Aus der Gnade gefallen. Teil 8

Glaubensimpuls 420

“Lieber Herr Dalliard, bisher war mir nicht bewusst, dass das Alte Testament die Bibel des Jesus Christus war. Es war mir bisher auch nicht bewusst, dass das Alte Testament von der Gnade spricht. Das war mir bisher unbekannt. Ich muss mich an diese Gedanken erst noch gewöhnen. Was da auf mich zukommen wird kann ich bereits ahnen und ich frage mich, ob ich mich dem aussetzen will. Mein bisheriges Glaubensgebäude hat bereits Risse bekommen. Sie aber betonen immer wieder die persönliche Verantwortung die Bibelleser auf sich nehmen. Schliesslich führte die verantwortungslose Bibelauslegung, wie sie im Neuen Testament zu finden ist, zum Holocaust. Wenn das stimmt was Sie in ihren wöchentlichen Glaubensimpulsen schreiben, dann werden wir Sonntag für Sonntag von unseren Pastoren und Predigern belogen und manipuliert. In unserer Gemeinde darf ich mich mit niemandem über solche Fragen austauschen, das würde die reinste Katastrophe auslösen. Die Verse aus Joh 1,16+17 haben in unserer Gemeinde einen hohen Stellenwert. Ich benutze wie Sie die Elberfelder Übersetzung: “Denn aus seiner Fülle (aus Jesus Christus) haben wir alle empfangen, und [zwar] Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.” Ich fragte mich, wenn Jesus Christus das Alte Testament als seine Bibel las, hat er dann nie etwas von Gnade und Wahrheit gehört?

In den letzten Wochen suchte ich im Alten Testament nach Aussagen über Gnade und Wahrheit. Ich las im Psalm 85, Vers 11: “Gnade und Wahrheit sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst.” Ich stiess auf viele weitere Aussagen im Alten Testament, die von Gnade und Wahrheit sprechen. Johannes aber behauptet mit seiner Aussage, dass das Volk Israel und die Juden keine Gnade und Wahrheit kannten. Nach seiner Lehre waren Gnade und Wahrheit den Juden unbekannt. Damit verwirft er den einzigen Gott, den Gott Israels und gibt ihn der Lächerlichkeit preis, aber auch die Bibel des Jesus Christus. War Jesus Christus so blöd, dass er lauter Lügen in seiner Bibel las und sich danach richtete und lehrte? Hat denn Gott die Menschen im Alten Testament einfach ohne Gnade dahinvegetieren lassen?, sie belogen? Wie Johannes abschätzend lehrt, kannten die Juden überhaupt keine Gnade. Diese Aussage empört mich heute. Sie schreiben: alles ist Gnade, alles andere ist nur Beiwerk. Ich kann der Lehre des Johannes nicht mehr glauben, auch seinen Briefen nicht mehr. Paulus lehrt dasselbe wie Johannes. Sie sind für mich Lügner. Der eine hat wohl vom anderen abgeschrieben. Wie soll ich mich darin zurechtfinden? Ich kann dem Neuen Testament nicht mehr glauben. Beten Sie für mich, Herr Dalliard..”

Soweit aus der Mail einer Gim-Leserin. Die Veröffentlichung dieses Briefteils ist natürlich nach Absprache geschehen. Bringe ich den Glauben von Christen ins Wanken, dann kann ich nur beten und hoffen, dass sie auf dem Weg nach der Suche der biblischen Gnade und Wahrheit ausharren und ihre Verantwortung zuversichtlich wahrnehmen und ausbauen. Erstens geht es um die Ehre JaHuWaHs aus der heraus die Mündigkeit und Würde des einzelnen Menschen hervorgeht. Zweitens werden wir von den Ängsten und Lasten, die uns über die christliche Theologie indoktriniert worden sind und uns nun unbewusst anhaften, befreit und in den inneren Frieden geführt. Drittens nehmen wir als Bibelgläubige unsere Verantwortung wahr. Solange die Christen an dem Grundübel der Ersatztheologie (Enterbungstheologie) festhalten, kann sich zu jeder Zeit ein neuer Holocaust anbahnen. Das liegt im Wesen des “NT” und damit der christlichen Kultur. Wir erinnern uns daran, dass der deutsche Bundeskanler Frank-Walter Steinmeier, ein engagierter Christ, in diesem Jahr dem Obersten Führer des Iran, dem Kleriker Chamenei, zum 40. Jahrestag der islamischen Revolution Glückwünsche übermittelte. Der Kleriker ist ein radikaler Islamist. Sein offenes Ziel ist die Vernichtung Israels. Als politisches und religiöses Oberhaupt des mehrheitlich schiitischen Iran, setzt er alle diplomatischen und militärischen Mittel zur Vernichtung Israels ein, während das iranische Volk zusehends darbt. Systematisch setzt sich das iranische Militär in den Nachbarländern Israels fest und macht die Welt zu einem Pulverfass. Steinmeier ist geptägt von der christlichen Ersatztheologie. Sich mit den brandgefährlichen Antisemiten unter eine Decke zu begeben ist unter engagierten Christen nichts Neues. Das sollten wir uns ein für allemal hinter die Ohren schreiben. Die deutsche Bundesregierung lässt die Sache schlittern, was soll’s. Wen wunderts wenn die AfD so sehr zulegt?

Wir müssen immer wieder daran erinnern, dass der Jesus Christus des “NT” nichts mit dem Juden, Rabbi und Pharisäer Jahushua von Nazareth zu tun hat. Aus Hass gegenüber den Juden, nahm Paulus ihnen ihren Schriftgelehrten und und äusserst gesegneten Rabbi weg. Er machte das sehr geschickt. Er entjudaisierte ihn. Wie machte er das? Indem er aus ihm eine auferstandene heidnische Gottheit machte, wie das damals unter den Heiden allgemein üblich war. Dann erinnern wir uns daran, dass das “NT”, als Bibel der Christen, erst im 4. Jahrhundert unter Papst Damasus und dem Mitbegründer des Christentums, dem Kirchenvater Hieronymus, seine definitive inhaltliche Form und Anpassung an die griechisch-römische Reichsreligion erfahren hat. Im letzten Gim schrieb ich vom Täuschungsmanöver des Paulus gegenüber den Bibelschülern des Jahushua von Nazareth (fälschlicherweise Apostel genannt), die alle im Tempel gern gesehen und bei allen Juden beliebt waren, weil sie Eiferer für die Thora geworden waren (Thora wird in unseren Übersetzungen fälschlicherweise Gesetz genannt). Ich wollte in diesem Gim weiter darauf eingehen, fand aber, dass die Erfahrung unserer Gim-Leserin, die sich noch nicht solange mit dem biblisch-prophetischen Wort beschäftigt, für manche ein Aufsteller sein könnte.

Allen wünsche ich einen gesegneten Shabbat und grüsse alle herzlich in der Freude der ewig anahaltenden Gnade JaHuWaHs, denn die “Gnade und Wahrheit sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst” (Ps 85,11) – und das schon vor 3000 Jahren. Shalom!

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Voranzeige: Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen (in der Nähe von Bern) ein: Sonntag, 15. Dezember, 14.00 Uhr. Übernachtungsmöglichkeiten sind gegeben.
Anmeldung: k.hunzinger@sunrise.ch / Tel.: 032 396 34 03 und frmazo@hispeed.ch / Tel.: 031 991 69 12.