„Ihr habt gehört, dass (in der Thora) gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. Ich aber sage euch..“ (Mt 5,38-39). Teil 2

Glaubensimpuls 214

Lasst uns mit grosser Freude und Dankbarkeit zur Ehre JaHuWaHs und seiner Propheten weiter biblische Zusammenhänge auf den Leuchter stellen. Wir tun es in der Gewissheit jenes Psalmisten der sagt: „Wohlgeläutert ist dein Wort, dein Knecht hat es lieb“ (Ps 119,140). Den Christen, die auf der Suche nach der Wahrheit sind möchte ich ermutigend zurufen: nehmt den Glauben Jahushuas von Nazareth in eure Herzen auf!

Im letzten Gim schrieb ich etwas über Mt 5.45: „Damit ihr Söhne eures Vaters seid“. In diesem Zusammenhang schreibt der Überarbeiter des Evangeliums nach Matthäus etwas sehr Widersprüchliches: „Ihr habt gehört, dass (in der Thora) gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. Ich aber sage euch..“ (Mt 5,38-39). Mit dieser Formulierung stellt der Autor JaHuWaH, sein Wort in der Thora und das israelitisch-jüdische Volk in ein miserables Licht. Bis heute prägt dieses Vorurteil das Denken der Kirchen JaHuWaH und den Juden gegenüber. Mit andern Worten verbreitet dieser Schreiber das verheerende Lügengespinst: Die Juden kennen nur Rache und Vergeltung. Sie leben aus der Rache und der Vergeltung. Wir Christen hingegen haben über Christus die Liebe und Vergebung, die Gerechtigkeit und die Wahrheit erfahren. Es ist das was die Christenheit im Unterschied zu den Juden lebt. In der abendländischen Kultur sind solche Formulierungen im Laufe der Geschichte zum Selbstverständlichsten der Welt geworden.

An anderer Stelle finden wir die gleiche Methode. Der Kirchenvater (oder die Kirchenväter), der das Evangelium nach Johannes zusammenstellte schreibt unverfroren: „Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden“ (Joh 1,17). Mit Gesetz meint er natürlich die Thora. Er stellt die Thora so hin als hätte JaHuWaH nicht die Gnade und Wahrheit geoffenbart, so, als hätten die Juden von JaHuWaH genau das Gegenteil von Gnade und Wahrheit empfangen. Solche Manipulationen der biblischen Inhalte haben bis heute äusserst tragische Auswirkungen gehabt – bis zu Hitlers Umsetzung der Endlösung der Juden! Die Endlösung der Juden war bereits die Absicht einflussreicher Kirchenväter, die später das Papsttum begründeten und das Christentum in seiner heutigen antijüdischen Form verfassten und grundlegend prägten und zwar in einer todbringenden Überheblichkeit über alles was JaHuWaH seinem Volk anvertraute.

Aber ausgerechnet der Jude Jahushua von Nazareth, auf den sich die Christenheit offenbar beruft, rühmt – wie übrigens alle Propheten vor ihm – die Thora als die absolute unüberbietbare Offenbarungsfülle von Gnade und Wahrheit. Lasst uns darum einmal mehr sein berühmtes Bekenntnis zur Thora und den Propheten zitieren: „Meint nicht, dass ich gekommen sei, die Thora oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu bestätigen (zu erfüllen, zu leben, zu tun). Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von der Thora vergehen, bis alles geschehen ist. Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste (Elenste) heissen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird gross heissen im Reich der Himmel“ (Mt 5,17-19).

Dass Jahushua von Nazareth dabei die fundamentalen Aussagen der Thora meinte, nämlich den bleibenden bestehenden Umgang mit JaHuWaH und dem Nächsten, ist den wenigsten Christen bewusst. Darum bekennt er im Gespräch mit einem andern Rabbi: „Und einer der Schriftgelehrten, der gehört hatte, wie sie (Sadduzäer und Jahushua) miteinander diskutierten, trat hinzu, und da er wusste, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches Gebot (der Thora) ist das erste von allen? Jahushua antwortete ihm: Das erste ist: Höre, Israel, JaHuWaH, unser Erlöser, ist EINZIG; und du sollst JaHuWaH, deinen Erlöser (Gott), lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft. Das zweite ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben denn er ist wie du. Grösser als diese ist kein anderes Gebot. Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Recht, Rabbi, du hast nach der Wahrheit geredet; denn er ist EINER, und es ist KEIN ANDERER ausser ihm; und ihn zu lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem Verstand und aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft und den Nächsten zu lieben, denn er ist wie du, ist viel mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer“ (Mk 12,29-33).

Das ist das Zentrum aller Gnade und Wahrheit, nicht die Brandopfer und Schlachtopfer. Vom Umgang mit JaHuWaH und dem Nächsten hängt unser ganz persönliches Leben ab und das Leben der Gesellschaft in der wir leben. Das ist das Zentrum und Herz der ganzen Thora. An dieser zentralen Botschaft muss sich alles was wir im Leben tun orientieren. Brand- und Schlachtopfer gehörten zu den Pilger- und Sippenfesten, zu den Familien- und Volksfesten. Bei diesen Massenveranstaltungen musste das Volk mit Essen versorgt werden. Die Masse musste gesättigt werden. Sie sind darum als strenge geheiligte (ausgesonderte) Zeremonialgesetze vorübergehend mit Sühnezeremonien verbunden worden.

So wie bei einem Tischgebet die Gaben geheiligt werden (jeder geht in sich) und dadurch das anschliessende Mahl zu der versöhnenden Gemeinschaft (Vergebung von Sünden) untereinander führt, so führten die Mahlfeiern der Brand- und Schlachtopfer zur Versöhnung (Sühnung) mit JaHuWaH. Sie sind als vorübergehende liturgische Krücken, zu den zentralen Aussagen der Thora dazugekommen. Die speziell ausgebildeten Priester waren als die Tierschlächter oder Metzger für den heiligen (ausgesonderten) und ordentlichen Schlacht-, Zubereitungs- und Essablauf verantwortlich. Sie waren die strengen Hüter dieser Mahlfeiern, denen, wie gesagt, eine sühnende Beigabe oder Bedeutung beigemessen wurde.

Welche Gefahr war aber damit gegeben? Zu jeder Zeit neigte der Mensch dazu, einfach ein religiöses Zeremonial, ein Ritual, ein Sakrament, rein äusserlich zu vollziehen oder über sich ergehen zu lassen, in der Meinung damit JaHuWaH gegenüber seine Pflicht erfüllt zu haben. Sein Herz aber kehrt nicht um zu JaHuWaH, es bleibt der Sünde verpflichtet, d.h. der Stand der Liebe zu JaHuWaH und zum Nächsten wird nicht mehr erforscht, geprüft. Es geschieht keine Umkehr.

Die Opfer- und Mahlfeiern wurden im Unterschied zu den Ägyptern und andern umliegenden Völkern auf dem Weg ins verheissene Land massiv eingeschränkt und äusserst strengsten Ordnungen unterworfen, wie wir sie vor allem im 3. Buch Moshe nachlesen können. Darum wurden sie als religiöse Rituale praktiziert – allein zur Ehre JaHuWaHs und nicht mehr zu Ehren der Bocksdämonen: „Und sie sollen nicht mehr ihre Schlachtopfer den Bocksdämonen schlachten, denen sie nachhuren..“ (3Mo 17,7). Mit den religiösen Opferritualen wurde der Unterhalt der Priester ordnungsgemäss garantiert. Die Priester garantierten bei den Opfer- und Festmählern einen ordnungsgemässen Ablauf. Alles wurde äusserst streng und vorbildlich geregelt, der verantwortungsvolle Umgang mit den Schlachttieren gesichert. Seinesgleichen gab es nirgendwo auf der ganzen Erde! In unseren Tagen ist das Schlachten der Tiere im allgemeinen wieder streng geregelt.

In meiner Jugendzeit schlachtete jeder wild vor seinem Haus und Stall. Es lief selten alles ordentlich ab, denn wir hörten die verzweifelten Schmerzensschreie des Schlachtviehs auf dem Schulweg oder im Schulhof! Ab und zu lief ein verletztes Schlachtvieh verzweifelt herum! Heute sind die Menschen weitgehend wieder an die strengen Regeln in den Schlachthäusern gebunden. Trotzdem ereignen sich in unseren Ländern grauenvolle und qualvolle Szenen mit den vielen Tierhaltungen und -transporten. Die Schlachtpraxis in den abgelegenen Gegenden dieser Welt verläuft heute noch meistens gegen alle vernünftigen Regeln des Umgangs mit den Tieren. Die Tiere sind oft unhaltbaren Qualen ausgesetzt bis sie verblutet sind. Mancher Umweltschützer wäre froh, wenn überall dort die israelitisch-jüdischen Schlachtregeln, gemäss dem dritten Buch Moshe, eingehalten würden!

Die Propheten bestätigen uns, dass JaHuWaH keine Tieropfer wollte. (Das ist ein spezielles Thema, dem ich mich gerade mit viel Freude und Aufmerksamkeit widme). Schon Abraham sollte verstehen lernen, dass JaHuWaH überhaupt keine Opfer will, schon gar keine Menschenopfer. Als Übergang von seiner heidnischen Herkunft her, in der die erstgeborenen Kinder als Feueropfer den Göttern zu Ehren geopfert wurden, beliess ihm JaHuWaH – als Übergang – das Tieropfer. Statt Isaak opferte er schliesslich das wertlosere Opfer, den Widder. Das Volk Israel stand immerhin über vierhundert Jahre lang unter den vielen eingefleischten Opferzeremonien der Ägypter. So schnell konnte es davon nicht befreit werden. Die Propheten steuerten das Volk auf die zentralen Werte der Thora hin, auf die Liebe zu JaHuWaH und den gerechten Umgang mit dem Nächsten und der Umwelt. Das war ein langer hingebungsvoller und mühsamer Weg. Der Opferkult stand nicht im Zentrum der Botschaft JaHuWaHs. Darum sagt etwa der Prophet Jirmejahu (Jeremia):

„So spricht JaHuWaH, der Herr der Heerscharen, der Erlöser (Gott) Israels: Fügt nur weiter eure Brandopfer zu euren Schlachtopfern und esst Opferfleisch! Denn ich habe nicht mit euren Vätern darüber geredet und ihnen nichts geboten über das Brandopfer und das Schlachtopfer an dem Tag, da ich sie aus dem Land Ägypten herausführte; sondern dieses Wort habe ich ihnen geboten: Hört auf meine Stimme, dann werde ich euer Erlöser (Gott) sein, und ihr werdet mein Volk sein!“ (Jer 7,21-23). Der Prophet Shmuel (Samuel) bekennt gegenüber dem König Shaul: „Shmuel aber sprach: Hat JaHuWaH so viel Lust an Brandopfern und Schlachtopfern wie daran, dass man der Stimme JaHuWahs gehorcht?, Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer. Aufmerken besser als das Fett der Widder. Denn Widerspenstigkeit (gegen JaHuWaH) ist eine Sünde wie Wahrsagerei, und Widerstreben ist wie Abgötterei und Götzendienst“ (1Sam 15,22-23).

Geschickt streuten einflussreiche Kirchenväter ihr Verderben bringendes Gift des Kampfes gegen JaHuWaH, sein Wort und sein auserwähltes Volk unter die echten Zusammenhänge und Aussagen Jahushuas von Nazareth und seiner Schüler, der Jünger. Diesen mühsamen Weg der Propheten und Jahushuas sabotierten einflussreiche Kirchenväter. Sie schufen und entwickelten eine neue Blut- und Opferkultur. Dazu missbrauchten sie ausgerechnet jenen, der auf die wesentlichen Inhalte der Thora hinwies, Jahushua von Nazareth, und machten aus ihm eine heidnische Gottheit, welche die Menschen mit ihrem Opferblut erlöst haben soll. So lehren sie: „In diesem Willen sind wir geheiligt durch das ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi.. Denn mit einem Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer vollkommen gemacht“ (Hebr 10,10.14). Das ist ein Gesetz der Kirchenväter und zwar an JaHuWaH vorbei. Von diesem Sühneopfer-Gesetz weiss JaHuWaH nichts, auch keiner seiner Propheten!!

Dass die Überarbeiter der hebräischen Zeugnisse über Jahushua und seine Tätigkeit keine Kenntnis der Thora und der Propheten besassen, beweist uns auch ihre Unwissenheit über das was die Thora über den Zusammenhang von „Auge um Auge und Zahn um Zahn“ wirklich schreibt. Nämlich: „Wenn jemand in das Auge seines Sklaven oder in das Auge seiner Sklavin schlägt und es zerstört, soll er ihn zur Entschädigung für sein Auge als Freien entlassen. Auch falls er den Zahn seines Sklaven oder den Zahn seiner Sklavin ausschlägt, soll er ihn zur Entschädigung für seinen Zahn als Freien entlassen“ (2Mo 21,26-27). Davon wussten die Kirchenväter offenbar nichts!

Der Geist der Thora ist grundsätzlich auf den gerechten Umgang mit dem Einzelnen innerhalb der Gesellschaft ausgerichtet. Um eine Gemeinschaft vor Zerfall und Untergang zu bewahren und zu schützen braucht es ein allgemeines Recht, allgemeine Ordnungen, denen sich der Einzelne zugunsten der funktionierenden Gesellschaft unter JaHuWaH unterzuordnen hat. Das wird vom einzelnen Menschen sehr oft nicht verstanden und als Härte ausgelegt. Im nächsten Gim wollen wir uns Gedanken über Mt 5,43: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen“.

„Hast du es nicht erkannt, oder hast du es nicht gehört? Ein bleibender Erlöser (Gott) ist JaHuWaH, der Schöpfer der Enden der Erde. Er ermüdet nicht und ermattet nicht, unergründlich ist seine Einsicht. Er gibt dem Müden Kraft und dem Ohnmächtigen mehrt er die Stärke“ (Jes 28-29). Auch die Worte an Josua, der mutig mit JaHuWaH vorwärts ging, mögen uns stärken: „Habe ich dir nicht geboten: Sei stark und mutig? Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn mit dir ist der JaHuWaH, dein Erlöser (Gott), wo immer du gehst“ (Jos 1,9). Mit diesen mutmachenden Worten wünsche ich jedem einen neuen Lebensschwung auf seinem Weg – inmitten seiner Tage – und einen einsichtigen Umgang mit den Nächsten.Shalom uvracha!

Gregor Dalliard