„Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Jahwehs nicht hat, hat das Leben Jahwehs nicht.“ ( 1. Joh 5,12)

Glaubensimpuls 36

Was sagt dieser Vers im biblischen Kontext aus? Wir müssen wissen, dass hier das auserwählte Volk gemeint und angesprochen ist und zwar die „Verlorenen“ aus dem Zwölfstämmevolk. Wer in der Sünde tot ist (vgl. Eph 2,1.5; Kol 2,13; Lk 15,24.32), d.h. wer von dem Zwölfstämmevolk von Jahweh getrennt lebt, also ohne Jahweh in der Welt lebt, der kommt nur durch die Begnadigung Jahwehs (vgl.Gal 1,15-16; Eph 2,5-10; 1.Tim 1,12) über Jahshua in die Gemeinschaft mit dem himmlischenVater zurück. Es gibt für einen solchen Menschen, der über Abraham, Isaak und Jakob teilhat an den Verheissungen Abrahams, aber durch Ungehorsam und Götzendienst vom himmlischen Vater gerichtet ist, das heisst in der Sünde tot ist, keinen andern Weg zurück zum Vater: „Niemand kommt zum Vater als nur durch mich“ (Jo 14,6b).

Reissen wir diesen Text aus dem biblisch-profetischen Verheissungszusammenhang heraus, dann deuten wir diese Aussage des ersten Johannesbriefes im ersatztheologischen Sinn der Kirche. Was heisst das konkret? Wir würden dann sagen, dass alle Juden, die allein aus Gnade vom Abba Jahweh erwählt, als Söhne gezeugt, geboren, berufen und wie Abraham gerechtfertigt worden sind (vgl. 5.Mo 7,6ff; 5.Mo 32,18 u.v.a.m.), Jahshua annehmen müssen, bevor sie in der Beziehung zu Jahweh leben können. Das ist kirchliche Bibelkritik!  Wir würden damit dem Heilswillen und dem Heilswirken des Abba Jahweh, unseres himmlischen Vaters, widersprechen und ihm entgegenarbeiten und den Juden schmählichstes Unrecht zufügen. Die grossen Kirchen, und mit ihnen auch die meisten Freikirchen und Gemeinschaften, halten aber bis heute an dieser Dogmatik fest, trotz aller Pro-Israel-Kundgebungen  und Programme und trotz aller interreligiösen Aktionen.

Jahshua widerspricht dieser  antijüdischen Bibelkritik, indem er lehrt: „Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte (von Jahweh gerechtfertigte Juden) zu rufen, sondern Sünder (von Jahweh Abgefallene)“ (Mt 9,13b). „Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene zu retten“ (Mt 18,11; Mk 2,17; Lk 5,32; u.a.m.). „Ich sage euch: so wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der umsinnt, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Umsinnung nicht bedürfen (Lk15,7). „Und ich habe andere Schafe (aus den „verlorenen“ zehn Stämmen), die nicht aus diesem Hof (Juda) sind; auch diese muss ich bringen“ (Jo 10,16; vgl. dazu Joh 11,47-54).

Jahshua dankte für jene bestimmte Zahl von Menschen, die der Vater ihm gegeben hatte: „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast..“ (Jo 17,6). „Und er (Jahshua) sprach: Darum habe ich euch gesagt, dass niemand zu mir kommen kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben“ (Jo 6,65), d.h. er sei denn aus dem Verheissungssamen Abrahams, Isaaks und Jakobs, d.h. Nachkomme aus dem Zwölfstämmevolk (vgl Jo 6,43).

Auch der Apostel Kefa (Petrus) widerspricht dieser antijüdischen bibelkritischen Irrlehre der Kirchen, indem er schreibt: „Denn ihr gingt in der Irre wie Schafe, aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen“ (1.Petr 2,25). Dabei beweist er diese Heilstatsache, indem er auf den Profeten Hosea hinweist (vgl. 2.Petr 2,10), genau so wie Shaul im Brief an die Römer schreibt (vgl. Röm 9,4.22-29). Damit sind obige Aussagen und profetische Zusammenhänge belegt. Ist das nicht wunderbar und ein allzeit gegebener Grund zu tiefster Danksagung?!

Ein weiterer Beleg is das brüderliche Zusammenleben der Juden mit jenen Juden, die an den Mashiach Jahshua glaubten in den ersten Jahrzehnten in Jerusalem. Darüber habe ich im letzten Gim geschrieben. Übrigens, ist in der Bibel von Schaf die Rede, dann ist immer Israel gemeint, und zwar immer im Zusammenhang des Zwölfstämmevolkes.

Wir wir bereits wissen, nahm diese üble Bibelkritik ihren Anfang bei den Kirchenvätern der nachapostolischen Zeit. Sie schufen zuerst einen neuen Jahshua, den Jahshua der Kirche. Shaul hatte vor diesem neuen falschen Jahshua, der aus dem  heidnisch-griechischen Denken heraus geschaffen werden würde, eindringlich gewarnt. Die Korinther, als Griechen, waren von diesem griechisch-hellenistischen Denken mehr als alle andern geprägt und gefährdet. Nicht umsonst schreibt er ihnen: „Denn wenn der welcher kommt, einen andern Jahshua predigt,.. so ertragt ihr das recht gut..“ (2. Kor 11,4).

Kaiser Konstantin, bis zum Ende seines Lebens ein Sonnenanbeter, mit christlichen Beilagen, lud im Jahre 325 n.u.Z. alle Kirchenväter und Bischöfe zum ersten Konzil des Staatschristentums nach Nizäa ein. Dabei lud er die berühmtesten griechisch-hellenistischen Philosophen ein, die den, wegen Abfall vom profetischen Wort zerstrittenen  Ältesten und Bischöfen helfen sollten, die biblische Botschaft in  althergebrachte Dreifaltigkeitsformen zu integrieren. Damit sollte der Reichsfrieden garantiert werden.  Als diese religiös-politischen Dreipersonengottheiten, mit Hilfe der griechischen Philosophen und ihrer Philosophie, als ein Gott in drei Personen (ein Erlöser in drei Personen) zusammenphilosophiert und als heilsnotwendig zu glaubende Wahrheit dogmatisiert war (Nizäa 325 – Konstantinopel 381), sollten sich alle Menschen dieser Lehre der Dreigötterpersonen unterwerfen, was den Heiden keineswegs schwerfiel, gehörte sie doch zu ihren fundamentalen Traditionen. Jahshua wurde als Jesus-Gott, als  sogenannte zweite Gottperson (als zweite Erlöserperson), zur Hauptgottheit (zum Haupterlöser über den Erlöser Jahweh) stilisiert, gemacht, ohne die niemand das göttliche Leben in sich haben würde. Jahweh, der einzige und wirkliche Erlöser, und die Gemeinschaft der gläubigen Juden mit dem himmlischen Vater Jahweh, dem Erlöser Israels, wurde vollkommen in den Hintergrund gedrängt, zerstört und ignoriert. Damit auch die souveräne Erwählung, Vorherkenntnis und Berufung Israels durch den himmlischen Vater Jahweh. Auch die gläubigen Juden wurden zur Annahme dieser Dreigottpersonen und zur Annahme des damit verbundenen Kreuzzeichens genötigt, erpresst und verfolgt. Viele gläubige Juden starben in ihrer Treue zur Bibel, zu Jahwehs Bundesverheissungen, unter grässlichsten Foltermartern von Seiten der Kirche als Märtyrer.  Wie hätte sich ein thoratreuer gerechter Jude wohl diesem christlichen Götzenkult unterwerfen können?

Mit dem antiken heidnischen Zeichen, der magischen Kreuzform (siehe Babylon, Ägypten, Hitler) und der Bekreuzigung zu Beginn und am Ende einer jeden Gebetsversammlung und bei jeder sich bietenden Gelegenheit, sollte das Staatschristentum seine Loyalität gegenüber dem römischen Kaiser ausdrücken und damit seine Rechtgläubigkeit demonstrieren. Dieses Ziel liess sich aber innerhalb der mashiachtreuen Gemeinden erst im 6. Jh umfassend durchsetzen und zwar nach blutigen Verfolgungen und einem radikalen Antijudaismus, den die Kirchenväter Ambrosius im Westen, Bischof von Mailand, und Hieronymus im Osten, im 4. Jh philosophisch und theologisch durch den Aufbau einer systematischen Eratztheologie begründeten und dogmatisierten. Danach sind die Juden vom Heil ausgeschlossen, wenn sie nicht katholisch werden. Ein Dogma bleibt für alle Katholiken bis zum Ende der Welt als verbindlich zu glaubende heilsnotwendige Lehre. Kein späterer Papst kann nach katholischem Dogma das Dogma eines früheren Papstes aufheben oder für ungültig erklären. Darum treibt der Vatikan mit den Juden ein böses Katz und Maus Spiel das aller Vernunft und Rechtschaffenheit spottet. Nun diese neue Theologie war und ist vollgespickt mit biblischen Versen und Gedanken, um so bei Aussenstehenden, Bibelunkundigen und Anhängern den Eindruck der jahwehgefälligen Bibeltreue zu erwecken. Die Gemeinden wurden systematisch unterwandert und schliesslich zu Fall gebracht.

Die Kirchenväter und Bischöfe ignorierten kaltblütig die Erwählung und Berufung des Zwölfstämmevolkes. In Theologie, Lehre und Praxis zerrissen sie das untrennbare Band des Bundes, das Jahweh mit Abraham, Isaak und  Jakob geschlossen hatte. Damit rissen sie alle Segensverheissungen, die unlösbar an diesen Bund geknüpft sind,  an sich und verfluchten die Juden. Sprach man von den Juden, dann sprach man nur noch von den Flüchen, denen sie immer unterworfen bleiben würden, bis sie sich zu dem heidnisch-christlichen trinitarischen Jesus und damit zu den Dreigötterpersonen der Kirchen bekehren würden. In den Kirchen und in den meisten kirchlich geformten Gemeinschaften herrscht dieses Denken in Dogmatik und Verkündigung heute noch vor – oft hinter vorgehaltener Hand! Das Kirchentum, auch das freikirchliche, ist nicht bereit bis zur letzten Konsequenz auf Jahwehs Wort einzugehen, umzusinnen und sich aus Liebe zum himmlischen Vater und Jahshua vom Denken der Kirchenväter offiziell und konsequent zu lösen. Zuviel Macht und Ansehen steht auf dem Spiel. Zuviel traditionelle Gemütlichkeit, verbunden mit menschlichen Beziehungen und Bindungen, ist dabei gefährdet.  Zu tief ist man mit der Wirtschaftswelt und ihren dunklen Geschäften liiert.

Ein Überrest von Juden ist dem himmlischen Vater immer gehorsam und treu geblieben. Sie erkannten allezeit den Abba Jahweh als ihren Erwähler, Retter und Erlöser innerhalb ihrer Familien und Gemeinschaften an. Sie priesen die alleinige Gnade, Begnadigung, durch ihren Erlöser Jahweh allein: (1.Mo 24,27; 2.Mo34,6; 2.Sam 7,15; Ps33; 100; 103; 106; 118; 136 u.v.a.m.). Die ganze Erde wird einmal erkennen, dass Jahweh, der Himmel und Erde geshaffen hat, in Israels Mitte war, ist und sein wird. „Ich bin Jahweh euer Erlöser“ (3. Mo 26,13).  Über sie hat er seinen Bund der Gnade und der Begnadigungen mit Abraham, Isaak und Jakob bewahrt (vgl. 5. Mo 7,9.12) und allezeit vor der ganzen Welt erhalten und sichtbar gemacht. Welch ein Wunder seiner Begnadigungen! Wir dürfen jetzt in diesem Bund der Begnadigung als Begnadigte leben. Nimmt es da jemanden wunder, wenn unser Herz, sowohl bei Tag als auch bei Nacht, im Geiste Jahshuas, regelmässig die ersten Verse des Psalmes 92 betet: „Es ist gu Jahweh zu preisen und deinen Namen, du Höchster, zu besingen; am Morgen zu verkünden deine Gnade, und deine Treue in den Nächten..“

Der Weg zurück zu den Wurzeln unseres Glaubens, zurück zu dem profetisch zusammenhängenden Wort des lebendigen Erlösers Jahweh, ist bestimmt kein leichter Weg. Er reisst uns aus unserer kirchlichen Volkskultur heraus, die wir mit der Muttermilch aufgesogen haben. Doch dieser Weg führt uns in die Jahwehmündigkeit und -gefälligkeit, in die Unabhängigkeit von religiösen Organisationen. Er eröffnet uns den Lebensraum in die Eigenverantwortung, wie sie Jahweh von uns erwartet. „Denn so viele durch den Geist Jahwehs geleitet werden, die sind Söhne Jahwehs. Denn ihr habt nicht den Geist der Knechtschaft (Sklaverei) empfangen wieder zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba (Vater)! Der Geist selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder (Söhne) Jahwehs sind. Wenn aber Kinder (Söhne), so auch Erben, Erben Jahwehs und Miterben des Mashiachs, wenn wir wirklich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden“ (Röm 8,14-17).

In dieser Freude grüsse ich alle ganz herzlich und wünsche allen einen gesegneten Shabbat. Dies in Erinnerung an das herrliche Schöpfungswerk, das unser himmlischer Vater als vollkommenes Werk am Shabbat so echt geniessen konnte (vgl. 1. Mo 1,31 – 2,1-3).  Dies auch in Erinnerung an die Ruhe, die uns durch die Begnadigung Jahwehs, durch die ungeteilte Treue Jahshuas und in seine Auferweckung aus den Fesseln des Totseins vor Jahweh dargestellt ist – ebenfalls an einem Shabbat (obwohl die frühe Kirche die Auferstehungstexte verfälschte, indem sie, in Anpassung an den heidnisch-römischen Sonnenkult und -kalender, aus dem einen Tag der Woche, nämlich dem Shabbat, den Sonntag, machte.) Und dies auch im Blick auf die Endzeit: „Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir bestehen, spricht Jahweh, so werden eure Nachkommen und euer Name bestehen. Und es wird geschehen: Neumond für Neumond und Shabbat für Shabbat wird alles Fleisch kommen, um vor mir anzubeten, spricht Jahweh“ (Jes 66,22-23). Shabbat Shalom

Gregor Dalliard