«Christus der Retter ist da!» Teil 4

Glaubensimpuls 380

Das Weihnachtsdrama unserer Muslima aus Syrien und der drei deutschen Studentinnen ist mit unseren bisherigen Berichten noch nicht zu Ende. Wir werden im nächsten Gim von einem ihrer wesentlichsten Erkenntnisse berichten. Die jungen Frauen erkannten innert eines Jahres intensivsten Bibelstudiums und intensivster Auseinandersetzungen mit dem Koran, dem “Neuen Testament” und der Bibel (dem TaNaCH), das was ich erst nach rund 35 Jahren Bibelstudium zu verstehen vermochte. Das auch nur schrittweise und unter laufenden inneren Kämpfen und Diskussionen mit führenden Christen. Diese Frauen waren so mutig, dass sie gleich zu Beginn ihrer Suche nach dem Sinn von Weihnachten einige Priester, einen Koranleiter und einen Rabbi in ihre Forschungen mit einbezogen hatten. Aber es geschah gerade das was die Priester, und letztlich auch der islamische Vorbeter, verhindern wollten. Sie fanden zu JaHuWaH und seinen Lebensweisheiten.

Erst 1975, gegen Ende meiner theologischen Ausbildung, zwei Jahre vor meiner Priesterweihe, wurde ich auf die Bibel als das Reden Gottes aufmerksam gemacht. Ein Reden, das eine freudige Bereitschaft des Zuhörens und des bereitwilligen Austausches bei jedem auslösen sollte. Bis dahin war für mich das Lesen des “Neuen Testamentes” keine Option, schon gar nicht die Bibel der Juden. Wir hatten unseren Katechismus und die liturgischen Bücher. Alle diese Bücher sind vollgespickt mit Bibelstellen aus der Bibel des Jahushuas von Nazareth, dem TaNaCH, aber auch aus der Bibel der paulinischen Kirchenväter, des “Neuen Testamentes.” Die Zitate des TaNaCH sind zwar fast alle aus dem biblischen Kontext gerissen, wecken aber beim biblisch unkundigen Menschen den Eindruck als sei in allem das lebendige Wort Gottes zitiert. So ist das mit allen kirchlichen Lehr- und Heilsdogmen, in jedem liturgischen Ritual, in jedem Sakrament. Deswegen erübrigt sich für einen gläubigen Katholiken das Bibellesen. Es brächte ihn nur in Schwierigkeiten! Lesen katholische Gläubige gemeinsam in der Bibel soll darum immer ein Priester oder eine von der Kirche anerkannte Persönlichkeit anwesend sein. Der Katholik wird so erzogen, dass nur der Papst die wahre Auslegung der Bibel kennt und sie durch den Priester und die liturgischen Abläufe vermittelt. Jede andere Auslegung bringt den katholisch Gläubigen vom rechten Weg ab! Das zu wissen und zu beachten ist mehr als genug. Allein schon diese Tatsache bewirkt die ewige Seligkeit. Die Lehren des Paulus sind fest in einem Christen verankert, ohne dass er sich dessen bewusst ist. Vor allem diese eine Lehre: “Denn Christus ist das Ende der Weisungen JaHuWaHs (des Gesetzes Ende)..” (Röm 10,4). Christus hätte die Bibel der Juden vollendet, d.h. sie erfüllt, mit anderen Worten, sie aufgehoben und durch die Kirche und ihre Lehren ersetzt. Sie allein geben den wahren biblischen Inhalt treu wieder. Das glaubten auch die drei aufrichtigen Katholikinnen, die Kolleginnen der Muslima aus Syrien. Sie hatten sich darüber bisher nie Gedanken gemacht.

Diese Einstellung kam langsam aber sicher auch bei mir ins Wanken. 197576 studierte ich in Fribourg/Freiburg Philosophie. Ohne philosophische Ausbildung gibt es keine Priesterweihe. Mein Beichtvater, Christoph von Schönborn, damals noch ein junger einfacher Mönch und Priester, heute Kardinal von Wien, lud mich zu den katholisch-charismatischen Bibeltreffen ein. Er überzeugte mich. Seit jenem Abend fing ich an regelmässig in der Bibel zu lesen. Damit kam etwas in Bewegung. Von da an kam ich zunehmend in Konflikt mit den Lehren der katholischen Kirche. Über Jahre hinweg versuchte ich diesen Widersprüchen auszuweichen, sie als teuflische Versuchung abzutun. Die jungen Frauen der Abschlussklassen in Handel und Pädagogik (Lehrerinnen) im Institut St. Ursula in Brig, denen ich Exerzitien hielt und denen ich regelmässig die Beichten abnahm, forderten mich in einer solchen Weise heraus, so, dass ich mich gezwungen sah mich erneut und noch intensiver mit der Geschichte der Kirche auseinanderzusetzen. Aus der katholischen Kirche heraus, schloss ich mich der Pfingstbewegung an, immer mit ganzer Hingabe, aber mit der schlummernden Hoffnung im Herzen, endlich die Übereinstimmung mit dem prophetischen Wort der Bibel gefunden zu haben. Daraus aber wurde nichts. Mit dieser Hoffnung schloss ich mich den Evangelikalen an, aber auch sie sind auf halbem Wege stecken geblieben, auch hier gibt es keine biblische Tiefe. Dann schloss ich mich anderen exclusiven christlichen Kreisen an, aber auch hier ist man auf halbem Wege verirrt stecken geblieben. Vor etlichen Jahren schloss ich mich einem christlichen Kreis der Paulus-Mystiker an.

Erst allmählich wurde mir bewusst, dass ja alle christlichen Kirchen und Gemeinschaften aus den paulinischen Wurzeln hervorgewachsen sind und darum das gleiche Glaubenswesen in sich tragen. Das aber wurde mir erst vor wenigen Jahren so recht bewusst. Gerade die Lehren der Paulus-Mystiker halfen mir langsam aber sicher den gewaltigen Irrweg des Paulus zu durchschauen. Die Bibel des Jahushua von Nazareth, das prophetische Wort, deckte diese heidnisch-mystischen Irrwege schliesslich auf. Diese heidnisch-mystische Theologie/Philosophie ist der Grund für das unsägliche und ungerechtfertigte Leid das Christen den Juden und der gesamten Menschheit im Laufe der bald 2000 jährigen Glaubensgeschichte zugefügt haben. Die Folgen sind im Christentum überall wirksam. (Ich will nur ein Beispiel nennen: Der Zölibat und der damit verbundene massenhafte weltweite Säuglings- und Kindesmissbrauch durch Priester, Mönche und Nonnen, der bis vor kurzem von der Kirche meisterhaft vertuscht werden konnte).

Das ich mir in christlichen Kreisen keine Freunde mache war zu erwarten, denn je mehr ich mich – von Freude und Dankbarkeit erfüllt – den biblisch-prophetischen Quellen der Bibel näherte, jener Bibel, die ja schliesslich die Bibel des Jahushua von Nazareth war, desto offener traten die Widersprüche und Irrtümer der paulinischen Theologie ans Licht und damit auch die Feindschaft von vielen Christen. Nach vielen Jahren der frommen Irrfahrten, aber der aufrichtigen und begeisterten Suche nach der Quelle des Lebens fand ich vor wenigen Jahren zu der Quelle des Lebens. Die Muslima und ihre drei katholischen Freundinnen erlebten nur innerhalb einer Jahresfrist einen kometenhaften Durchbruch zu der Quelle des Lebens, der mich staunen lässt und mit tiefer Dankbarkeit erfüllt. JaHuWaH spricht durch den Mund des Propheten Jirmejahu (Jeremia) Worte des Lebens. Er sprach sie damals zu seinem gedemütigten Volk. Doch das sind Worte, die JaHuWaH gleichzeitig zu jedem von uns spricht: “Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht JaHuWaH, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren. Ruft ihr mich an, geht ihr hin und betet zu mir, dann werde ich auf euch hören. Und sucht ihr mich, so werdet ihr mich finden, ja, fragt ihr mit eurem ganzen Herzen nach mir, so werde ich mich von euch finden lassen, spricht JaHuWaH” (Jer 29,11-14). Ich grüsse alle ganz herzlich und wünsche allen einen gesegneten Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard