„dein Reich komme” (Matthäus 6,9d)

Glaubensimpuls 24

Das Wesen und die Ordnungen des himmlischen Vaters sollen einmal sein ganzes Schöpfungswerk durchdringen, die himmlischen, die irdischen und unterirdischen Bereiche (vgl. Phil 2,10-11; 1. Kor 15,20-28; 5. Mo 32,39; Ps 22,28-30, achte aber auf die korrekte Übersetzung von Ps 22,30 “nur Ihm werden huldigen alle in der Erde Schlafenden”. Welch ein ermutigendes Ziel! Ohne dieses von Jahweh geoffenbarte Ziel, wäre das irdische Leben für ernsthaft gläubige Menschen wohl zum verzweifeln. Ohne dieses geoffenbarte Ziel hätten wir es mit einem wankelmütigen, unnützen Götzen zu tun. Seine Werke wären ihm misslungen und für immer über den Kopf gewachsen! Nun ein paar Gedanken zu Mt 6,9d.

Die Bitte „dein Reich komme“ gehört darum bis zum heutigen Tag zum festen israelitisch-jüdischen Gebetsinhalt. Da wir „unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumes teilhaftig geworden sind“ (Röm 11,17b) oder teilhaftig werden sollten, gehört diese Bitte auch zu unserem zentralen Glaubensinhalt. Diese Bitte ist mit der endgültigen Herrschaft Jahwehs durch seinen Mashiach (Gesalbter = Christus) und damit auch mit der lang ersehnten Erlösung und Führung des auserwählten Volkes verbunden. Der Überrest Judas (Juden) hat aber wegen seiner Auserwählung, unserer Erlösung und der Wiederherstellung des Schöpfungswerkes Jahwehs durch alle Jahrhunderte hindurch, bis heute, unsägliches Leid erduldet.

So erwarten die gläubigen Juden den vom himmlischen Vater seit ewigen Zeiten verheissenen Mashiach. Seit der Untreue und dem Ungehorsam Adams und Evas erwarten sie ihn, angefangen von Adam und Eva selbst (vgl. 1. Mo 4,1.25 usw.). Wegen dieser Verheissung des himmlischen Vaters ist ein Überrest von Juden durch alle Jahrhunderte hindurch der Thora treu geblieben. Mit diesem Teil des jeweiligen gläubigen Überrestes beschritt und beschreitet der himmlische Vater einen aussergewöhnlichen Weg. Die ungläubigen, säkularen Juden werden wohl oder übel mitgerechnet, wenn sie sich als Juden bezeichnen, obwohl sie nicht als religiös verstanden sein wollen. Kurz vor seinem Tod sollte Mose ihnen diesen künftigen Weg offenbaren: „Und es wird geschehen, wenn all diese Worte über dich kommen, der Segen und der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, und du es dir zu Herzen nimmst unter all den Nationen, wohin Jahweh, dein Erlöser, dich verstossen hat, und du umkehrst zu Jahweh, deinem Erlöser, und seiner Stimme gehorchst nach allem, was ich dir heute befehle, du und deine Kinder, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, dann wird Jahweh, dein Erlöser, dein Geschick wenden und sich über dich erbarmen. Und er wird dich wieder sammeln aus allen Völkern, wohin Jahweh, dein Erlöser, dich zerstreut hat“ (5. Mo 30,1-3).

Unter den jeweils Zerstreuten kehrte ein Überrest um, tat Busse, erlebte eine Umsinnung (Teshuwa)! Zu was sollten sie, die unter allen Völkern zerstreut waren, umkehren, umsinnen? Zu Jahshua? Nein! Diese göttliche Ordnung hat mich noch vor einigen Jahren entsetzt und fragend gemacht. Man lese und staune: „…und du umkehrst zu Jahweh deinem Erlöser und seiner Stimme gehorchst nach allem, was ich dir heute befehle…“ (Vers 2). Achten wir darauf, sie sollen umkehren zum Inhalt der Thora “nach allem, was ich dir heute befehle”. Darum gab es zu jeder Zeit, bis heute, gläubige Juden. Ist das nicht wunderbar?

Sie sollten allezeit den Mashiach, sein Reich und seine Herrschaft erwarten und erbeten, was sie bis heute tun. In seinem heilsgeschichtlichen Handeln, als die Zeit erfüllt war, “als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Jahweh seinen Sohn” (Gal 4,4) Jahshua um mit einer bestimmten Zahl von Juden die Verheissung zu vollziehen, nämlich aus den zehn „verlorenen“ Stämmen (= Israel-Nationen) sich „ein Volk zu nehmen für seinen Namen“ (Apg 15,14; Röm 11,25). Die Apostel, Jünger und die ersten Gemeinden bestanden nur aus Juden, die Jahweh dem Mashiach zugeteilt hatte (vgl. Apg 2,47; 13,48; Joh 6,37.43.65; 10,20; 17,2.9). Etwas später kamen zuerst einige und dann immer mehr aus den (Israel-)Nationen hinzu. In seiner Vorsehung wusste Jahweh um den schrittweisen und schliesslich radikalen Abfall der nachapostolischen Messiasgemeinden von dem wahren Jahshua HaMashiach im 4. Jh., die schliesslich fast ausnahmslos aus Messiasgläubigen aus den (Israel-)Nationen bestand. Die an den Mashiach gläubig gewordenen aus den Nationen schnitten sich schleichend von der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumes ab (vgl. Röm 11,17-24). Genau davor hatte vor allem Shaul gewarnt (vgl. Apg 20,13-38; Röm Kap. 9-11). Damit haben sie sich selbst zu Fall gebracht. Bis ins 4. Jh. hinein kamen solche aus den Nationen („verlorenen“ Stämmen) hinzu und wurden „unter sie (Juden) eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumes teilhaftig“ (Röm 11,17), natürlich nicht im ultraorthodoxen gesetzlichen Sinn, damit war nun Schluss.

Sie unterwarfen sich schrittweise den kaiserlichen Kulten und Traditionen. Damit distanzierten sie sich von den Juden und dem Monotheismus (Einerlöserglauben). Die gläubigen Juden lehnten jede Form von Götzendienst, egal welcher Art, aber ganz besonders den Kaiserkult, ab. Darum waren sie sowohl bei Griechen und Römern stets verhasst. So warfen sie die messiasgläubigen Juden schrittweise aus ihren Gemeinden hinaus, verfolgten sie immer heftiger und vernichteten deren Gemeinden: “… so rühme (loslösen) dich nicht gegen die Zweige. Wenn du dich aber gegen sie rühmst – du trägst nicht die Wurzel, sondern die Wurzel dich… wirst auch du ausgeschnitten werden” (Röm 11,18-21). Jahweh hatte sie (das Kirchentum), bis in unsere Tage herein, ausgeschnitten (Röm 11,22).

Darum werden seit dem Bruch durch Kaiser Konstantin auf dem Konzil von Nizäa (325) und Kaiser Theodosius auf dem Konzil von Konstantinopel ( 381) solche aus den (Israel-)Nationen nicht mehr „unter sie (Juden) eingepfropft“, d.h. des Reichtums der Offenbarung und göttlichen Ordnungen, die er seinem Volk für alle Menschen gegeben hat, teilhaftig. Sie wurden im Laufe der Geschichte massenhaft in das von den Kaisern Konstantin und Theodosius geschaffene antimessianische (antichristliche) Kirchentum gezwungen, das die Juden offen oder unterschwellig verfolgt (s. das aktuelle kath. Dogmen- und Kirchenrecht CIC). Wären alle Juden in der Zerstreuung dem falschen Gesalbten, dem kirchlichen Christus, gefolgt und dem Staatskirchentum beigetreten, was die Kirche durch alle Jahrhunderte unter schwerster Verfolgung der Juden versuchte und erzwingen wollte, gäbe es schon lange keine thoratreuen Juden mehr. Wir hätten auch keine Kenntnis mehr über die Bibel und den heilsgeschichtlichen Willen des himmlischen Vaters (s. Entsorgung der Bibel im 13. Jahrhundert durch das Papstum). Wir würden im Dunkeln tappen, was sehr leidvoll wäre.

In unseren Tagen wird der Prozess der Herausrufung und des „unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumens teilhaftig sein“ (Röm 11,17) von immer mehr Herausgerufenen weltweit wieder wahrgenommen, erkannt und in konsequenter Ernsthaftigkeit umgesetzt. Diese besteht erstens in der Aussage Jahshuas selbst begründet: „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“ (Mt 15,24; “verlorene” Israel-Nationen)„. Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene (Israel-Nationen, Teil der zwölf Stämme, denen die Verheissung der Wiederherstellung, gilt) zu retten“ (Mt 18,11; 9,13b; 10,5-6; Mk 2,17; Lk 5,32; 15,7.10).

Zweitens soll das Verlorene wieder zusammengefügt werden als Mit-Leib, Mit-Erbe und Mit-Teilhaber (vgl. Eph 3,6) und „unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumens mit teilhaftig“ werden (vgl. Röm 11,17, Röm Kap 9; Eph Kap. 2; Joh 10,16; 11,47-54), damit die Verheissung an Abraham, Isaak und Jakob und dem Zwölfstämmevolk, nämlich die Menschheit in Jahwehs Gegenwart und Ordnungen zu führen (Welt-Evangelisation), umgesetzt werden kann. Shaul bestätigt diese Heilstatsache im gesamten Epheserbrief, auch im Römer- und Galaterbrief, aber auch in den anderen Briefen, ebenso Kefa (Petrus).

In ihren unterschiedlichen Prägungen und Richtungen harrt die Mehrheit der Juden noch des zukünftigen Auftrags, der vor ihnen und uns liegt, nämlich die WeltEvangelisation. Jahshua wird auf die Erde zurückkehren (Joh 14,3; Apg 1,11; Offb 22, 12-13). Selbstverständlich wird das Haupt nicht ohne seinen Leib erscheinen und zum anderen Teil des erwählten Volkes kommen (vgl. Kol 3,3-4; 1. Thess 3,13). Ein Kopf ohne Leib macht keinen Sinn.

Der Mashiach wurde das erste Mal in Beziehung zu Sünde und Tod gesandt (vgl. vor allem Epheser Kap. 2+3). Jahshua wird wieder kommen, doch ohne Beziehung zur Sünde: „… so wird auch der Mashiach, nachdem er einmal geopfert worden ist, um vieler Sünden zu tragen zum zweiten Mal ohne Beziehung zur Sünde denen zum Heil erscheinen, die ihn erwarten“ (Hebr 9,28). Das zweite Kommen des Mashiachs hat also nichts mehr mit der Sünde zu tun.

Bei seinem zweiten Kommen werden alle Juden von einem freudigen und doch gleichzeitig schmerzhaft entspanntem Wehklagen und von einer leidvollen, erlösten Fassungslosigkeit ergriffen sein: „Und es wird geschehen an jenem Tag, da trachte ich danach, alle Nationen zu vernichten (richten), die gegen Jerusalem herankommen. Aber über das Haus Davids und über die Bewohner Jerusalems giesse ich den Geist der Gnade und des Flehens aus, und sie werden auf ihn blicken, den sie (die Römer und einige wenige radikale Juden; vgl. Röm 3,3; 11,17a) durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man bitter über den Erstgeborenen weint“ (Sach 12,9-10; Apg 15; Jes 61,4ff; Apg 15,16).

Endlich wird ganz Juda, nicht nur die bisher gläubigen thoratreuen Juden, sondern gesamthaft, als Nation, gläubig sein (vgl. Röm 11,25.32; Apg 15,16; 2. Kor 3,13-16). Zusammen mit den Auserwählten, den Erstlingen aus den (Israel-)Nationen (allgemein und fälschlicherweise als Christen im herkömmlichen kirchlichen Sinn bezeichnet) bricht die Welt-Evangelisation an: „So spricht Jahweh der Heerscharen: In jenen Tagen, da werden zehn Männer aus Nationen mit ganz verschiedenen Sprachen zugreifen, ja sie werden den Rockzipfel (Quasten des Gebetsmantels = Zizit, auch Tallit genannt) eines jüdischen Mannes ergreifen und sagen: Wir sollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Jahweh mit euch ist“ (Sach 8,23b; Apg 15,17).

“Und dein Volk, sie alle werden Gerechte sein, werden das Land besitzen auf ewig, ein Schössling der Pflanzung Jahwehs, ein Werk seiner Hände, zu seiner Verherrlichung” (Jes 60,21). “Und es wird geschehen: Alle Übriggebliebenen von allen Nationen, die gegen Jerusalem gekommen sind, werden Jahr für Jahr hinaufziehen, um den König, Jahweh der Heerscharen, anzubeten und das Laubhüttenfest (Sukkot) zu feiern” (Sach 14,16).

Unter der Herrschaft Jahshuas und seines Leibes, der aus einer Auswahl von Juden (Juda, Benjamin und Leviten) und Ephraim (aus den zehn “verlorenen” Stämmen (Israel-Nationen, d.h. eingepfropfte Christen) besteht, zusammen mit den gläubigen Juden läuft die Welt-Evangelisation an. Es erfüllen sich die Worte, welche der Geist Jahwehs den Brüdern auf der ersten grossen Brüderversammlung im Jahre 49 in Jerusalem, gemäss profetischem Wort, erschlossen hatte: “…damit die übrigen der Menschen (Heiden) Jahweh suchen und alle (Israel-)Nationen, über die mein Name angerufen ist, spricht Jahweh, der dieses tut” (Apg 15,17; Amos 9,11-12).

Es wird eine Glaubensernte von globalem Ausmass sein! Am Feste Sukkot (Laubhüttenfest), am Fest der grossen Herbsternte, feiern die gläubigen Juden jedes Jahr in profetischer Weise diese kommenden alles übertreffenden Ereignisse. Jahweh ordnete für alle Berufenen dieses profetische Fest bis zu seiner Erfüllung an. Darum feierte Jahshua das Laubhüttenfest mit grosser Ergriffenheit und Inbrunst (vgl. Joh Kap. 7). Jahshua rief aus: “An dem letzten, dem grossen Tag des Festes (Laubhütten), aber stand Jahshua und rief und sprach: Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke. Wer an mich glaubt (mir vertraut), wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fliessen” (Joh 7,37-38).

In dieser erlösten Freude wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat! Shalom!

Gregor Dalliard