Aschermittwoch, Karfreitag, und die alljährlich wiederholende fromme Stimulierung zum Judenhass. Teil 1

Glaubensimpuls 231

Mit der Aschermittwoch-Liturgie wurde am 10. Februar die katholische Fastenzeit eingeleitet. Sie steuert schnurstracks auf den Karfreitag zu, den Mord der Juden an den Mensch geworden Gott. In dieser alljährlich sich wiederholenden Fastenzeit „betrachten“ Abermillionen Christen einzeln, in ihrer täglichen frommen Betrachtung oder in den offiziellen gemeinsamen Liturgien und Andachten in den Kirchen den schweren Leidensweg ihres Gottes Jesus. Dieser Leidensweg ist in vierzehn Stationen dargestellt. Bei jeder Station wird innegehalten, das angeblich Geschehene verinnerlicht. Das Verbrechen begingen nach der christlichen Grundlehre die Juden. Sie werden für den Tod Jahushuas haftbar gemacht.

In den meisten Kirchen sind diese vierzehn Stationen in irgend einer Form das ganze Jahr über sichtbar dargestellt. Die vierzehn Leidensstationen Jesu gehören zum Inventar beinahe jeder katholischen Kirche und Kapelle. Die Christen sollen sich das ganze Jahr über, beim Betreten ihrer Kirche und im Gebet, an die Boshaftigkeit und Verwerflichkeit der Juden erinnern, die offenbar in einem grausamen Prozess den Tod des Mensch gewordenen Gottes Jesus forderten und bewirkten, während die römischen Besatzer die Hinrichtung zu verhindern suchten! Das ist natürlich Ehrverletzung, Rufmord und Geschichtsklitterung, das ist Rassismus!

Diese vierzehn Stationen stellen den angeblichen Leidensweg des Jahushua von Nazareth dar, den er von der Gefangennahme bis Golgatha gehen musste. Im 4. Jh., im Jahre 325 n.u.Z., soll Helena, die christlich fanatisierte Mutter des Kaisers Konstantin, das Kreuz von Jesus, und auch zwei weitere Kreuze, diejenigen der angeblichen Schächer, in Jerushalajim gefunden haben. Das passte natürlich zur radikal antijüdischen Theologie die offiziell, auf dem Konzil von Nizäa, 325 n.u.Z., als Glaubensdogma geschaffen worden war. Mit dieser Lüge sollte die antijüdische Hetze und der Ruf nach der Vernichtung der Juden einmal mehr begründet und gerechtfertigt werden.

Der abgrundtiefe Judenhasser, der später heilig gesprochene einflussreiche Kirchenvater und Bischof Ambrosius von Mailand (339 – 397 n.u.Z.), bestätigte natürlich diese Lüge von der Kreuzauffindung als Wahrheit. Wer sollte daran noch Zweifel haben! Später ordnete die katholische Kirche ein Fest zum Gedächtnis der Auffindung des Heiligen Kreuzes durch die hl. Helena an. Was aber entspricht der Wahrheit? Während der heilige Kirchenvater an der Zerstörung von Synagogen beteiligt war, forderte der Kaiser von den Christen den Wiederaufbau und die Finanzierung der zerstörten Synagogen an. Das aber verhinderte der Heilige und drohte dem Kaiser mit der ewigen Höllenstrafe! Also blieb es dabei.

Von dieser Zeit an – also rund vierhundert Jahre nach dem Tod Jahushuas von Nazareth – wurde ein Prozessionsweg als Leidensweg Jesu in Jerushalajim angelegt. Anfangs waren es nur zwei Stationen, das Haus des Pilatus und Golgatha. Nach und nach entstanden weitere Stationen, die offenbar genau die Stellen der einzelnen Leidensabschnitte Jesu wiedergeben sollen. Die frommen Pilger von heute wissen wohl kaum, dass die Römer im Jahre 70 n.u.Z. die Stadt zerstören und schleifen liessen, so dass der heutige Prozessionsweg wohl kaum den damaligen Begebenheiten entspricht. Doch das berührt den fromm verführten Pilger, der die Via Dolorosa mit unerschütterlicher Überzeugung und oberflächlicher Frömmigkeit abbetet, nicht. Das ist ja auch verständlich.

Der Franziskanerorden, der unter Franz von Assis in Opposition zu dem genusssüchtigen und machthungrigen Papsttum stand, wurde vom Vatikan systematisch unterwandert. Köpfe wurden ausgetauscht, Franz von Assisi für immer eingesperrt, bis ans Lebensende. Der Mönchsorden wurde vom Vatikan, zusammen mit dem Dominikanerorden (wegen ihrer Grausamkeit vom Volk „domini canes“ = „Hunde des Herrn“ genannt), zum grausamen Werkzeug der Inquisition umgebildet. Diese beiden Mönchsorden avancierten (13. Jahrhundert) zu den schlimmsten Verbrechern jener Zeit, nicht nur gegen das eigene Glaubensvolk, sondern vor allem gegen die Juden. Barfuss wanderten diese Bettelorden von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf. Überall in den Ortskirchen führten sie den Kreuzweg-Kult ein.

Mit ihren anschaulichen Darstellungen des angeblichen Leidensweges ihres Gottes, den die Juden ermordet hatten, bauten sie den Judenhass geschickt in die Volksandacht ein. Mit dieser perfekt ausgeklügelten Methode haben die Inquisitoren das Gedankengut der Kirchenväter, den permanenten Judenhass, unausrottbar bis in die letzten Winkel der christlichen Welt gebracht und in den Köpfen ihrer Zuhörer unausrottbar verankert. Damit wurden die Christen der biblischen Inhalte beraubt. Raffiniert wurden sie von den Inhalten der Bibel des Jahushua von Nazareth, vom Tanach, fern gehalten. Der Zugang zu den wunderbaren heilsgeschichtlichen Zusammenhängen, zu der eigentlichen Botschaft der Juden an die Welt, wurde und wird dem christlichen Volk von seinen geistlichen Führern mit allen erdenklichen Mitteln verwehrt.

Sooft ein Katholik eine Kirche besucht, ist er von den Kreuzwegstationen beeinflusst. Sie erinnern ihn – bewusst oder unbewusst – unablässig, an die Gottesmörder. Parallel setzten die Mönche im 12. Jh. alles daran Europa „judenfrei“ zu machen, was ihnen in den folgenden Jahrhunderten auch gelang. So wurden die katholischen Länder England (England war damals noch katholisch), Frankreich, Spanien, Sizilien, Portugal, Neapel und mehrere deutsche Staaten für bestimmte Zeiten „judenfrei“.

Die Juden wurden über die Botschaft der Franziskaner und Dominikaner, der Inquisitoren, schwersten Verdächtigungen und Verfolgungen ausgesetzt. Wurden sie wegen irgendeiner Sache verdächtigt, waren sie schutzlos der Willkür der Geistlichen ausgesetzt. Das christliche Volk prägte den Satz: „Wo der Schatten eines Mönches hinfällt wächst kein Gras mehr!“ Der Franziskaner Bernardino von Feltre hielt 1475 in Trient (im Nordosten von Italien) die Fastenpredigten. Trient wurde von einem Fürstbischof regiert. Bernardino predigte über die widerspenstigen Juden und ihre gottlose verderbliche Natur. Die Menschen wurden von seinen Predigten so sehr mitgerissen, dass jemand – Franziskanermönche oder der Fürstbischof selbst – einen Knaben ermordeten und ihn heimlich in den Keller eines Juden versteckten. Die Juden wurden von Entsetzen erfasst und dachten an eine Flucht. Das Oberhaupt der jüdischen Gemeinde, Shmuel (Samuel), gab den Rat dieses Verbrechen zu melden, damit der Verdacht nicht auf die Juden falle.

Für seine Ehrlichkeit musste er teuer mit seinem Leben bezahlen. Die jüdische Gemeinde wurde des Mordes für schuldig erklärt. Die Mitglieder wurden grausam gefoltert und mit lebendigem Leibe verbrannt. David Kertzer hatte Zugang zu gewissen Geheimdokumenten des Vatikans. In seinem Buch „Die Päpste gegen die Juden“, Propyläen Verlag 2001, lesen wir: „Samuel selbst wurde mit Hilfe eines Flaschenzuges an seinen auf den Rücken gefesselten Handgelenken in die Luft gezogen. Als er weiterhin bestritt, dem Kind etwas angetan zu haben, hängte man Gewichte an seine Füsse und zog ihn noch höher. Man liess das Seil locker, um es plötzlich wieder zu straffen, so dass seine Arme unter entsetzlichen Schmerzen hochgerissen wurden. Als auch dies ihn nicht dazu brachte, seine Aussage zu ändern, platzierte man ihm brennenden Schwefel unter die Nase. Zwei Tage lang hielt Samuel stand, dann gab er auf. Indem sie nur Fragen stellten, die mit Ja oder Nein zu beantworten waren, erhielten die Folterer das gewünschte Geständnis: Ja, die Juden hätten den Jungen um seines Blutes willen getötet, das sie für ihre Passahfeier benötigten. Auch andere gestanden unter ähnlichen Qualen. Sie alle wurden zum Tode verurteilt.“ Seit Jahrhunderten verbreiteten die Ordensleute das schreckliche Gerücht, dass die Juden für ihre Passahfeier Kinderblut benutzen würden!

Wie er weiter schreibt waren die Bewohner von Trient über diese erschütternde Geschichte vom Martyrium des Knaben und der Bösartigkeit der Juden zutiefst erschüttert und betroffen. Samuel wurde weiter grausam gefoltert. Er schreibt: „Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte rissen die Wachen ihm mit Zangen das Fleisch aus dem Körper. Dort angekommen, fesselten sie ihn mit anderen Mitgliedern seiner Familie an einen Pfahl. Der Scheiterhaufen wurde entzündet, alle wurden bei lebendigem Leibe verbrannt.“ In ihrer Verzweiflung, unter den grausam ausgedachten Folterpraktiken der Kirche, konvertierten zwei von ihnen zum christlichen Glauben und liessen sich taufen. Der Scharfrichter liess „Gnade“ walten, indem er die Neugetauften zuerst enthauptete und erst dann dem Feuer übergab. Der von den Christen ermordete Junge wurde später heilig gesprochen!!

Die jährlich anbrechende Fastenzeit und der nahende Karfreitag liess die Juden in den christlichen Ländern über Jahrhunderte, ja in einer langen Zeitspanne, von rund tausendsechshunder Jahren, vor Angst erstarren. Millionen Juden sind im Laufe der Geschichte während dieser frommen kirchlichen „Busszeit“ auf die oben erwähnte Weise gedemütigt und auf grausamste und bestialiste Weisen ermordet worden. Die Bibel (Tanach) des Jahushua von Nazareth hilft uns die lange finstere und grausame Glaubensgeschichte des Christentums zu durchleuchten und aufzuarbeiten. Das aber kann nur geschehen wenn wir uns bereitwillig der Wahrheit, d.h. den Zusammenhängen der Bibel, stellen und uns mit ihr auseinandersetzen. Es ist an der Zeit diese jährlich wiederkehrenden menschenverachtenden Rituale und Liturgien, die nichts anderes als dem Rassismus frönen, aus der Welt und dem religiösen Leben zu schaffen. Solange diese ehrverletzenden, grausamen Lehraussagen über die Juden in Form der bestehenden Dogmen – als das unveräusserliche Glaubensgut – von den Christen gelehrt, gepflegt und gehütet werden, weiss keiner wann sich solche Verbrechen wiederholen können. Es bedarf einer konsequenten Umkehr und Abkehr von diesen sich alljährlich wiederholenden rassistischen liturgischen Glaubenspraktiken und -feiern in den christlichen Kirchen und Gemeinschaften.

Lasst uns die ergreifenden und nicht widerrufbaren Zusprüche JaHuWaHs an sein Volk hören: “ Aber jetzt, so spricht JaHuWaH, der dich geschaffen, Jakob, und der dich gebildet hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Wenn du durchs Wasser gehst, ich bin bei dir, und durch Ströme, sie werden dich nicht überfluten. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden, und die Flamme wird dich nicht verbrennen. Denn ich bin JaHuWaH, dein Retter (Gott), ich, der Heilige Israels, dein Retter. Ich gebe Ägypten als Lösegeld für dich, Kusch und Seba an deiner Stelle. Weil du teuer bist in meinen Augen und wertvoll bist und ich dich liebhabe, so gebe ich Menschen hin an deiner Stelle und Völkerschaften anstelle deines Lebens. Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! Vom Sonnenaufgang her werde ich deine Nachkommen bringen, und vom Sonnenuntergang her werde ich dich sammeln. Ich werde zum Norden sagen: Gib her! und zum Süden: Halte nicht zurück! Bring meine Söhne von fernher und meine Töchter vom Ende der Erde, jeden, der mit meinem Namen genannt ist und den ich zu meiner Ehre geschaffen, den ich gebildet, ja, gemacht habe!“ (Jes 43,1-7).

Das ist eine umwerfende Botschaft die viele Juden das irdische Leben kostete. Doch mit dem Ende des irdischen Lebens ist das Leben eines Menschen nicht zu Ende. „Und der Staub kehrt zur Erde zurück, so wie er gewesen, und der Geist kehrt zu JaHuWaH zurück, der ihn gegeben hat.. Denn JaHuWaH wird jedes Werk, es sei gut oder böse, in ein Gericht über alles Verborgene bringen“ (Pred 12,7.14). Und dann, nach diesen Gerichten der Wiederherstellung, geschieht das Unfassbare: „Ich habe bei mir selbst geschworen, aus meinem Mund ist Gerechtigkeit hervorgegangen, ein Wort, das nicht zurückkehrt: Ja, jedes Knie wird sich vor mir beugen, jede Zunge mir schwören und sagen: Nur in JaHuWaH ist Gerechtigkeit und Stärke. Zu ihm wird man kommen, und es werden alle beschämt werden, die gegen ihn (d.h. auch gegen sein Volk) entbrannt waren. In JaHuWaH werden gerecht sein und sich rühmen alle Nachkommen Israels“ (Jes 45,23-25).

In dieser Glaubensfrische wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat und ein Herz voller Shalom!

Gregor Dalliard