70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. Gedenkfeiern der Kirchen, Freikirchen und christlichen Gemeinschaften und keine Umkehr!

Glaubensimpuls 200

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Zum 70. Mal wurden und werden vor allem in Europa, Deutschland und Israel Gedenkfeiern veranstaltet. Wie üblich finden viele Begegnungen statt. Tagungen und Konferenzen werden abgehalten, Gedenkstätte aufgesucht. Die Gräueltaten des Nationalsozialismus (NS) stehen im Mittelpunkt. Von den Überlebenden werden viele grauenvolle Erinnerungen wachgerufen. Bis heute bleiben sie tief erschüttert und fassungslos über das was ihnen das christliche Europa angetan hat.

Jene, die nicht betroffen waren haben gut reden, sagte mir einmal ein alter, schmerzerfüllter Jude in En Gedi, Israel. Im letzten Augenblick wurde er aus einem der Konzentrationslager in Rumänien befreit und floh nach Israel. Sie wissen nicht von was sie reden, wenn sie von den Gräueln der Nazis reden, sagte er. Denn schauen Sie, der Antisemitismus im christlichen Europa nimmt wieder von Tag zu Tag zu. Er hält sich wie ein böses Geschwür in den christlichen Kirchen Europas fest und damit in seiner Kultur. Das zeigt mir, dass Europa mit seiner christlichen Prägung und Kultur nicht begriffen hat was es verursacht hat. Es ist bis heute nicht bereit sich dem Grund dieser Geisteshaltung zu stellen. Sie haben nicht begriffen was wirklich geschehen ist und warum dies geschehen konnte.

Ich war damals über seine Aussagen innerlich verletzt, vor allem als er sagte: „Er (der Antisemitismus) hält sich wie ein böses Geschwür in den christlichen Kirchen Europas fest..“. Ich hatte keineswegs den Eindruck dass er recht hatte, dachte aber, dass er in seiner von Gott verworfenen Sicht und der damit verbundenen Blindheit Jesus als Messias gegenüber als Jude gar nicht anders denken konnte. Mir war damals noch nicht bewusst, dass ich der Sicht JaHuWaHs und damit der Sicht der Juden gegenüber blind war – und nicht er!

Seit einigen Jahren aber setze ich mich intensiv mit dem umfassenden Reichtum und dem wunderbaren Zusammenhang der biblischen Propheten auseinander. Schrittweise durfte ich verstehen lernen und begreifen, was jener alte Jude meinte, als er vom christlichen Europa und seiner Kultur de Todes sprach. Ohne Wenn und Aber unterstützen gerade die christlichen Medien diese christliche Kultur des Todes den Juden gegenüber. Gefangen in ihrer traditionellen Philosophie der Kirchenväter pflegen sie diese Kultur vor allem im kultischen Leben unablässig. Sie erhalten sie so am Leben und geben sie von Generation zu Generation weiter.

Es mag uns erstaunen, dass gerade jene die sich auf die Bibel berufen und regelmässig darin lesen nicht vom Fleck der Kirchenväter kommen. Darum sind es gerade ausgerechnet aktive Christen die den Antijudaismus (Antisemitismus) fördern. Lasst mich ein Beispiel aufzeigen. Seit Jahren erhalte ich von Kirchen, Freikirchen und christlichen Gemeinschaften, aber auch von einzelnen Menschen, projüdische, israelfreundliche Schriften, Informationsblätter oder Ausschnitte in denen sie von ihrer Beziehung zu den Juden und ganz allgemein zu Israel berichten. Manche sind von einer tiefen Liebe zu Israel und den Juden erfüllt.

Doch achten wir darauf wie diese Liebe zu den Juden konkret ausschaut. Wir bekommen z.B. eine Informationsschrift, die mir einige Male im Jahr zugesandt wird. Der Verantwortliche ist ein lieber Mensch und ein leitender Christ, der über Jahre im Tanach (Thora, Propheten und Schriften) liest. Er weiss um die Auserwählung des israelitisch-jüdischen Volkes, die bleibende Bundestreue JaHuWaHs an den Juden. Er ist mit seinem Leitungsteam sehr angetan von den Juden. Vor kurzem nahm er an einer Gedenkfeier in Auschwitz teil, die getragen war von Busse und Gebet. Wohin aber führten Busse und Gebet?

Das lesen wir in seiner Schrift, in der er von den Erfahrungen dieser Tage des Gebetes und der Busse in Auschwitz berichtet? Unter den Fürbitten – und das nach dem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz und nach Busse und Gebet – schreibt er? „Für Israel: Es geht um einen Exodus aus der Gefangenschaft der BLINDHEIT dem Messias gegenüber in eine tiefe Offenbarung über JESUS. Es geht um eine Freisetzung und Hineinführung Israels in seine letzte BERUFUNG, Licht und Segen zu sein für die Nationen“. Soweit das Zitat.

In dieser und in in den vielen andern christlichen und sogenannten messianisch-christlichen Schriften wird die zentrale Sünde, die zum Holocaust führte gar nicht erkannt, trotz des regelmässigen Bibellesens und trotz der vielen Bussen. Eine Busse bringt als Frucht die Umkehr hervor. Ihr folgen konkrete Schritte im Alltagsleben und ein entsprechendes Zeugnis. Nur die Bereitschaft die biblischen Zusammenhänge mit Aufrichtigkeit, Demut und Freude erkennen und umsetzen zu wollen – wäre gerade in diesem Punkt, der zum Holocaust führte, echte Busse und Umkehr!

Worin besteht diese moderne Art des Antijudaismus. Es ist – wie schon oft genannt – ganz einfach das krampfhafte Festhalten an die alte festgefahrene Theologie des Ersatzes. Sie ist uns geläufiger und bekannter unter dem Begriff Ersatztheologie. Sie ist in der christlichen Kultur allgegenwärtig. Das heisst kurz und bündig, wie schon oft erwähnt: JaHuWaH hat die Juden verworfen, weil sie die zweite Gott-Person Jesus, den angeblichen Messias der Welt, umgebracht haben. Darum verdienen sie den Tod. Die Kirche ist an die Stelle der Juden getreten. Das Heil kann nur die Kirche spenden – durch ihre Amtspersonen und Sakramente. Das ist das christliche Gedankengut, die Kultur des Todes, den Juden gegenüber.

Wie ich schon oft berichtet habe, wollte Jahushua von Nazareth nie der Messias sein. Ebenso wenig erfüllte er die messianischen Zeichen. Dazu gehört wesentlich das Ende jeder fremden Herrschaft über die Juden, hier die Vertreibung der Römer. Auch das kosmische Kräftemessen blieb aus. Zudem kann diese messianische Herrschaft, wenn sie anbricht, von keinem Menschen rückgängig gemacht oder getötet (vernichtet) werden!

Gerade Shaul, auf den sich die Christen so sehr berufen, bezeugt was alle Propheten bezeugen: „..die Israeliten sind, deren die Sohnschaft ist und die Herrlichkeit und die Bündnisse und die Thora (Weisungen, Ordnungen und Verheissungen des Lebens) und der Dienst und die Verheissungen; deren die Väter sind und aus denen dem Fleisch nach der Christus (Gesalbte) ist. Der über allem ist, ist JaHuWaH (Gott), der gepriesen ist in Ewigkeit. Amen“ (Röm 9,4-5). (Hervorhebungen durch den Schreiber).

Warum sind Christen nicht bereit diese Worte zu glauben, die sich mit den Worten der Propheten decken? Die Kirche hat die Aussagen Shauls so sehr überarbeitet und durcheinander gebracht, so dass im sogenannten „Neuen Testament“ grosse widersprüchliche Aussagen einander gegenüberstehen. Gerade darum brauchen wir das feste zusammenhängende Zeugnis der Propheten, damit wir die zentralen Heilsaussagen in ihrem Zusammenhang zu verstehen vermögen.

Da es den Kirchenvätern wie Damasus, Hieronymus und andern wichtig war einen Keil des Todes zwischen Juden und Christen zu treiben, wählten sie diesen Weg des Todes. Sie zersetzten das Wort JaHuWaHs. So konnten sie die Masse durch eine raffinierte Hirnwäsche gegen die Aussage in Röm 9,4-5 umpolen. Die Kirchenväter sind keine Basis des Vertrauens, sie schufen vielmehr die Kultur des Todes und der Zerstörung.

Glücklich wer aus dieser kirchengeschichtlichen Schiene des Todes und der ewigen Zerstörung herausfindet. „Wer auf das Wort achtet, findet Gutes, und glücklich der, der JaHuWaH vertraut! (Spr 16,20). Lasst uns das unablässig tun, denn wir haben jetzt allen Grund dazu. In dieser bleibenden Freude wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat in einem immerwährenden Shalom!

Gregor Dalliard