Wen bezeichnet die Bibel als den kommenden Mashiach (Gesalbten, Christus)? Teil 4

Glaubensimpuls 145

Dieses Thema führt zu heftigen Auseinandersetzungen, was mir völlig verständlich ist. Das ist der Anlass warum ich in diesem Gim 145 vorwiegend Rückblick auf einige Tatsachen halten möchte. Tiefe Freude erfüllt mich wenn ich mich über die biblischen Zusammenhänge auseinandersetzen darf, so auch über dieses Thema. Schon als Kind trieb mich ein tiefes Bedürfnis nach einer tiefen Gemeinschaft mit meinem Schöpfer, Helfer und Erlöser. Die katholische Kirche beherrschte mit ihren Lehren damals unser ganzes Denken bestimmte unser Gottesbild, prägte dieses Gottesbild der Kirchenväter tief in uns ein und bestimmte damit unser Alltagsleben in allen Details. Ausserhalb dieses Denkens war alles falsch und verkehrt und es gab ausserhalb dieser Kirche kein Heil und keine Hilfe. Übrigens hat die katholische Kirche bis heute nichts von ihrer Lehr-Dogmatik und Verurteilung aller Menschen ausserhalb ihres Religionsverständnisses geändert, obwohl sie sich bei allen ihren Aktivitäten anders präsentiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg redeten die älteren Menschen beim Abendsitz (Gesprächsaustausch am Abend) auf den Dorfplätzen und in den Häusern fast ausschliesslich von den Gräueltaten und Verbrechen der Menschen während des Krieges. Den Fernseher gab zu jener Zeit noch nicht. Neben dem Radio gab es wenig Kommunikation mit der Aussenwelt und was ausserhalb des katholischen Denkens an uns herangetragen wurde, wurde von vornherein als gottlos abgetan. Alle Kommunikation lief innerhalb des Dorflebens ab.

Was mich damals als Kind erschreckte und was ich als unheimlich empfand war die Tatsache, dass Kirchenmenschen dieses Inferno ausgelöst hatten und niemand da war, der diese Gräuel hätte verhindern können. Ich vermochte die Tragweite dieser schrecklichen Ereignisse und die Vernichtung von einer solchen Masse an Juden nicht einzuordnen – mir fehlte ganz einfach die ganze Bibel. Wir waren zwar im Besitz des Katechismus und einer Schulbibel, aber diese Bücher waren linientreu nach den Vorgaben des Vatikans verfasst. Darum vermittelten sie auch keine Beziehung zu unserem himmlischen Vater und zu seinem helfenden Wort. Besass jemand eine Bibel durfte darin nicht gelesen werden. Darauf lag ein Fluch, verbunden mit der ewigen Höllenstrafe!

Jedenfalls bekam ich schon als Kind Angst vor der Unberechenbarkeit der Menschen. Ich suchte und hoffte in der Vertiefung meiner ererbten Religion die Begegnung mit Gott zu finden – als einen sicheren Hort in unberechenbaren Zeiten. Später konzentrierte sich darum mein ganzes Theologiestudium auf das Erfassen der gesamten kirchlichen „Heilslehre“. Niemand kann katholischer Priester werden, wenn er nicht vorher die hellenistische Philosophie beherrscht, denn die Gründer des Kirchentums waren die berühmtesten Philosophen der damaligen Zeit, die Kaiser Konstantin extra zum Konzil von Nizäa (325) einberufen hatte. Ihre Aufgabe war es die verbliebenen bibelorientierten Führer, bzw. Bischöfe, zusammen mit führenden hellenistisch geprägten Kirchenvätern, auf die alte traditionsreiche Religion des Sonnenkultes einzuschwören und vom geoffenbarten Leben der Bibel abzutrennen. Das biblische Wort sollte in das hellenistische Denken und damit in die alte Weltreligion des Sonnenkultes, die bei allen Völkern damals vorherrschend war, eingeordnet werden.

Dieses Denken ist in seiner Grundkonzeption völlig anders, lebensfremd und darum unberechenbar. Es ist ein Denken, das den Kräften der Schöpfung Eigenständigkeit zuspricht und sie darum als Gottheiten wahrnimmt und ihnen auf vielfältige Weise zu dienen versucht, was schlimmste negative Folgen für den Menschen haben kann. Es widerspricht den geoffenbarten gesunden Lebensordnungen unseres himmlischen Vaters, die er dem israelitisch-jüdischen Volk zum Schutz und Segen offenbarte. Auf der Basis der trinitarischen Götterwelt der Philosophen war darum aus dem Herzen des kirchlichen Abendlandes ein Zweiter Weltkrieg mit seinen grauenvollen und entsetzlichen Früchten möglich. Wer von uns vermochte die Hirnwäsche zu durchschauen und daraus zu entfliehen?

Es sollte noch Jahrzehnte dauern bis mir der Durchbruch zur Bibel und der Zugang zu den tiefen biblischen Zusammenhängen erschlossen werden sollte. Meine Abneigung gegenüber den Juden war einfach zu tief. Die Vorurteile gingen verständlicherweise ins Bodenlose. Die Juden waren mir völlig fremd und zu andersartig, so dass ich nicht im Geringsten ahnen konnte, dass unter ihnen die Träger der Worte des Lebens waren und sind und dass der Abba Vater sie nie aufgegeben hatte und nur mit ihnen den Lebensbund für alle Menschen aufrecht erhalten würde. Sie galten als verworfen, als diejenigen die Gott umgebracht hatten. Was wäre von ihnen noch zu erwarten gewesen, als Umkehr in die katholische Kirche oder ihre Ausrottung!

Wie beim Bau eines Hauses wurde ein Bauelement nach dem andern zusammengetragen und aufgebaut. Bei einem Bau sind viele Köpfe und Hände tätig. Der eine spielt dem andern – manchmal unbewusst – in die Hände. Vieles muss im Blick auf den Gesamtbau neu überdacht, verändert und eingeordnet werden. So war und ist es auch bei mir. Von so vielen bekam und bekomme ich – bewusst oder unbewusst – wunderbare biblische Hinweise, Impulse, die ich immer gerne aus dem Gesamtkontext der Bibel, des geoffenbarten Wortes und aus dem Zeugnis der Menschen, die in dieser Geschichte lebten, zu verstehen und einzuordnen versuche.

Darum ist meine Freude heute entsprechend gross, dass auch ich aus den wunderbaren zusammenhängenden Schätzen der Bibel leben darf. Die Unberechenbarkeit der Menschen bleibt solange bestehen solange es Menschen gibt, die nicht bemüht sind ihr Leben aus dem Gesamtkontext des geoffenbarten Wortes unseres Schöpfers zu gestalten, wie dies die israelitisch-jüdischen Propheten, auch Jahushua (Jesus) und viele aus dem erwählten Volk immer schon taten.

Wir denken jetzt nicht nur an die Eroberungszüge der islamischen ISIS-Krieger, die im Nahen Osten Angst und Schrecken verbreiten. Nein, sie kann in jedem von uns aufbrechen, wenn wir unsere Beziehung zu unserem Abba Vater nicht laufend aus dem biblischen Kontext heraus vertiefen und nicht aus diesen Tiefen der biblischen Zusammenhänge heraus mit JaHuWaH (sprich: Jahua) leben. Es muss nur von irgendwo her das entsprechende Umfeld geschaffen werden und schon sitzen wir in der Falle.

Wir glauben aber, dass diese Unberechenbarkeit ein Ende haben wird, wenn der Abba JaHuWaH (sprich: Jahua) kommt und seine Herrschaft aufrichten wird. Wie Jeshajahu berichtet uns auch der Prophet Sacharjah: „Und ich versammle alle Völker nach Jerushalajm zum Krieg.. Dann wird JaHuWaH ausziehen und gegen jene Völker kämpfen, wie er schon immer gekämpft hat am Tag der Schlacht. Und seine Füsse werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerushalajm im Osten liegt.. Dann wird JaHuWaH, mein Erlöser, kommen und alle Heiligen (Gesalbten) mit ihm.. Und JaHuWaH wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tag wird JaHuWaH einzig sein und sein Name einzig.. Und dies wird die Plage sein, mit der JaHuWaH alle Völker plagen wird, die gegen Jerushalajm in den Krieg gezogen sind: Er lässt jedem sein Fleisch verwesen, während er noch auf seinen Füssen steht, und seine Augen werden verwesen in ihren Höhlen, und seine Zunge wird in seinem Mund verwesen“ (Sach 14,2-12). Es muss sich wohl um Giftgas, Chemie, Atomwaffe oder Epidemien handeln.

Gleich tritt eine Wende ein, die jeder Unberechenbarkeit der Menschen ein Ende setzten wird: „Und es wird geschehen: Alle Übriggebliebenen von allen Völkern, die gegen Jerushalajm gekommen sind, die werden Jahr für Jahr hinaufziehen, um den König JaHuWaH der Heerscharen, anzubeten und das Sukkot (Laubhüttenfest) zu feiern“ (Sach 14,16).

Wer sich den Weisungen und Ordnungen JaHuWaHs nicht unter- und einordnen wird, wird entsprechende Konsequenzen zu tragen haben (vgl. Sach 14,17-19). Diese Aussagen Sacharjahs decken sich mit andern prophetischen Aussagen, was uns erfreut.

Wegen des Exkurses in diesem Gim werde ich die Begriffe „Sohn“, „Erwählung“, „Heilige“ usw., im Zusammenhang mit dem kommenden Mashiach, ein anderes Mal erörtern.

Allen wünsche ich einen innerlich ruhigen Shabbat, viel Zuversicht und Vertrauenswachstum aus der reichen Fülle des geoffenbarten Wortes. Shalom!

Gregor Dalliard