„Damals jedoch, als ihr Jahweh nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter (falsche Erlöser) sind; jetzt aber habt ihr Jahweh, den Erlöser erkannt – vielmehr ihr seid von ihm erkannt worden“ (Gal 4,8-9)

Glaubensimpuls 126

In diesem Gim möchte ich auf die oben zitierten Verse aus dem Brief Shauls an die Galater eingehen. Auch im nächsten Gim möchte ich, ausgehend von Gal 4,9b, ein paar Gedanken zu Papier bringen. Ich bin schon verschiedene Male darum gebeten worden und möchte das auch gerne tun – so gut ich dies kann.

Jeder Vers ist in einem bestimmten Kontext (Zusammenhang) eingebettet und kann erst aus diesem Kontext heraus korrekt und verständlich vermittelt werden.

Darum müssen wir nach der Absicht Jahwehs, der Propheten und der Apostel fragen, als sie in jenen Tagen ein Wort oder einen Text vermittelten, oder von einem Geschehnis schrieben. Das ist für uns keineswegs leicht, weil wir grundsätzlich und mit aller Selbstverständlichkeit dazu neigen aus der uns anerzogenen kirchlichen und damit antijüdischen Sicht und Prägung die Bibel zu lesen und auszulegen.

Wir müssen darum die Bibel aus der Perspektive des israelitisch-jüdischen Volkes verstehen und auslegen lernen. Einen andern Zugang zur Bibel und ihrer Auslegung ist überhaupt nicht möglich, wollen wir dem geoffenbarten Wort Jahwehs und dem Volk der Auslegung in allem gerecht werden. Ihnen hat Jahweh die Bibel vermittelt und sie haben sie uns weitervermittelt. Natürlich gibt es auch innerhalb der Juden Auslegungen, die sich von den Inhalten der Thora entfernen, das aber ist ein anderes Thema.

Die Aussagen im Brief an die Galater, ganz besonders die Kapitel 3 und 4 sind aus folgenden Zusammenhängen zu verstehen. Die Assyrer hatten damals im Jahre 723/22 die zehn Stämme des Nordreiches, Israel, überfallen, aus ihrem Land gerissen und in den Gegenden des heutigen Irak und Irans angesiedelt. Von dort wanderten im Laufe der Geschichte Massen in Richtung Osten und von dort nach Europa und in die westlichen Erdteile, denn Jahweh hatte Abraham versprochen, dass seine Nachkommen so zahlreich wie die Sterne, wie der Sand am Meer und wie der Staub der Erde sein würden.

„Staub der Erde“ ist ein prophetisches Bild, das besagen will, dass sie in aller Welt leben und die Überzahl der Menschen dieser Welt ausmachen würden.

Diese Massen (die Stämme des Nordreiches, später auch Juden, die im Laufe der Zeit von Jahweh und ihrer Berufung abfallen) würden zwar, durch ihren Abfall von Jahweh und dessen Gerichtsentscheid, das Wissen um ihre Abstammung und Herkunft verlieren, doch Jahweh würde sie nicht vergessen und ihnen, durch den Bund den er mit Abraham geschlossen hatte, treu bleiben und sie zu seiner Zeit vom Götzendienst befreien und wieder zur ungeteilten Treue und Anbetung zu sich führen.

Ein kleiner Teil der Jahwehtreuen floh damals, beim Überfall des mächtigen Assyrerheeres, ins Südreich nach Judäa. Einen kleineren Teil der bäuerlichen Bevölkerung liessen die Assyrer im Gebiet der zehn Stämme zurück, damit das Land nicht verödete. Diese Zurückgebliebenen verschmolzen sich mit jenen Völkern die der Assyrerkönig schrittweise aus dem Gebiet des heutigen Irak und Irans im Nordreich Israel eingepflanzt hatte. Daraus entstand das Mischvolk der Shomroner (Samariter, Samaritaner) (vgl. 2Kö 17,24-41).

Warum wurden die zehn Stämme aus ihrem verheissenen Land vertrieben? Jahweh hatte schon durch Mose und alle andern Propheten unmissverständlich vor den Folgen des Abfalls von ihm und der Hingabe an die Theologie und Philosophie der Heiden und ihre Kulte in aller Schärfe gewarnt und die Vertreibung aus seinem heiligen (ausgesonderten) Land angedroht.

„Und sie taten böse Dinge, um Jahweh zum Gericht (Zorn) zu reizen. Und sie dienten den Götzen (der Theologie der falschen Erlöser), von denen Jahweh ihnen gesagt hatte: So etwas dürft ihr nicht tun! Und Jahweh hatte Israel und Juda durch alle Propheten und jeden Seher gewarnt und hatte gesagt: Kehrt um von euren bösen Wegen und bewahrt meine Gebote (Lebensweisungen), meine Ordnungen, der ganzen Thora (Weisung zum Leben) gemäss, die ich euren Vätern geboten und die ich euch durch meine Knechte, die Propheten, gesandt habe! Aber sie hörten nicht, sondern verhärteten ihren Nacken..“ (2Kö 17,11-14).

Darum wurden sie vertrieben, und wie das so ist, nach der dritten Generation derer, die schon völlig im Heidentum verankert sind, werden wohl die Wenigsten von ihrer Abstammung, Herkunft und den Verheissungen an Abraham noch etwas gewusst haben. Damit hatten sie sich viel Unheil und segenslose Zeiten aufgeladen bis rund 600 Jahre danach Jahshua, der Prophet und Gesalbte Jahwehs aus Nazareth, das Ende dieser langen Gerichtsperiode für eine Auswahl, einen Überrest, der inzwischen auf viele Millionen angestiegenen Nachkommen ankündete.

Seine Botschaft lautete: „Ich bin nur gesandt zu den „verlorenen“ Schafen des Hauses Israel“ (Mt 14,24). Dies sagte er in aller Deutlichkeit als eine Frau der Kanaanäer Jahshua um Heilung bat (Mt 15,21ff). Jahshua ignorierte sie zuerst und gab ihr und den Zuhörern klar zu verstehen, dass jetzt nicht die Zeit der Heiden dran sei. Mit seinem Kommen sei die Zeit der Rückführung, d.h. der Wiederherstellung der zwölf Stämme, der Nachkommen Abrahams zu Jahweh angebrochen. Es würde aber nur eine begrenzte Zahl, eine Auswahl, aus den „verlorenen“ zehn Stämmen bis zum Kommen des Messias der Endzeit herausgerufen werden und zum Glauben Abrahams, wie ihn die gerechtfertigten und treuen Juden leben, zurückkehren (vgl. Apg. 15,14-17; Röm 9,22-29; 11,5.25). Nun, Jahsua hatte die kanaanäische Frau um ihres hartnäckigen Vertrauens willen schliesslich doch geheilt.

Jahshua gebot seinen Jüngern nicht in eine Stadt der Shomroner (Samariter) zu gehen, aber die „verlorenen“ Schafe unter den Shomronern (aus dem Samen Abrahams) zurück zur Anbetung Jahwehs zu führen (vgl. Mt 10,5-6). Er war auch nicht für die gerechtfertigten treuen Juden gekommen, denn er sagte: „Ich bin nicht gekommen gerechtfertigte Juden (Gerechte) zu rufen, sondern Sünder (Abgefallene von Jahweh)“ (Mt 9,13; Mk 2,17; Lk 5,32). Die gerechtfertigten Juden, die wie er die Thora und Propheten liebten und ihr Leben danach ausrichteten indem sie Jahweh die ungeteilte Anbetung gaben, galten für Jahshua als gerechtfertigt und gesund, nicht aber die ungehorsamen und abgefallenen aus dem Samen Abrahams. Darum sagte er deutlich: „Nicht die Gesunden (gerechtfertigten und treuen Juden) brauchen einen Arzt, sondern die Kranken“ (Lk 5,31).

Die Apostel waren aufgefordert den Dienst Jahshuas weiterzuführen und Menschen aus den „verlorenen“ Israel-Nationen zurück zur Thora und den Propheten zu rufen und damit zur ungeteilten Anbetung Jahwehs. Wie uns die Bekenntnisschriften (BeS) berichten, taten sie das auch. Wir denken an Kepha bei Kornelius, Philipp bei den Shomronern, Shaul auf seinen Reisen. Was uns dabei auffällt ist die Tatsache, dass Shaul und seine Leute, ausser in Athen, immer wieder die Gottesfürchtigen in den Beth HaKnesseth (Haus des Gebetes, Synagogen) aufsuchten.

Jene Männer wurden als Gottesfürchtige bezeichnet, die Jahweh suchten und von seinen wunderbaren Ordnungen angezogen waren. Darum hielten sie sich zu den Juden und gingen gelegentlich oder regelmässig in die Beth HaKnesseth. Dies stellte für die Juden keine Probleme dar. Den Tempel durften sie allerdings nicht betreten. Im ganzen römischen Reich gab es viele von ihnen. Nicht wenige dieser Jahwehfürchtigen nahmen höhere Stellungen im römischen Reich ein.

Ein Übertritt zum auserwählten Volk hätte den Verlust von Macht und Ansehen zur Folge gehabt oder sogar Gefängnis und Tod. Sie hätten wegen Kollaboration mit dem Feind angeklagt werden können. Sie galten nicht als voll zu Jahweh gehörig, weil sie die Thora (die Lebensweisungen) Jahwehs nicht in allem kannten, verstanden und lebten, denn viele von ihnen hinkten zwischen der Anbetung Jahwehs und bestimmten traditionellen heidnischen Kulten hin und her, aber sie waren von der Gnade Jahwehs angezogen!

Ebenso hatten sie noch wenig oder keine Einsicht in das Geschehen der erwählenden Gnade allein, die allein von Jahweh ausgeht, die aber nicht verborgen bleiben darf und darum als Bekenntnis das untrennbare Zeichen der Beschneidung nach aussen hin fordert. Es ist das Bekenntnis das dem Glauben Abrahams untrennbar als Zeichen folgt und die innere Zugehörigkeit zu Jahweh äusserlich bekennt und bestätigt.

Darum vollzogen die Jahwehfürchtigen (Gottesfürchtigen) das äussere Zeichen der Beschneidung nicht. Ebenso spielte eine falsche Scham oder weil sie mit dem Bruch ihrer Angehörigen rechnen mussten einen Einfluss.

Abraham wurde durch Jahweh unverdient begnadigt. Er schenkte ihm sein unverdientes Vertrauen. Abraham vertraute Jahweh und seiner unverdienten Gnade. Jahweh forderte dafür von Abraham und allen seinen Nachkommen, für alle Generationen und zu allen Zeiten, dieses Zeichen als Ausdruck dieser einzigartigen Beziehung.

Es ist Ausdruck des Dankes für das ungeteilte Vertrauen, das Jahweh zu jedem Einzelnen des auserwählten Volkes pflegt, der ungeteilten Gnade mit der Jahweh jeden Einzelnen seines auserwählten Volkes unwiderruflich liebt. Es ist Ausdruck des ungeteilten Bekenntnisses zu Jahweh, des ungeteilten Gehorsams und des umfassenden Segens, der einmal alle Menschen erfüllen wird.

Durch dieses Zeichen wird die Gnade Jahwehs in all ihrer umfassenden Tiefe und Weite gepriesen und bezeugt. Das hat überhaupt nichts mit Gesetz oder Werkgerechtigkeit zu tun, wie manche kirchlich irregeführten Vertreter uns das glauben machen wollen. Sie gehen mit allen erdenklichen Mitteln gegen die Beschneidung vor, und damit gegen Jahweh, gerade so als wäre mit der Beschneidung die Gnade Jahwehs zunichte gemacht.

Jahweh selbst gab sie als Zeichen seiner unübertrefflichen Gnade und nicht umgekehrt! Jahshua hat mit keiner Silbe die Beschneidung aufgehoben! Was erlauben sich denn gewisse Leute? Auf Jahweh, die Propheten und Jahshua werden sie sich gewiss nie berufen können, denn sie vertraten alle dieses Zeichen das der inneren Gnade folgt.

Nun, gemäss Verheissung an Abraham und der Lehre der Propheten muss zuerst das „Verlorene“ aus Israel, aus dem Samen Abrahams, zur ungeteilten Anbetung Jahwehs und zu seinen Ordnungen zurückgeführt werden, d.h. eine bestimmte Zahl aus jedem der zwölf Stämme. Das bestätigen uns die Verheissungen Jahwehs an Abraham.

Im Brief an die Galater spricht also Shaul solche aus diesen „verlorenen“ Stämmen an, die damals (früher) Jahweh nicht kannten, und im Götzendienst jenen dienten die von der natürlichen Heilsordnung Jahwehs her gar keine Erlöser (Götter) sein können.

Dann folgt gleichsam ein Jubelruf: „..jetzt aber habt ihr Jahweh erkannt“ (Gal 4,9). Dann aber korrigiert er sich ganz schnell und schreibt: “ – vielmehr ihr seid von Jahweh erkannt worden“ (Gal 4,9).

Das heisst: Ihr gehört über Abraham dazu und seid von Jahweh, aus den Händen der falschen Erlöser befreit, wieder „eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumes mit teilhaftig geworden“ (Röm 11,17). Ihr seid wieder Miterben, Miteinverleibte und Mitteilhaber (vgl. Eph 3,6) „Denn durch ihn (Jahshua) haben wir (wieder) beide (nicht nur die treuen Juden, auch wir aus dem Samen Abrahams, aus den Israel-Nationen) den Zugang zum Vater“ (Eph 2,18).

In dieser Freude grüsse ich alle recht herzlich und wünsche allen einen gesegneten Shabbat!

Gregor Dalliard