Aus der Gnade gefallen. Teil 4

Glaubensimpuls 416

Sagen Menschen nicht, wozu und für was soll ich denn eigentlich danken? Das Leben ist schwer, unerwartet kommen Dinge über uns. Das Leben ist heimtückisch, nicht berechenbar. Die guten zielstrebigen und zielsicheren Zukunftspläne meiner Jugendzeit haben sich in keiner Weise erfüllt. Eher sehe ich einen Scherbenhaufen vor mir und um mich herum - ich weiss nicht wozu ich noch danken sollte. Das zwanghafte, aufgesetzte ständige Loben und Preisen in unserer Gemeinde hängt mir zum Halse raus. Ist doch alles nur aufgesetzt, aufgezwungen, zur Schau gestelltes frommes Theater. Ich sage mich von allem Biblischen los. Die Welt steht vor dem Untergang und wir ernähren uns weiterhin mit Fleisch von Bolsonaro, d.h. aus Brasilien, auf Kosten unserer Luft, und da gibt es Leute, die ohne Scham noch fliegen. Nun, das sind keine Aussagen aus der Luft gegriffen. In den Herzen vieler Menschen herrscht Chaos.

Gerade werden wir in einer neuen globalen Weise auseinandergenommen. Nichts hat Bestand. Die einen Wissenschaftler, Philosophen und Prognostiker sagen dies voraus, die anderen behaupten das Gegenteil – wissenschaftlich belegt, sagen sie! Eine Flut an widersprüchlichsten Informationen wird uns über die allgemeinen und digitalen Medien täglich ins Herz gepumpt und wie eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt. Viele Menschen folgen in ihrem aufrichtigen Bemühen auf der Suche nach dem rechten Umgang mit der Schöpfung und der eigenen Gesundheit diesen endlosen Informationsquellen. Sicher gibt es gute Impulse. Unter den Wachrüttlern gibt es viele aufrichtige und ernsthafte Menschen. Doch wie das immer schon war, wo sich das Gute entfaltet, mischen sich viele Geschäftemacher ein und verbreiten Verderben und Tod. Hinzu kommen die eigenen persönlichen versteckten Unzulänglichkeiten. Aus Angst vor den Mitmenschen das Gesicht zu verlieren, werden sie in sich gewürgt. Manches Leben zerbricht dabei. Vielen Menschen geht die Luft aus. Sie wissen nicht wie mit all dem umgehen.

Das Buch Kohelet (Prediger) vermittelt uns eine tiefe Weisheit. Ich picke etwas Wesentliches heraus: “Eine Generation kommt, und eine Generation geht; aber die Erde besteht in Ewigkeit. Und die Sonne geht auf, und die Sonne geht [unter], und sie strebt ihrem Ort zu, wo sie [wieder] aufgeht. Der Wind geht nach Süden und wendet sich nach Norden. Immer wieder sich wendend geht er [dahin], und zu seinem Ausgangspunkt kehrt der Wind zurück. Alle Flüsse gehen ins Meer, und das Meer wird nicht voll. An den Ort, wohin die Flüsse gehen, dorthin gehen sie [immer] wieder. Alle Worte mühen sich ab. Nichts vermag ein Mensch zu sagen. Das Auge wird nicht satt zu sehen und das Ohr nicht voll vom Hören. Das, was war, ist das, was [wieder] sein wird. Und das, was getan wurde, ist das, was [wieder] getan wird. Und es gibt gar nichts Neues unter der Sonne” (Pred 1,4-8). Nichts Neues unter der Sonne? Gemeint sind vor allem zwei Dinge die, trotz und bei allen Veränderungen, bei allem Fortschritt in allen Bereichen des menschlichen Lebens, sich nicht verändern: Das ist JaHuWaH und seine Gnade.

Also mag sich noch so vieles um uns herum tun, uns persönlich erschüttern, uns den Boden unter den Füssen weggenommen haben oder gerade wegnehmen wollen. Das scheint nur so. In der Wirklichkeit JaHuWaHs ist das aber nicht so. Das ist eine felsenfeste Wirklichkeit. Das ist das Eine, weil JaHuWaH die Macht hat, alles zu einem guten Ziele zu führen (Gnade). Was wir brauchen ist unsere Geborgenheit, unser felsenfestes Stehen, unser Vertrauen in und auf JaHuWaH, in seiner Gnade. Das mag vermessen und wenig einfühlsam scheinen. Das Andere ist die Frage, die dazu gehört: wie nehmen wir unsere Verantwortung innerhalb dieser Geschehnisse wahr? Was machen wir daraus, sofern etwas in unserer Möglichkeit liegt? Das ist nicht immer einfach. Aber gerade unser felsenfestes Stehen, unser Vertrauen in und auf JaHuWaH, hilft uns damit weise und vernünftig umgehen. Alles andere zerreisst uns, zermürbt uns.

Der Psalm 136 gehört zu den Dankpsalmen. In der ablaufenden Woche bin ich in diesen Psalm hineingestiegen, gerade so wie jemand in ein angenehmes und wohltuendes Bad steigt. Was tut das Volk JaHuWaHs? Es rühmt das Gute, die Wundertaten JaHuWaHs in der Schöpfung und in seiner Geschichte. Wieviele Enttäuschungen, Misserfolge und Versagen begleiteten dieses Volk bis dahin? Wieviele körperliche und seelische Narben waren im Laufe der Zeit sichtbar geworden? Was tun sie aber immer und immer wieder? Sie geben JaHuWaH Anbetung, Lobpreis und Dank. Sie wissen: “Preist JaHuWaH, denn er ist gut. Denn seine Gnade währt ewig (ist immer während)” (Ps 236,1)“! Sie führt mitten durch alles Leid hindurch und wieder hinaus!

“Eines hat JaHuWaH geredet, zwei Dinge sind es, die ich gehört, dass die Macht bei JaHuWaH ist und dein, o JaHuWaH, die Gnade..” (Ps 62,12-13). Herzliche Grüsse und eine - zumindest innere - reich gesegnete Shabbatruhe. Shalom!

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Voranzeige: Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen (in der Nähe von Bern) ein: Sonntag, 15. Dezember, 14.00 Uhr. Übernachtungsmöglichkeiten sind gegeben.
Anmeldung: k.hunzinger@sunrise.ch / Tel.: 032 396 34 03 und frmazo@hispeed.ch / Tel.: 031 991 69 12.