdenklichen philosophischen Mitteln und Tricks versuchen sie seine gelegentlichen Verirrungen und Schwächen und den Geist der Kirchenväter zu übertünchen und mit z.T. esoterischen Gedanken zu füllen. Es geht auch hier um die Redlichkeit im Umgang mit dem Tanach (Thora, Propheten und Schriften), den Bundesschriften (BuS = (AT), mit deren Einordnung und Auslegung. Die meisten Führenden der christlichen Kirchen und Gemeinschaften sperren sich hier mit allen erdenklichen Mitteln. Sie weigern sich JaHuWaH die ihm gebührende Ehre zu geben, denn es steht für sie zuviel auf dem Spiel!

Nun, von da ab gab es für Shaul kein Unterschied mehr zwischen den Ungehorsamen aus dem Samen Abrahams, die wie die Heiden dem Götzendienst verfallen waren und jenen Juden, die mit ihren eigenen Satzungen und Gesetzen (Menschengebote) die Thora ungültig machten und sie damit aufhoben (vgl. Mt 15).

Shaul zieht daraus die logische Folgerung wie sie von allen Propheten bis zum letzten Atemzug vertreten und verteidigt worden ist: Wer sich nicht nach dem Geist der gnadenvollen Beziehung mit JaHuWaH beschneiden lässt, die immer erst aus der gnadenvollen barmherzigen Beziehung mit JaHuWaH geschehen darf und muss, wie Abraham sie hatte, als er unbeschnitten war, der ist auch verpflichtet die ganze Thora fehlerfrei zu leben.

Er darf sich keinen Fehler erlauben, denn für denjenigen für den es keine gnadenvolle und barmherzige Beziehung zu JaHuWaH gibt, der kann sie als Hilfe auch nicht erwarten und im Geiste der Umkehr demütig beanspruchen. Er kennt sie ja gar nicht! Also ist er allein auf die Erfüllung des Buchstabens fixiert, der allein ihn rettet. Er darf Begnadigung gar nicht erst erwarten, es sei denn allein durch ein religiöses Ritual, weil für ultraextreme Pharisäer allein das Halten (Erfüllen) oder Nichteinhalten (Nichterfüllen) des Buchstabens über Heil oder Gericht entscheidet. Das ist schrecklich!

Shaul zitier in diesem Zusammenhang 5Mo 27,26: „Verflucht sei, wer die Worte der Thora nicht aufrechterhält, sie zu tun! Und das ganze Volk sage: Amen! (vgl. Gal 3,10b).

Wir müssen uns fragen was im biblischen Kontext Fluch heisst. Unter dem „Fluch stehen“ oder „verflucht sein“ heisst im Offenbarungsgut JaHuWaHs ganz einfach: JaHuWaH und seine Lebensordnungen ignorieren, sie nicht mehr zu Herzen nehmen, sich von ihnen trennen oder getrennt davon leben. Damit begibt sich der zum auserwählten Volk zählende Mensch unter den Fluch. Fluch heisst nichts anderes als dass jemand in einem falschen Zustand, in einem Zustand ausserhalb der Ordnungen die in der Thora gegeben sind und ausserhalb der geschenkten Gnade (Begnadigung) lebt. Ein solcher widerspricht JaHuWaH und seinen Ordnungen.

JaHuWaH will den Betreffenden, gemäss Bundesschluss und -verheissung, wieder nach seinen Lebensordnungen aus-richten, zurückbringen. Da JaHuWaH niemanden aus seinem Bundesvolk jemals aufgeben wird, muss der Betreffende aus diesem Zustand herausgeführt, heraus-gerichtet werden. Das tat Jahushua! Gebunden an seinen Bundesschluss und seine Bundesverheissungen, und kraft seiner Gnade und Barmherzigkeit, führt JaHuWaH den Einzelnen oder sein ganzes Volk über den Weg der Einsicht und der Umkehr aus dem Gericht, dem Fluch, wieder heraus, zurück in seine Gemeinschaft. In Lukas 15,11-32 stellt uns Jahushua genau diese Tatsache vor Augen. Dies geschieht zur Ehre JaHuWaHs und zum Segen und Wohlergehen des Einzelnen, des ganzen auserwählten Bundesvolkes und schliesslich einmal aller Menschen.

Wie oft verwarfen Menschen des auserwählten Volkes JaHuWaH und seine Ordnungen. JaHuWaH liess sie durch seine Propheten ermahnen. Er rief sie zur Umkehr auf. Doch die Verführung und der Abfall zogen immer mehr Menschen in die Ignoranz JaHuWaH gegenüber und schliesslich in den Götzendienst. Da übergab JaHuWaH sie dem Fluch, d.h. dem Gericht. Er aber beliess sie nie für immer im Fluch, im Gericht. Bis heute holte er sie in seiner Liebe und Barmherzigkeit immer wieder heraus und führte sie zu sich und zu seinen Lebensordnungen zurück.

Wir müssen wissen, dass die ultraextremen Pharisäer gerade diese Liebe und Barmherzigkeit JaHuWaHs, die aus einer tiefen Beziehung JaHuWaHs zu seinem Volk und umgekehrt funktioniert und Fundament allen Lebens sein muss, ausser Acht liessen. Unbarmherzig und gnadenlos verharrten sie auf der buchstäblichen Erfüllung aller ihrer Menschensatzungen, die sie auf dem Fundament der Thora – durch ihren Übereifer und Missbrauch – aufgebaut hatten. Sie beurteilten jeden Menschen nach diesem Massstab des Buchstabens.

Wer aber kann schon nach allen Weisungen (Thora) JaHuWaHs leben? Wer versagt nicht gelegentlich hier oder dort? Keiner! Dazu kamen noch die vielen völlig verzerrten neuen Gesetze dieser Leute hinzu! Also ist jeder der nach der Thora lebt immer und immer wieder auf die vergebende Liebe, Barmherzigkeit und Wiederannahme JaHuWaHs angewiesen.

Doch genau diese zentrale Botschaft der Thora verwarfen die ultraextremen Pharisäer. Shaul fragt seine früheren ultraextremen Glaubensgenossen gleichsam: Ja, wenn ihr weiter darauf beharrt, dass ihr ohne die euch begleitende Gnade und Barmherzigkeit vor JaHuWaH bestehen könnt, allein durch das Einhalten eurer vielen religiöser Gesetze (Menschengebote), dann muss ich euch aber an das erinnern was in der Thora steht: „Verflucht (im Gericht) ist jeder, der nicht bleibt in allem, was in der Thora geschrieben ist, um es zu tun“ (5Mo 27,26)? Dann zitiert er 3Mo 18,5: „Wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben“ (Gal 3,12b). Ist das nicht ein Widerspruch?

Er sagt ihnen gleichsam: Wer also nur in einer Sache, in einem Gebot versagt, ist nach eurer Lehre verurteilt und es gibt für den Betreffenden keine Rettung mehr, es sei denn, dass er durch das Erfüllen eines weiteren Gebotes sich gerechtfertigt weiss. Das wiederum macht die persönliche Beziehung mit JaHuWaH und seine vergebende Gnade überflüssig. Ein Teufelskreis!

Shaul führt ihnen das vor Augen, was übrigens auch Jahsua und alle Propheten vor ihm taten, dass sie sich selbst verurteilen, denn jeder von ihnen hat schon einmal in einem oder andern Punkt der Thora versagt. Also stehen sie alle unter Gesetz, Fluch (Gericht). Ihre Lehre und Praxis machte sie zu perfekten Heuchlern! Genau von diesem Gesetz der ultraextremen Pharisäer und dem Gesetz des Götzendienstes befreit uns die Thora, die einen also vom Gesetz des Götzendienstes der Heiden, die andern vom Gesetz des toten Buchstaben. Beide leben aus der Beziehungslosigkeit zu JaHuWaH.

Wie soll ich dann die Worte JaHuWaHs verstehen: „Und meine Ordnungen und meine Rechtsbestimmungen sollt ihr halten. Durch sie wird der Mensch, der sie tut, Leben haben. Ich bin JaHuWaH“ (3Mo 18,5)? Ich darf und muss sie immer unter der mitwirkenden und helfenden Gnade und Barmherzigkeit JaHuWaHs verstehen und leben. Wir alle bedürfen dieser Gnade allezeit. Auf keinen Fall dürfen wir solche Aussprüche in der Thora ausserhalb der ständigen uns begleitenden Gnade und Barmherzigkeit JaHuWaHs verstehen.

Diese begleitende Gnade ist und bleibt unantastbar das Fundament, die tragende, alles umhüllende Kraft, in einem Leben nach den Heilsordnungen JaHuWaHs, gemäss der Thora. Wir hätten sonst keine Chance JaHuWaH gegenüber. Erst darin werden uns 3Mo 18,5 und die vielen Weisungen zur nicht versiegenden Quelle des Lebens. Shaul hatte diese Erfahrung gemacht und kämpfte nun wie ein Löwe gegen das Ausklammern dieser begleitenden Gnade und Barmherzigkeit JaHuWaHs. Sie ist in einem Leben nach den Ordnungen JaHuWaHs in der Thora nicht wegzudenken.

Lasst uns allezeit seine Gnade und Barmherzigkeit rühmen, die uns bis hierher getragen hat. Seine Gnade und Barmherzigkeit helfen uns nach seinen Geboten und Weisungen in der Thora zu leben. In dieser frohen Gewissheit wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat!

Shalom!

Gregor Dalliard