Aschermittwoch, Karfreitag, und die alljährlich wiederholende fromme Stimulierung zum Judenhass. Teil 4

Glaubensimpuls 234

Auf die Glaubensimpulse gibt es immer wieder Reaktionen. Das ist gut so. Was mich ganz besonders freut ist die Tatsache, dass sich immer mehr Christen die Frage stellen, was hat denn Jahushua von Nazareth wirklich geglaubt? Eine ältere Frau aus Kanada war bis vor kurzem der vollen Überzeugung, dass Jahushua von Nazareth Christ war, an drei Gott-Personen glaubte, an Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den heiligen Geist. Sie glaubte, dass er christlich getauft war und zwar auf den Namen der Trinität, dass er jeden Sonntag in die Kirche ging und christliche Lieder sang. Sie glaubte, dass er die christlichen Feste feierte und vieles mehr.

Wir mögen darüber lachen, aber fragen wir uns selbst, waren wir vor wenigen Jahren nicht auch noch der vollen Überzeugung, Jahushua von Nazareth hätte eine neue Religion, eine Kirche, gegründet? Mit aller Selbstverständlichkeit übernahmen wir diese Meinung von der Generation vor uns. Über diese Fragen macht sich wohl selten ein Christ Gedanken. Mit den ersten ökumenischen Konzilien, die im 4.Jh. von den römischen Kaisern Konstantin und Theodosius einberufen worden waren, setzte – offiziell – im gesamten römischen Reich, eine religiöse Umwälzung ein. Mit diesen Konzilien wurde für alle Christen bindend eine antibiblische und damit eine nicht auszurottende antijüdische Kirchen- und Lebenskultur ins Leben gerufen, die wir heute als das Selbstverständlichste der Welt empfinden und erleben.

Diese Kirchenkultur antasten und wieder JaHuWaH-kompatibel, d.h. menschlicher, machen zu wollen, beschwört in den christlichen Kirchen und Gemeinschaften unweigerlich Widerstand und Ablehnung herauf. Nicht nur der gigantische und einflussreiche mächtige Vatikan-Konzern, sondern jede Führung innerhalb der christlichen Kirchen und Gemeinschaften sieht in der Bibel des Jahushua (d.h. im Tanach) sowohl ein peinlicher Gesichtsverlust als auch ein Machtverlust auf sich zukommen, gegen den sie sich mit vereinten ökumenischen Kräften vehement zu wehren setzen. Religion ohne die Bibel des Jahushua ist mit viel Macht, Einfluss, Manipulation und Verdummung verknüpft. Ihr Programm ist geistige Vergewaltigung, die sich auf das praktische Leben verheerend auswirken kann.

Ein Erlebnis mit zwei Nonnen mag dies etwas erhellen. Zwei ältere Ursuliner-Schwestern waren mir gegenüber der festen und unerschütterlichen Überzeugung, Mirjam (Maria), die Mutter des Jahushua von Nazareth (Jesus), hätte täglich den Rosenkranz gebetet. Das Rosenkranzgebet ist ein Gebet an die katholische Maria – gleich einem Mantra. Der Rosenkranz ist eine Zähl- und Gebetsschnur mit 59 Perlen. An 50 Perlen wird Maria (verstanden als Mutter von Gott, Muttergottes), wie bei einem Mantra, 50 mal mit den gleichen Worten begrüsst und 50 mal mit den gleichen Worten um Hilfe angebetet. In seiner heutigen Mantra-Form wurde dieses Gebet im 11. Jahrhundert vom Mönch, dem heiligen Petrus Damiani (um 1006–1072), geschaffen.

Nun war den beiden aufrichtigen – aber verführten Klosterfrauen – nicht bewusst, dass Mirjam, eine gläubige praktizierende Jüdin war, die ihren Glaubensweg nach der gleichen Bibel wie Jahushua ausrichtete, nach der Thora und den Verheissungen der Propheten. Sie wusste nichts von einer christlichen Kirche, geschweige denn von einem Rosenkranzgebet. Als Jüdin hätte sie auch nie zu sich selbst gebetet, umso mehr, da der Rosenkranz rund tausend Jahre nach dem Tod der Mirjam (Maria), der Mutter von Jahushua, entstanden ist. Mir taten die beiden aufrichtigen, braven Nonnen echt leid, denn das tägliche Rosenkranzgebet gehört mit zu den zentralsten Glaubensinhalten der Ordensleute. Auf mystische Weise vereinigen sie sich jeden Tag aufs neue mit der Muttergottes und ihrem Jesus-Gott. Nun sollen beide echte Juden gewesen sein! Weder sollte Mirjam (Maria) Mutter von Gott sein, also nicht die Muttergottes sein, noch sollte Jahushua (Jesus), ihr Sohn, Gott sein? Das war für die beiden aufrichtigen und arglosen Nonnen ein bisschen zuviel auf einmal.

Sie hatten mich aber herausgefordert, also musste ich ihnen die Wahrheit sagen! Natürlich versuchte ich ihnen den biblischen Trost zu vermitteln, aber in ihrer Angst und in ihrer religiösen Verworrenheit, in die sie durch die Kirche verstrickt worden waren, fehlte ihnen verständlicherweise die Fähigkeit sich von den religiösen Ketten des Irrtums zu lösen. In diese religiöse Verstrickung sind sie von den Vertretern des Vatikans hinein erzogen worden, darin sind sie aufgewachsen. Sie hörten nie etwas anderes als Wahrheit. Lehrt jemand etwas anderes als die Kirche lehrt, dann ist er vom Teufel. Ihr Glaube ist ihnen verständlicherweise zum sicheren Zuhause geworden. Entsprechend werden diese religiösen Irrtümer auch nicht als Widerspruch empfunden, und schon gar nicht als Widerspruch zum Gesamtzeugnis der Bibel, obwohl sie sich überzeugt auf die Bibel berufen. Sie sind aber gelehrt worden die Bibel vom sogenannten „Neuen Testament“ aus zu beurteilen und zu verstehen. Die Bibel (Tanach) wäre überholt, Jahushua hätte seine Bibel erfüllt, abgeschlossen und damit für unbrauchbar erklärt. Doch das „Neue Testament“ gehörte nie zur Bibel des Jahushua. Diese Denk- und Vorgehensweise widerspricht der Denk- und Vorgehensweise Jahushuas. Das ist genau der entgegengesetzte Weg der Auslegung, ein Weg den Jahushua nie gutheissen konnte! Wie sollte es auch anders sein! So blieben sie als religiös Gefangene dem Vatikan hörig. Der wunderbare Reichtum aus dem Jahushua von Nazareth mit JaHuWaH lebte, bleibt ihnen wohl – vorübergehend – verschlossen.

Nun zurück zu unserer älteren Frau aus Kanada! Als sie eines Tages durch eine Bekannte auf diesen Irrtum aufmerksam gemacht worden sei, und ihr bewusst wurde, dass Jahushua von Nazareth gar kein Christ war und es auch nie vorhatte zu werden, war sie völlig durcheinander. Als ihr bewusst wurde, dass Jahushua nie eine Kirche gegründet hatte und auch nie dazu aufforderte und nie eine christliche Versammlung oder Kirche betrat, war ihr äusserst elend zumute. Als sie feststellen musste, dass Jahushua nichts von dem glaubte was ihre christlichen Vorsteher jeden Sonntag der Gemeinde als Wahrheit der Bibel und Lehre von Jahushua predigen, war sie am Boden zerstört. Sie musste schockiert erkennen, dass er kein Christ war, weil er nicht an die drei Gott-Personen glaubte, an Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den heiligen Geist. Er war nie christlich getauft worden, weder auf einen dreieinigen Gott, noch auf den Namen Jesu, also war er nie ein Christ.

Er ging in seinem Leben nie an einem Sonntag in die Kirche, forderte auch nie dazu auf. Er feierte nie ein christliches Fest, sang nie christliche Lieder, forderte auch nie dazu auf. Er feierte nie christliche Weihnachten, auch nie Silvester, jenen Tag, der nach dem Judenhasser, dem heiligen Papst Silvester, benannt ist. Silvester, der mit dem Abbrennen von sehr viel Feuerwerk die Christen jeweils in das neue Jahr der Päpste geleitet. Er feierte nie Karfreitag, auch nie Ostern, forderte dazu auch nie auf. Er las nie in der Bibel der Christen. Er sprach nie von einer zweiten Bibel neben der Bibel seines Volkes. Für ihn gab es nur einen Bund mit seinem Volk. Nie dachte er an die Auflösung dieses Bundes und an einen neuen Bundesschluss mit irgendwelchen Heiden, mit Vertretern der griechisch-römischen Philosophien und Göttern, wie wir sie im Christentum vorfinden.

Ein „Neues Testament“ gab es für ihn als Bibel nicht. Er betete allein zu JaHuWaH, forderte seine Zuhörer auf, JaHuWaH allein anzubeten. Er predigte den Lebens- und Liebesreichtum, die unverdiente Gnade, die Vergebung der Sünden und die Barmherzigkeit als die höchsten Inhalte des Lebens, wie sie uns vom Vater im Himmel in der Thora, Propheten und Schriften (Tanach) bezeugt sind. Er nannte jene, die diesen Reichtum aufhoben als verachtenswerte Kreaturen im Reich der Himmel, nannte aber jene, die ihn lehren und in ihrem Alltag umsetzen, als grosse „Gestalten“ im Reich der Himmel (vgl. Mt5,17-19). „Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus den Juden“ (4,22). Mit „wir beten an“ meinte er auch sich selbst, solidarisch mit allen gläubigen Juden. Er glaubte kaum etwas von dem was sie bisher glaubte.

Das allerschlimmste war für sie die Erkenntnis, dass Jahushua von Nazareth den christlichen Glauben und alle seine Feste nie lehrte. Weder befahl er diesen Glauben noch hätte er ihn jemals gewollt, weil er seiner Überzeugung völlig widerspricht. Warum? Weil er durch und durch ein tiefgläubiger Jude war. Als Kind wurde er im jüdischen Glauben erzogen. Mit fester Überzeugung vertiefte er sich in das Wort der Thora und der Propheten. Mit zwölf Jahren wurde er in Jerushalajim auf seine Bar Mitzwa vorbereitet und wurde in der Bar Mitzwa-Feier als „Sohn der Pflicht“, d.h. als Sohn, der die Verantwortung für sein Leben und seinen Glauben persönlich wahrnimmt, in die Gemeinde des Himmelreiches aufgenommen. Die Rabbiner, die ihn prüften und befragten waren über die tiefe Kenntnis seines jüdisch-biblischen Glaubens sehr beeindruckt (vgl. Lk 2,46-47).

Mit ganzer Hingabe lebte er diesen Glauben aus und lehrte seine Zuhörer entsprechend. Als sie alles das erkennen musste, sei sie schier durchgedreht. Nur langsam hätte sie sich davon erholt. Nur langsam sei sie in den Glauben des Jahushua von Nazareth hineingewachsen. Heute sei sie so sehr dankbar, dass sie diese schwere Zeit überstanden habe und jetzt dem Jahushua von Nazareth glaubensmässig immer näher komme. So könne sie den Willen des himmlischen Vaters in ihrem Leben mehr denn je verwirklichen, sei innerlich zur Ruhe gekommen und zufrieden. Allerdings werde sie heute von vielen früheren christlichen Geschwistern gemobbt und gemieden, was das Leben im Alltag nicht immer einfach mache.

Merken wir uns Folgendes: Das biblische Offenbarungsgut, d.h. das was den biblischen Propheten über alle Generationen hindurch durchgehend geoffenbart worden ist, steht bei allen Propheten in einem tiefen heilsgeschichtlichen Gesamtzusammenhang. „Von dem Tag an, da eure Väter aus dem Land Ägypten auszogen, bis auf diesen Tag habe ich alle meine Knechte, die Propheten, zu euch gesandt, täglich früh mich aufmachend und sendend“ (Jer 7,25). Jirmejahu (Jeremia) bestätigt was Moshe geoffenbart war, nämlich, dass JaHuWaH nach ihm auch wieder einen Propheten aus den Brüdern erwecken werde, auf den sie hören sollten (vgl. 5Mo 18,15.18). Diese Verheissung erfüllte sich von Genration zu Generation. Das ist etwas Einzigartiges das uns mit viel Dankbarkeit erfüllt! Kein Prophet „tanzte“ aus der Reihe. „Tanzte“ einer aus der Reihe, dann erlebte er sein Gericht. Das bezeugen uns verschiedene Begebenheiten in der Bibel.

Die Propheten waren unermüdlich bedacht – um nur einige Punkte zu erwähnen – auf den Glauben Abrahams als Weg der Wiedergeburt und Rechtfertigung vor JaHuWaH hinzuweisen. Der Glaube an den eizig EINEN und niemals an zwei, drei oder mehr Gott-Personen gehörte zum zentralen Punkt ihrer Verkündigung. Einmütig predigten sie die Shabbatruhe und die Feste JaHuWaHs. Sie lehnten jede Form und Art der heidnischen Götterkulte ab, die sie im Beobachten und Einhalten bestimmter Zeiten, Tage und Monate diesen schuldeten. Die Verantwortung die jeder persönlich für sein Verhalten trägt und die Rechenschaft, die jeder persönlich für seine Taten abgeben muss, gehörte zu den Grundsätzen ihrer Botschaft. Unermüdlich zeigten sie auf wie Vergebung der Sünden und ein Neuanfang in diesem Leben einzig und allein nur in der persönlichen Begegnung mit JaHuWaH möglich ist. Daran führt kein Weg vorbei.

Sie wiesen auf die Herkunft des Heils hin. Zudem gehörte das Ziel der Heilsgeschichte, die Wiederherstellung aller Menschen und aller Dinge, durch alle Generationen hindurch zu der zentralen Botschaft der Propheten. Unermüdlich wiesen sie auf das gesunde praktische soziale Lebensgefüge in JaHuWaH hin, dem jeder aus dem auserwählten Volk verpflichtet war und ist, weil sie in JaHuWaH alle Brüder sind. Sie waren sich einig in der Ablehnung einer irdischen Oberherrschaft, die nicht den sozialen Umgang mit den Brüdern anstrebte. Das Halljahr, Jobeljahr, stellte die soziale Gerechtigkeit und Bruderschaft wieder her und weckte das Verantwortungsbewusstsein der Schöpfung gegenüber. Das sind nur einige der wunderbaren Segen bringenden Weisungen der israelitisch-jüdischen Propheten, die Jahushua von Nazareth in seinem kurzen Leben als unantastbare Weisungen verteidigte, bestätigte und überall bezeugte. Jeder möge persönlich noch andere Segnungen in der Bibel entdecken. Das ist einfach wunderbar.

Die Gründer der christlichen Kirche stellten diese bewährten Lebensgrundlagen JaHuWaHs, die Jahushua von Nazareth verteidigt hatte, im 1. und 2. Jh. völlig auf den Kopf. In ihren philosophisch-platonischen und epikuräisch-stoischen Schwärmereien, verbunden mit den zahllosen griechisch-heidnischen Göttervorstellungen standen sie im krassen Widerspruch zur befreienden Botschaft des JaHuWaHglaubens (Eingottglaubens) und seiner Lebensordnungen. Auf der ständigen Suche nach neuen Göttern, entjudaisierten sie Jahushua von Nazareth und erhoben ihn zu einem ihrer Götter. Zu ihnen gehörten Paulus (nicht Shaul), Polykarp von Smyrna, Klemens von Rom, Papias von Hierapolis, Aristides von Athen, Justin der Märtyrer, Athenagoras von Athen, Irenäus von Lyon, Melito von Sardes, Ignatius von Antiochien, Hermas u.a.m. Auf diesen verkehrten JaHuWaH- und lebensfeindlichen Grundlagen bauten die Kirchenväter der folgenden Jahrhunderte, mit der Hilfe der römischen Kaiser, kräftig an ihrer Kirchenideologie weiter.

Bedenken wir, als das Neue Testament in seiner heutigen Fassung geschrieben worden war, gab es schon seit Jahrzehnten keinen jüdischen Staat mehr. Die Zahl der Überarbeiter der hebräischen Urtexte war bald einmal nicht mehr zählbar, alles wurde zerpflückt und der heidnischen Denkweise angepasst (vgl. Lk 1,1-4). Sie kannten weder den jüdischen Staat noch hatten sie Jahushua von Nazareth gekannt. Paulus und Johannes, zwei Überarbeiter der ursprünglichen hebräischen Aussprüche des hebräischen Urtextes, waren in Wirklichkeit nicht der Paulus und nicht der Johannes, wie sie uns im sogenannten „Neuen Testament“ vermittelt werden. Sie waren keine Juden, sondern abgrundtiefe Judenhasser, wie Melito von Sardes. Sie werden von den Kirchenvätern als Juden ausgegeben, die zum Christentum konvertierten. Geschickt stellen sie in ihrem überarbeiteten und zusammengeschmuggelten Johannesevangelium ihre antijüdische Propaganda dar. Sie stellen die Juden äusserst geschickt als Feinde des Rabbi und Pharisäers Jahushua dar, der in Konfrontation mit den Juden und den gesamtem Zeugnis der Propheten steht, während die Römer, in der Person des Pilatus, Jahushua erfolglos zu befreien suchten. Diese Darstellung widerspricht vollkommen der damaligen römischen Rechtsgrundlage nach der streng verbindlichen Lex Julia Majestatis!

Die Kirchenväter überarbeiteten in respektloser Weise die hebräisch überlieferten Urzeugnisse der Schüler (Apostel) des Jahushua, die alle Juden waren und das Wort der Propheten vollkommen bestätigt hatten. Diese Überarbeitung der hebräischen Zeugnisse über Jahushua wurde, wie gesagt, durch namhafte Kirchenväter im 2. und 3. Jh. fortgesetzt und fand im 4. Jh., mit den einflussreichen führenden Kirchenvätern Hieronymus und Damasus, der als Papst fungierte, ihren offiziellen Abschluss. Während dieser Zeit ist der Jude, Rabbi und Pharisäer Jahushua von Nazareth schrittweise entjudaisiert worden und zu einer grossen heidnischen Gottheit gemacht worden (aufgestiegen), die innerhalb einem Triumvirat, innerhalb von drei Göttern, Gott dem Vater, Gott dem Sohn und Gott dem heilige Geist (mit dem hl. Geist war in Wirklichkeit die Mutter-Gottes gemeint) ihre Position gefunden hat. Das christliche Schema passt wunderbar ins Konzept der antiken heidnischen Götterwelten.

Das ist auch der Grund warum sich der Paulus der Kirche, der Paulus der Kirchenväter, mit seinen neuen Lehren, in seinem verbissenen Antijudaismus, nicht mehr auf die Propheten berufen konnte. Was machten die Kirchenväter? Dieser Paulus berief sich nun geschickt auf Erscheinungen, Visionen, Eindrücke und Offenbarungen der zweiten Gottheit, der Gottheit Jesu. Wer sollte jetzt noch überprüfen können was wahr und was falsch ist. Seit diesem Paulus berufen sich die Päpste, Prediger und Pastoren, fast ausnahmslos aller christlichen Gemeinschaften, ausschliesslich auf die Erscheinungen, Visionen, Eindrücke und Offenbarungen dieses Paulus. Ihr Gott redete nicht in der gesunden, einheitlichen und geschichtlichen Beständigkeit einer langen Reihe von Propheten, sondern durch den Götzen, der da heisst Paulus. So willkürlich darf niemand, der sich auf die Bibel beruft, mit der Bibel umgehen!

Wollten die Päpste einer neuen frommen Idee zum Durchbruch verhelfen, verkauften sie der unwissenden, zur frommen Hörigkeit verdammten Masse, ihre fromme Idee als eine von Gott durch Erscheinungen, Visionen, Eindrücke und Offenbarungen gegebene Wahrheit. Damit wurde sie dogmatisch verankert und zu einer verbindlichen Wahrheit gemacht, die zum Heile notwendig ist – die heute noch unwiderruflich geglaubt und praktiziert werden muss, will ein Christ jemals den Himmel sehen. Bei Nichtbefolgung führt der Weg direkt in die immer währenden Höllenqualen! Nach demselben Muster, aber in einer etwas kleineren „Ausgabe“, handeln die meisten Freikirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Die Folgen sind nicht weniger wirksam, haben dieselben lebenszerstörerischen Auswirkungen. Sie rauben den Blick für das Ganze und die Weite, für das lebenschaffende Potential, das der Schöpfer JaHuWaH in jedes Menschenleben legte.

„Lieber ist mir die Weisung deines Mundes als Tausende von Gold- und Silberstücken. Deine Hände haben mich gemacht und bereitet. Gib mir Einsicht, ich will deine Weisungen lernen.. In Ewigkeit, JaHuWaH, steht dein Wort fest in den Himmeln. Von Geschlecht zu Geschlecht währt deine Treue. Du hast die Erde gegründet, und sie steht. Nach deinen Ordnungen bestehen sie bis heute, denn alles ist dir dienstbar“ (Ps 119,72-73.89-91). In dieser befreienden Gewissheit grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen segensvollen Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard