“Fragt nach JaHuWaH und seiner Stärke, sucht sein Angesicht beständig!” (Ps 105,4). Teil 3

Glaubensimpuls 255

Im letzten Gim 254 sahen wir, was mit der Aussage “Fragt nach JaHuWaH und seiner Stärke, sucht sein Angesicht beständig!” (Ps 105,4) gemeint ist. Wie uns die Bibel, der TaNaCH, durchgehend aufzeigt, heisst das in JaHuWaH stehen, mit ihm zusammen leben. Genau das tat Abraham. Er war ein frommer, tiefreligiöser Heide. Unwissend, ohne Kenntnis um das wahre Leben seines Schöpfers, lebte er in den tiefverwurzelten Festrhythmen seiner irrregeleiteten Väter. Jährlich wiederholten sich diese Feste zu Ehren irgendwelcher Gottheiten. Liturgien, Zeremonien, Heilsversprechen, die alle irgendwie mit menschlichem Opferblut in Verbindung standen. Die Grundvorstellungen dieser Götterkulte waren und sind immer verbunden mit Opferblut. Die Götter fordern Menschenblut. Diese heidnische Lehre hat das Christentum übernommen. Sie gehört zum zentralen Glaubensgut des Christentums, während Abraham davon frei wurde. Darin wurde er der Stammvater aller bibelgläubigen Menschen. Bibelgläubige Menschen gehen auf JaHuWaH ein wie Abraham, d.h. sie leben im Angesicht JaHuWaHs. Sie zeichnen sich wesentlich darin aus, dass sie Menschenblut als Zeichen und Mittel der Erlösung oder der Gemeinschaft mit JaHuWaH, konsequent ablehnen. Das zu erkennen ist wunderbar. Damit stehen wir auch im Glauben Jahushuas von Nazareth, der einigen seiner Zuhörer, die ihn missverstanden hatten, unzweideutig sagte: “Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch (damit ist das Menschenblut und auch das Blut von Tieren gemeint) nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben” (Joh 6,63). Wunderbar!

Abraham setzte schrittweise die Ordnungen JaHuWaHs um. Seine Freude muss gross gewesen sein. Die Verheissungen, die ihm, Dank seines Vertrauens, Glaubens, gegeben worden waren, die er mit den Augen des Vertrauens schauen durfte, und die in vielen Bereichen des Lebens bereits zum Segen für die ganze Menschheit geworden sind und es in einem noch nie gekannten Ausmass sein werden, müssen ihm durch Mark und Bein gegangen sein. Sie haben sein Leben vollkommen auf den Kopf gestellt. Es ist sonst überhaupt nicht nachvollziehbar wie er deswegen alles Bisherige verlassen konnte (vgl. 1Mo 12,1). Was Abraham bis dahin daran hinderte das Angesicht JaHuWaHs zu kennen und die Verheissungen JaHuWaHs für die Menschheit wahrzunehmen war die Sünde des Götzendienstes, die im Umgang mit dem Nächsten sehr negative, verderbenbringende Auswirkungen hat. Wir haben im letzten Gim darauf hingewiesen. Erst von daher können wir das “Shma Israel” in seiner umfassenden Weise verstehen.

Hillel war ein pharisäischer Rabbi. Er lebte zwischen 110 vuZ bis 9 nuZ. Jahushua von Nazareth wurde während seines Wirkens geboren. Viele Pharisäer waren in der Schriftauslegung und in der biblischen Unterweisung des Volkes tätig. Sie gründeten Schulen oder scharten zwölf Schüler um sich, die ihrerseits wieder andere unterweisen sollten. Dasselbe tat auch Jahushua. Ein Reisender soll zu Hillel gesagt haben, wenn du mir das Wesentliche, das Herzstück, der ganzen Thora erklären kannst, während ich auf einem Bein zu stehen vermag, dann will ich zum Judentum übertreten. Hillel zitierte 3Mo 19,18 in freier Weise: „Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Thora und alles andere ist nur die Erläuterung; geh und lerne sie.“ (Der Babylonische Talmud: Lazarus Goldschmidt). Diese eindrucksvolle Begebenheit ist heute übrigens auf dem Relief der großen Menora vor der Knesset in Jerushalajim dargestellt. Hillel setzte natürlich das “Shma Israel” voraus. Jahushua von Nazareth war möglicherweise Schüler eines Schülers Hillels gewesen. Er zitiert dem Sadduzäer gegenüber die gleichen Worte wie der Rabbi Hillel: “Das zweite ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben, denn er ist wie du” (Mk 12,31).

Diese Aussage der Thora in die Tat umsetzten ist wahrlich kein leichtes Unterfangen, das wissen wir alle!! Wenn aber die JaHuWaH- und Nächstenliebe das Herzstück der ganzen Bibel ist, dann möchten wir immer wieder aufbrechen und darin das Angesicht JaHuWaHs suchen und darin leben. Gelegenheiten bieten sich immer und überall – bis sich unser Leben hier auf Erden vollenden wird. Mit den Worten des Psalmisten aus Psalm 42,3 grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen gesegneten Shabbat: “Meine Seele dürstet nach JaHuWaH, nach dem lebendigen Erlöser (Gott): Wann werde ich kommen und erscheinen vor dem Angesicht JaHuWaHs?” Shalom!

Gregor Dalliard