Aus der Gnade gefallen. Teil 11

Glaubensimpuls 423

Mit allen Mitteln versucht Paulus – oder “Paulus” – seine Erlöser-Gottheit über alle anderen Gottheiten des gesamten römischen Reiches und der ganzen Welt zu setzten. Er schreibt: “Denn alles hat er (der Vater) seinen Füssen (Jesu Christi) unterworfen” (1Kor 15,27). Übrigens, mit diesem Zitat missbraucht er einmal mehr den Vers 7, aus dem biblischen Bekenntnis Davids, in Psalm 8. David spricht hier von etwas ganz anderem, in einem völlig anderen Zusammenhang. David rühmt hier die hohe Stellung, die JaHuWaH den Menschen gegeben hat. JaHuWaH hat die Menschen zu Verwaltern, (in unseren Übersetzungen fälschlicherweise mit Herrscher oder herrschen übersetzt), über seine ganze Schöpfung eingesetzt: “alles hast du unter seine Füsse gestellt.” Er, der Mensch, so klein und gering, ist von JaHuWaH, als Haupt, inmitten seiner berauschenden Schöpfung gestellt worden. Damit gab JaHuWaH dem Menschen eine Stellung, die JaHuWaH fast ähnlich ist. Unfassbar, zu wunderbar!

David und sein Volk sind darüber von einer unermesslichen Freude und Dankbarkeit gegenüber JaHuWaH, dem Schöpfer,erfüllt. Sie sind davon berauscht. Die ganze Schöpfung soll, zusammen mit dem Menschen, JaHuWaH preisen: Im Psalm 148 ruft der Mensch die ganze Schöpfung auf, JaHuWaH, ihren Schöpfer, zu preisen. So lesen wir: “Die Berge und die Hügel werden vor euch in Jubel ausbrechen, und alle Bäume des Feldes werden in die Hände klatschen” (Jes 55,12). “Jubelt, ihr Himmel, denn JaHuWaH hat es getan! Jauchzt, ihr Tiefen der Erde! Brecht in Jubel aus, ihr Berge, du Wald und all ihr Bäume darin! Denn JaHuWaH hat Jakob erlöst, und an Israel verherrlicht er sich (Jes 44,23). “Alles, was Atem hat, lobe Jah! Halleluja!” (150,6).

Wie das überfliessende Kinderlallen, das aus dem tiefsten Wohlsein von Kindern und Säuglingen nur so hervorsprudelt, so ertönt der Lobpreis aus dem Munde seines Volkes: “Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hast du Macht gegründet.. (dir Lob bereitet)” (Ps 8,3). Sie können diese Freude und Dankbarkeit, aber auch die damit verbundene Verantwortung der ihnen anvertrauten Schöpfung, JaHuWaH gegenüber, nicht für sich behalten. Sie mussten sie der Nachwelt weitergeben – auch uns – im Psalm 8. Respektlos geht Paulus mit dem Wort JaHuWaHs und mit JaHuWaH selbst um. Er weicht vor keiner Pervertierung zurück.

Für viele ist es immer noch nicht klar wie Paulus überhaupt zu diesen religiösen Irrtümern kommen konnte und sich dermassen blind und fanatisch gegen das bestehende biblisch-prophetische Wort – und damit gegen JaHuWaH und die Juden – stellen konnte? Ausserhalb Israels entstanden im letzten vorchristlichen und im ersten nachchristlichen Jahrhundert jüdische Apokalypsen, die Sibyllinen genannt werden. (Daneben gab es auch die griechisch-römischen Sibyllinischen Büchern.) Es sind Weissagungen, die einer Sibylla zugeschrieben werden. Diese Sibyllinen sind messianisch-apokalyptische Endzeitschriften. Sie sind im Stil der uralten griechischen Weissagungen verfasst. Sie entstanden vermutlich in der griechischen Stadt Alexandria in Ägypten, die von Alexander dem Grossen 331 vuZ gegründet worden ist. Später siedelten sich viele Juden in dieser Handelstadt an.

Sie sprechen von einem kommenden Messias, einem Menschensohn, der aber von einer Gottheit gezeugt und als Logos, als Mensch gewordenes Wort, als Mann, geboren würde und die Juden befreien werde. Er werde sehr bald alle Könige dieser Erde von ihren Thronen stürzen und sein gerechtes Reich auf dieser Erde aufrichten – mit Mitteln von Erschütterungen und der Gewalt. Vielen Juden in der Diaspora, die den Bezug zu ihrem Stammland mehr oder weniger verloren hatten und die nicht selten gedemütigt wurden, galten diese Schriften als Trostschriften. Diese Schriften fanden selbst bei gebildeten Römern hohes Ansehen. Sie enthalten Elemente der Wahrheit, die aber wesentliche Elemente der griechischen Göttervorstellungen enthalten. Dem Inhalt dieser Schriften ist der ursprünglich geoffenbarte, korrekte biblisch-prophetische Sinn, d.h. der prophetisch-messianische Zusammenhang, abhanden gekommen. Die Stelle von JaHuWaH nimmt ein Menschensohn ein, der alle Schätze, die verborgen sind, in sich trägt (Logos) und offenbart. Paulus war von diesen Apokalypsen erfasst, geblendet. Das beweisen uns seine Schriften. Unter den vielen Aussagen sei hier Kol 2,2-3 zitiert: “..zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, das ist Christus, in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind. Christus ist für ihn eindeutig dieser Menschensohn, von dem die Apokalypsen sprechen.

Zudem stammte Paulus aus der römischen Stadt Tarsus. In Tarsus blühte der religiöse Synkretismus wie kaum irgendwo. Die Götter Santa, Ba’al, Zeus, Mithras, Sandan – und wie sie alle hiessen – verschmolzen ineinander. Von daher ist es nur eine logische Folge, dass er mit allen Kräften versuchte alle Religionen unter den einen Menschensohn,“von einer Frau geboren” (Gal 4,4) zu vereinen, zu erlösen, besagt doch seine Lehre: ”..denn ihr alle seid einer in Christus Jesus” (Gal 3,28). Paulus genoss in diesem Umfeld eine weit abgestützte heidnische, griechisch-römische, Ausbildung. Als fromm veranlagter Mensch wurde er unweigerlich von der verkehrten sibyllinisch-jüdischen Messiaserwartung erfasst. Das zeigt sein späteres Verhalten und seine entsprechende Lehre.

Wie in den Apokalypsen geschrieben, sah Paulus das Ende der Zeiten für gekommen. Er glaubte an das Kommen dieser Gottheit, die als Mann nun Gericht an den Menschen dieser Welt üben würde. Diese Gottheit würde gleich ihre Herrschaft mit den ihr Ergebenen aufrichten. Für ihn war Jesus von Nazareth dieser Mann, der aber, wie wir schon sahen, erst durch die Auferstehung, durch die Entjudaisierung, zu dieser sibyllinischen Gottheit gemacht werden konnte. Er lehrte in Athen, dem Zentrum der Götterwelt: “Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Busse tun sollen, weil er einen Tag gesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen dadurch den Beweis gegeben, dass er ihn auferweckt hat aus den Toten” (Apg 17,30-31). Paulus war Opfer einer fanatischen Endzeitverheissung, die nichts mehr mit den prophetischen Verheissungen der Zeugen im TaNaCH gemein hatte. Die israelitisch-jüdischen Prophezeiungen sprechen ausgenommen immer nur von JaHuWaH, dem EINZIG EINEN Erlöser, der Anfang und Ende ist, der im Messianischen Friedensreich König sein wird (vgl. Sach 14,9; Ps 86,10 u.v.m.). Er wird den Frieden und das Friedensreich mit seinem Knecht, seinem Volk, wirken und aufrichten (vgl. Jes 2 u.v.a.).

Die israelitisch-jüdischen Propheten sehen das kommende Messianische Friedensreich als ein Reich, das JaHuWaH selber aufrichtet und zwar in den Herzen der Menschen (vgl. Sach 2,14; 8,3; 9,14-17; 12,10; 14,3-5). Niemals wird er es durch eine Gottheit, einen Gottessohn, “von einer Frau geboren” (Gal 4,4) aufrichten. Das geben die biblisch-prophetischen Schriften des TaNaCH nicht her. Sie bezeugen: Die Erlösung geschieht im Inneren des Menschen. Die Menschen sollen sich darum freiwillig nach dem TaNaCH ausstrecken und suchen. Sie werden auch wissen, wo sie suchen müssen um zu finden – und sie werden finden (s. Sach 8, 20-23;Jes 2,2ff u.a.m.). JaHuWaH wird ihnen auf diesem Weg seine Thora in ihre Herzen legen (vgl. Jer 31,33; Ps 40,9). Äussere Gewaltanwendung und Drohungen bewirken das Gegenteil, beschwören vielmehr neue Gewalt herauf. Paulus und seine Leute aber lassen ihren Jesus Christus, der nicht mehr zurückgekommen ist, immerhin noch erscheinen und sprechen: “Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, indem ihr diese tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes..” (Mt 28,18-19). “Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber nicht gläubig geworden ist, wird verdammt werden” (Mk 16,16). Macht, tauft und verdammt! Wie anders ist doch das Evangelium des Jirmejahu (Jeremia):

“Ich werde meine Weisung in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Erlöser sein, und sie werden mein Volk sein. Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder einer seinen Bruder lehren und sagen: Erkennt JaHuWaH! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Grössten, spricht JaHuWaH. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken” (Jer 31,33-34)Ist das nicht wunderbar?

Herzliche Grüsse und einen gesegneten Shabbat. Shalom aleichem!

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Voranzeige: Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen (in der Nähe von Bern) ein: Sonntag, 15. Dezember, 14.00 Uhr. Übernachtungsmöglichkeiten sind gegeben.
Anmeldung: k.hunzinger@sunrise.ch / Tel.: 032 396 34 03 und frmazo@hispeed.ch / Tel.: 031 991 69 12.