„Wenn du aber betest, so gehe in deine Kammer…” (Matthäus 6,5-8)

Glaubensimpuls 22

Wieviel haben wir schon über das Gebet und über das Beten gehört und gelesen. Es heisst allezeit beten, intensiv beten, im Glauben beten, immer und überall beten, im Geist beten usw.

Darüber gibt es unzählige Vorträge und Diskussionen. Es kann ein Zeichen dafür sein, dass dieses Thema den Menschen am Herzen liegt, aber auch dafür, dass sie von falschen Vorstellungen über den Umgang mit dem himmlischen Vater Erwartungen zu erfüllen meinen, für die sie keine Zeit finden. Wie ist das mit uns?

Jahshua erinnert und lehrt uns, auf das was es ankommt. Hier der erste Teil dessen, was ein jahwehgefälliges Gebet beinhaltet: “5 Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, denn sie lieben es, in den Beth Knesseth (Haus des Gebetes, Synagoge) und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Segen (Lohn) dahin. 6 Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir helfen (vergelten). 7 Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden; denn sie meinen, dass sie um ihres vielen Plapperns willen erhört werden. 8 Seid ihnen nun nicht gleich; denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet” (Mt 6,5-8). Das ist der erste Teil der Weisung Jahshuas zum jahwehgefälligen Gebet.

Jahshua bezeichnet das äusserliche Gebet, das sich vor den Menschen präsentierende Gebet, als verwerflich, als Heuchelei. Es dient nämlich nicht der Verherrlichung des himmlischen Vaters. Es trägt auch nicht zum Segen des einzelnen bei. Warum? “…denn sie lieben es in den Versammlungen und an den Ecken der Strassen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich ich sage euch, sie haben ihren Segen (Lohn) dahin” (Mt 6,5).

Unwillkürlich dachte ich bei der Vorbereitung dieses Glaubensimpulses an meinen dreijährigen Studienaufenthalt unter den Mönchen im Kloster Einsiedeln. Nach dem lauten Chorgebet marschierten wir täglich um 16.00 Uhr fromm und züchtig, in Zweierkolonne, vom Chorraum durch die Basilika hin zur schwarzen Madonna, die beim Ausgang der Klosterkirche angebetet wird. Dort starrten wir auf die schwarze Göttin, die vermeintlich die jüdische Mirjam, die Mutter Jahshuas, darstellen soll, beteten und sangen sie ergreifend an. Dann verschwanden wir wieder ganz artig in den Gemächern des Klosters. Das Geschehen mag rührend sein, aber…! Für Pilger, Touristen und Schaulustige gehört diese tägliche Gebetsshow zum Programm.

Wir denken auch an Moslems, die in aller Öffentlichkeit an den Ecken und Plätzen der Strassen ihre Gebetsteppiche ausbreiten und ihre Gebete verrichten. Die Gefahr des zur Schaustellens gibt es auch in jüdischen Kreisen. In Gebetskreisen von Freikirchen und christlichen Gemeinschaften ist dieses Übel weit verbreitet.

Das Übertragen von Gottesdiensten in den Medien ist im Lichte der biblischen Offenbarung eine völlig verwerfliche Angelegenheit. Solche inszenierte religiöse Übertragungen entsprechen den hellenistisch-mythischen Aufführungen (Theater). Gelegentlich hören wir sagen, dass solche Übertragungen für ältere und kranke Menschen ein Segen seien. So hart es sich anhören mag, aber gerade solche Argumente bestätigen die persönliche Beziehungslosigkeit zu dem lebendigen Erlöser Jahweh. Bei solchen liturgischen theatralischen Inszenierungen geht es meistens unbewusst, um das Ansehen und die Ehre religiöser Führer, die sich ins Licht stellen, aber verführerisch vorgeben Jahweh wolle das so und es geschehe zu seiner Verherrlichung. Darum fällt nicht selten bei Menschen, die aus irgendeinem Grund nicht mehr an den kirchlich-liturgischen Feiern teilnehmen können, das Glaubensleben in sich zusammen.

Diese Glaubensshows vermitteln und fördern ein völlig falsches Bild von Jahweh. Wenn sich das Freidenkertum über ein solches Jahwehbild und diese rückständige heidnische Glaubenspraxis lustig macht, sollten wir uns nicht wundern, sondern nach dem Grund dafür suchen. Die israelitisch-jüdischen Profeten und Jahshua ermahnen und erinnern uns an das wahre Wesen Jahwehs und den wahren Umgang mit ihm. Sie fordern uns zu einer persönlichen Gebetsbeziehung mit ihm auf.

Damit ist nichts gegen das gemeinsame Gebet gesagt, das auch seinen Platz haben darf. Jeder Teilnehmer muss aber ernsthaft seine Herzenshaltung überprüfen. Im Mittelpunkt steht immer der himmlische Vater Jahweh – seine Ehre und seine Verherrlichung! Das entspricht der israelitisch-jüdischen Tradition, gemäss Offenbarung des himmlischen Vaters Jahweh. Sie war Jahshua heilig und verbindlich. Jahshua betete herzlich und offen vor seinen erwählten Landsleuten. Im Bericht über die Erweckung von Lazarus lesen wir: “Jahshua aber hob die Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich aber wusste, dass du mich allezeit erhörst…” (Joh 11,41). Darum ist jedes unbedachte Gebet verwerflich: “Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden; denn sie meinen, dass sie um ihres vielen Plappern willen erhört werden. Seid ihnen nun nicht gleich…” (Mt 6,7-8a).

Nun folgen wunderbare Lehrsätze Jahshuas: “…denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet” (Mt 6,8b). Wir sollen weder heucheln noch plappern “…bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir helfen (vergelten)” (Vers 6). Welch ein vertrauter Umgang, welch eine tiefe Beziehung drücken diese Verse aus: “zu deinem Vater… und dein Vater”.

Wer einmal ein kleines Kind auf seinem Schoss hielt, das nach einem turbulenten verwirrenden Ereignis Hilfe suchte, ist innerlich tief berührt. Die Empfindungen gehen beidseitig sehr tief. Worte fehlen hier! Welch ein tiefes Verhältnis pulsierte doch zwischen Jahshua, seinem und unserem Vater. Wie sehr ist ihm daran gelegen uns in dieses Vertrauensverhältnis zu führen.

Der Sinn und Anfang eines jeden Gebetes liegt im Wissen um den Vater, zu dem wir direkt und schnurstracks gehen dürfen, der alles weiss und dem alles möglich ist. Obwohl er alles weiss, will er, dass wir zu ihm beten, denn es geht auch um uns. Der Schöpfer will seine Beziehung zu seiner Schöpfung und wir brauchen als Geschöpfe die Beziehung zu unserem Schöpfer. Wir brauchen Hilfe, Führung, Ruhe, Trost… je nachdem – zur rechten Zeit (vgl. Hebr 4,16), damit uns der Sinn des Lebens nicht abhanden kommt.

In diesem Geist und Sinn wünsche ich allen, im Schosse des Abba Vaters, wenn möglich, einen geruhsamen und glaubensstärkenden Shabbat. Shalom Uvracha!

Gregor Dalliard