„Bete Jahweh an“ (Offb 19,10). Teil 9

Glaubensimpuls 91

Alle Menschen schauen auf ein Ideal, ob gewollt oder ungewollt. Wir sind so veranlagt. Das Ideal aller Menschen müsste eigentlich unser Schöpfer Jahweh sein. Wir sind sein Werk. In klaren und knappen Worten berichtet uns die Bibel: „So wurden die Himmel und die Erde und all ihr Heer (Sternenwelten) vollendet. Und Jahweh vollendete am siebten Tag sein Werk, das er gemacht hatte; und ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte. Und Jahweh segnete den siebten Tag und sonderte (heiligte) ihn aus, denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das Jahweh gemacht hatte, indem er es machte“ (1Mo 2,1-3).

Dreimal wird in diesen Versen das Wort „Werk“ genannt und mehrere Tätigkeitswörter. Alles was ist, ist sein Werk. Wir gehören zu seinem Werk. Wir sind das Werk in seinem Bild, ihm ähnlich (vgl. 1Mo 1,26). Das ist eine bedenkenswerte und umwerfende Aussage. So nahe ist uns Jahweh und wir sind in ihm. Wir, du und ich, wir sind nicht nur ein Werk Jahwehs, wir sind im Bilde Jahwehs gemacht, in seinem Bild! Wir gehören zu ihm, so wie unser Herz zu uns gehört, wie unser Kopf zu uns gehört.

Wie ich im Gim 89 schrieb, dankte Jahshua dem Abba Jahweh für seinen Dienst und für jene Juden, Brüder und Schwestern, die er ihm zugeordnet hatte, damit sie durch alle Generationen Menschen der Verheissung aus den verheideten Israel-Nationen wieder zum Vater zurückführen würden (vgl Joh 17,20). Er war ja vom Vater extra dazu gesandt worden. Sie sollten sie also zurück in die Beziehung mit Jahweh führen. Anfänglich erfüllten diesen Dienst nur Juden, bestehend aus dem Stamm Juda und Benjamin. Später kamen solche aus den „verlorenen“, verheideten zehn Stämmen hinzu, wie wir.  Das heisst, „dass er allen, die du (Vater) ihm gegeben hast, ewiges  (bleibendes) Leben gebe“ (Joh 17,2). Das Wort äonisch ist in unseren Bibeln fälschlicherweise und irreführend mit ewig übersetz. Es heisst eigentlich „in diesem Zeitalter“. Jahshua und seine Jünger sollen in diesem Zeitalter die vom Vater Verordneten aus den zehn „verlorenen“ Stämmen zum  Leben mit dem Vater zurückführen. „Dies aber ist das Leben in diesem Zeitalter (fälschlich mit ewig übersetzt), dass sie dich, den allein waren Gott (d.h. Erlöser) und den du gesandt hast erkennen“ (Joh 17,2), d.h. und die Sendung Jahshuas erkennen. Nämlich warum und wozu der Vater Jahshua gesandt hat und weswegen wir diesen Auftrag im Sinne und im Geiste des Vaters, Jahshuas und der Apostel auch heute noch weiterführen sollen. Wir und mit uns alle jene, deren Herz der Vater öffnet und öffnen wird, sollen zurück zum Bilde des Vaters geführt werden. Ist das nicht wunderbar?

Shaul schreibt es so: „So seid ihr nun nicht mehr Fremde (Entfremdete) und Nichtbürger, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Jahwehs Hausgenossen“ (Eph 2,19). Was heisst Mitbürger der Heiligen? Das heisst Mitbürger des auserwählten Volkes der Juden, der Ausgesonderten, zu denen zur Zeit Jahshuas und Shauls nur noch die Stämme Juda, Benjamin, ein Teil der Leviten und ein kleinster Teil aus den übrigen zehn Stämmen gehörte, die zur Zeit der Reichsteilung, nach Salomos Tod, wegen ihrer Jahwehbeziehung zu Juda und Benjamin übergelaufen waren und darin aufgingen.

Verlieren wir als die Geschöpfe Jahwehs, als seine, nach seinem Bilde geschaffene Wesen, die Beziehung zu ihm, dann machen wir uns selbst oder Menschen und ihre Überlegungen zum Mittelpunkt unseres Alltags, zum Massstab aller Dinge. Die Bibel bezeichnet solche Wege als Irrwege der Anbetung. Das sind Wege, die uns „hinter dem Tier herführen“ (vgl. Offb 13,3). Selbst wenn ich als guter Freidenker, als besonnener Philosoph, als liebender Nichtsglaubender, als treuer Trinitarier – und was es da alles an Überzeugungen geben mag – lebe, ich lebe neben meiner wesentlichen Bestimmung her. Wir würden als Puzzleteilchen, das zum Ganzen gehört, zu Jahweh gehört, zu unserem Schöpfer, neben unserer Bestimmung leben und das zu unserem Schaden. Wir würden unseren Platz im grossen Puzzle nicht finden.

Anbetung heisst im tiefsten Sinn die Beziehung zu unserem Schöpfer und Gott (d.h. Erlöser) haben und und pflegen. Mein Leben auf ihn ausrichten, auf sein prophetisch gesprochenes und zusammenhängendes  Wort achten. Ich werde so innerlich immer wieder neu auferbaut und kann immer wieder neu gehalten und zufrieden leben – trotz misslicher Umstände. Das zentrale Thema der ganzen Bibel ist darum die Anbetung Jahwehs, d.h. die ungeteilte Gemeinschaft mit Jahweh und das praktische Leben daraus. Das Wort „anbeten“ kommt in der Offenbarung an Jochanan 24 mal vor. Dabei kommen auch viele Umschreibungen oder sinnverwandte Ausdrücke für anbeten vor.

Alle beten an, vor allem am Ende der Tage, d.h. am Ende dieses Zeitalters. Alle Menschen werden sich hingeben, entweder für Jahweh, so wie Jahshua oder nicht für ihn, aber hingeben werden sie sich. Jene, die sich für Jahweh hingeben, sollen es mit ganzer Entschiedenheit tun. Im Sendschreiben an Laodizea lesen wir darum „Ich kenne deine Werke (Haltung, die sich in allem ausdrückt), dass du weder kalt noch heiss bist. Ach, dass du kalt oder heiss wärest! Also, weil du lau (unentschieden) bist und weder heiss noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde“ (Offb 3, 15-17). Dieses Wort gilt den verheideten Verheissungsträgern aus dem Samen Abrahams, Isaaks und Jakobs, jenen die durch den Dienst Jahshuas zum Vater zurückgeführt worden sind. Das sind nicht irgendwelche Menschen. Als Erstlinge aus dem verheideten Verheissungssamen und wieder eingepfropft, tragen wir eine besondere Verantwortung in Bezug auf die ungeteilte Anbetung. Durch den Dienst der Juden und unseren Dienst als „Miterben und Miteinverleibte und Mitteilhaber“ (vgl. Eph 3,6; Röm 9,4. 23-26; 11,16ff; 1Ptr 2,10. 25 u.a.m.) werden alle Enden der Erde die Sendung und den Dienst Jahshuas verstehen und ihre Knie zur Ehre Jahwehs, des Vaters“ (Phil 2,11) beugen und ihn anbeten. „Es werden daran gedenken und zu Jahweh umkehren alle Enden der Erde; vor dir werden niederfallen alle Geschlechter der Nationen. Denn Jahweh gehört das Königtum, er herrscht über die Nationen. Nur ihm werden huldigen alle in der Erde (Sheol) Schlafenden, vor ihm werden sich beugen (dankend huldigen) alle, die in den Staub hinabfuhren, und der, der seine Seele nicht am Leben erhalten konnte (die durch Verbrechen, Katastrophen usw. umkamen)“ (Ps 22, 28-30).

Jochanan muss von dieser Offenbarung so betroffen gewesen sein, dass er den Boten, den Engel, anbeten wollte. Der Engel scheint über dieses Ansinnen entsetzt zu sein und bittet ihn dies zu unterlassen und Jahweh allein anzubeten: „Bete Jahweh an“ (Offb 19,10). Denn von Jahweh allein geht jede Erlösung aus, darum wird er Erlöser genannt, fälschlicherweise und irreführend mit Gott übersetzt. Der Engel musste ihn ein weiteres Mal auffordern Jahweh allein anzubeten (vgl. Offb 22,9). Diesen himmlischen Befehl wollen auch wir in unserem Leben gerne und ungeteilt umsetzen. Dabei dürfen wir nicht auf das achten was Menschen über uns reden und urteilen, das ist letztlich belanglos, auch wenn es gelegentlich weh tun kann. Wir wollen im Segen Jahwehs wandeln lernen.

Mit einem herzlichen Shabbat Shalom wünsche ich allen ein frohes Wachstum in seinem Wort – hinein in die verantwortbare Freiheit die er uns geschenkt hat.

Gregor Dalliard