„Denn dir habe ich meine Rechtssache anvertraut“ (Jeremia 11,20)

Glaubensimpuls 7

Jeder von uns weiss, wie schwer es ist, denen zu vergeben, die in irgendeiner Weise an uns schuldig geworden sind, vor allem, wenn keine Wiedergutmachung in Aussicht steht. Jahshua lehrt einmal: “Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen ihre Vergehungen nicht vergebt, so wird euer Vater auch eure Vergehungen nicht vergeben“ (Mt 6,14-15). Manche empfinden diese Bedingung als Erpressung Jahshuas. Viele sind irritiert, wenn sie als Neugezeugte feststellen, dass sie im Alltagsleben gar nicht wirklich und in jedem Fall vergeben können, weil sie sich mit diesem Anspruch Jahshua einfach überfordert fühlen. Diese Erfahrung irritiert viele Gläubige, so dass sich sehr viele über diese Forderung Jahshua hinwegsetzen und sich gar nicht mehr damit auseinandersetzen.

Die Vergehungen reichen ja von kleinen Bagatellen im Alltag bis hin zu grösstem Unrecht, das mein Leben auf den Kopf stellen kann. Die Folge kann sein: der Verlust meines Arbeitsplatzes, der Verlust eines Erbes, gesundheitliche Einschränkungen, der Verlust der Gesundheit überhaupt, der Tod eines lieben Mitmenschen u.a.m. Es ist auch ein Unterschied, ob ein solcher Mensch bzw. Menschen, in meiner direkten Nähe wohnen, oder irgendwo weit weg.

Wie kann ich denn diese Weisheit Jahwehs in jedem Fall leben? Wir wissen nämlich aus eigener Erfahrung wie traurig und unglücklich wir uns als wiedergeborene Menschen, die den Geist Jahshuas in sich haben, fühlen, wie belastet und gereizt wir sind, wenn wir nicht zu vergeben vermögen. Sogar unsere Gesundheit kann dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden.

Der Geist Jahshuas in uns lässt uns diesbezüglich keine Ruhe. Er sensibilisiert uns immer wieder, vor allem, wenn wir im Wort Gottes lesen. Sind wir nicht von oben geboren, dann werden wir hierfür auch kein Empfinden entwickeln können und wollen. Wir wissen, dass jede Sünde, durch die wir schuldig werden, oder andere an uns schuldig geworden sind, auch eine Sünde gegen den himmlischen Vater ist. Welche Hilfen bietet er uns in seinem Wort an, damit wir vergeben können? Er gibt uns in seinem Wort einige wichtige Impulse, die für einen neugezeugten Menschen Wirkung haben.

Versuchen wir erstens aus seinem Wort zu erkennen, wie er selbst an uns gehandelt hat. Er hat uns als Eigentumsvolk angenommen, aus unentgeltlicher Liebe, als wir noch in der Irre gingen (5. Mose 7,6-8). Wir hätten diese Liebe nicht verdient, weil wir im Götzendienst lebten und damit Gott Jahweh das grösste Unrecht zufügten. Diese Zusammenhänge lassen sich aus der Gesamtheit der Offenbarung Jahwehs erkennen und verstehen.

Für Gläubige gilt zweitens die Tatsache, dass uns, als das Eigentumsvolk Jahwehs, als solche, die wir vor Grundlegung der Welt erwählt sind (Eph 1,4; Röm 8,29-30; 1. Petr 1,20), nichts scheiden kann von der Gemeinschaft der Liebe des himmlischen Vaters, zu der wir durch Jahshua Zugang bekommen haben (Jes 49,14-16; 41,8-9.14; Jo 10,29; Röm 8,31-39).

Wer sich drittens gegen sein Eigentumsvolk, seine Auserwählten, versündigt, hat aus Unwissenheit über das Wesen Jahwehs und seine Heilswege gesündigt (vgl. Apg 3,17; 1. Kor 15,34; Eph 4,18; 1. Tim 1,17). Durch die wirksame Gnade zieht und führt er einen solchen Menschen in die Verantwortung (vgl. Gal 1,17b; 1. Tim 1,12-17).

Viertens sind Erstlinge ein Schauspiel, sowohl Engeln als Menschen (1. Kor 4,9-10; Eph 3,10), d.h. Gott Jahweh will uns vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt als solche darstellen, zeigen, in denen seine Gesinnung wohnt und die ihm in jedem Fall und ohne Unterlass dienen. Wir denken hier an Daniel in der Löwengrube (Daniel 6,21) oder an seine Freunde im Feuerofen (Daniel 3,17-18). Wir schauen auch auf Hiob und die Vertiefung seiner Gottesbeziehung durch die schweren Leiden und die gemeinen Unterstellungen seiner Freunde.

Fünftens richten wir unser Angesicht immer wieder auf Jahweh, wenn uns eine Ungerechtigkeit oder Not trifft. Von Joshafat ist uns gesagt: „Da fürchtete sich Joshafat und richtete sein Angesicht darauf, Jahweh zu suchen. Und er rief ein Fasten aus in ganz Juda. Und Juda versammelte sich, um von Jahweh Hilfe zu suchen“ (2. Chronik 20,3-4). Ein übergrosses Heer von Ammonitern hatte sich nämlich gegen Juda aufgemacht, dem Joshafat und ganz Juda, menschlich gesehen, vollkommen ausgeliefert war. „Denn in uns ist keine Kraft vor dieser grossen Menge, die gegen uns kommt. Wir erkennen nicht, was wir tun sollen, sondern auf dich sind unsere Augen gerichtet. Und ganz Juda stand vor Jahweh, mit ihren Kindern, ihren Frauen und ihren Söhnen… Da neigte sich Joshafat mit dem Gesicht zur Erde und ganz Juda und die Bewohner von Jerusalem fielen nieder vor Jahweh um Jahweh anzubeten.“ (2. Chronik 20,12-13.18). Joshafat rief sein Volk auf: „Glaubt an Jahweh euren Gott, dann werdet ihr bestehen… Preist Jahweh, denn seine Gnade währt ewig! Und zu der Zeit, da sie mit Jubel und Lobgesang anfingen, legte Jahweh einen Hinterhalt gegen die Söhne Ammon, Moab und die vom Gebirge Seir, die gegen Juda gekommen waren, und sie wurden geschlagen“ (2. Chronik 20,20-22). Schon Mose lehrte das Volk, indem er ihm sagte: „Jahweh wird für euch kämpfen, ihr aber werdet Stille sein“ (2. Mo 14,14).

Sechstens lässt Jahweh Ungerechtigkeit um seiner Liebe willen nicht ungeschehen. Jahweh wird an seinem gerechten Gericht festhalten und erstatten: „Mein ist das Gericht und das Urteil (die Vergeltung)“ (5. Mo 32,35). Der Prophet David lehrt uns im Psalm 9,9: „Und er, er wird richten die Welt in Gerechtigkeit, wird über die Völkerschaften Gericht halten in Geradheit. Doch dem Unterdrückten ist Jahweh eine hohe Feste. Eine hohe Feste in Zeiten der Drangsal“. Der Prophet Jeremia bekennt es so: „Aber du, Jahweh der Heerscharen, der du gerechtrichtest, Nieren und Herz prüfst, lass mich deine Gerichte an ihnen sehen! Denn dir habe ich meine Rechtssache anvertraut“ (Jer 11,20).

In den Gerichten zeigt Jahweh jenen, die Unrecht getan haben, ihr Fehlverhalten auf. Sie werden das Böse, das sie angerichtet haben, erkennen und wieder gut machen. Es wird die Zeit anbrechen, da alle, die Unrecht getan haben, ihre Knie beugen werden: „… damit in dem Namen Jahshua jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen und jede Zunge bekenne, dass Jahshua der Mashiach (Messias = Christus) ist, zur Ehre Gottes des Vaters“ (Phil 2,10-11), „…denn niemand kann sagen, Herr ist Jahshua, ausser im heiligen Geist (durchflutet von dem Odem Jahwehs)“ (1. Kor 12,3b). „Wenn ihm aber alles unterworfen ist (d.h. durchgerichtet ist), dann wird auch der Sohn selbst dem untergeordnet sein, der ihm alles untergeordnet hat, damit Jahweh alles in allem sei“ (1. Kor 15,28-29; vgl. Röm 11,32-36; Jes 65,17; 66,22; Offb 22,5).

Unter diesen von Gott geoffenbarten Gegebenheiten – es gibt noch andere, die hier nicht genannt sind – werden wir nicht verbittern und mit manchem Unrecht leben können. Möge uns darum eine tiefe Gottesbeziehung und Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater geschenkt sein, denn diese hat er uns durch Jahshua ermöglicht.

Gregor Dalliard