„Aber die Schrift hat alles unter die Sünde (den Ungehorsam) eingeschlossen, damit die Verheissung (an Abraham), aus der Beziehung zu Jahweh wie Jahshua HaMashiach sie hatte, den Glaubenden (jenen, die wieder in die Beziehung zu Jahweh kommen) gegeben werde“ (Gal 3,22).

Glaubensimpuls 130

Was Shaul in Gal 3,22 schreibt ist ausserordentlich wichtig zum Verständnis dessen was ich in den letzten Gim geschrieben habe. Diese Aussage trifft den Nagel dieses Themas auf den Kopf. Ordnen wir diesen Vers in das Gesamte der damaligen Umstände und der biblischen Zusammenhänge ein, dann würde sich jede weitläufige Diskussion zu diesem Thema ganz einfach erübrigen. Der zweitausendjährigen Feindschaft der christlichen Kirchen und Gemeinschaften gegenüber den gerechtfertigten und thoratreuen Juden könnte ein Ende gesetzt werden. Nehmen wir diesen Vers demütig in seinem biblischen Kontext auf, tragen wir unsererseits mit einem gewaltigen Schritt zur Wiederherstellung des Willens und der Ehre Jahwehs bei. Ebenso ist es ein längst fälliger Schritt zur Wiederherstellung der Würde seines auserwählten Volkes, jener Juden, die in ihrem Sinnen und Trachten bemüht sind Jahweh und seiner Thora treu zu bleiben. Waren und sind sie doch die treuen Träger und Vermittler der Bibel, der Bundesschriften (Thora, Propheten und Schriften = AT) aus der nicht nur Jahshua sondern auch wir heute leben und in allen Lebenssituationen umfassend gesegnet bleiben dürfen.

Zuerst wollen wir das Wort „Sünde“ übersetzen! Was ist Sünde, die Sünde, die Sünde der Welt? Den biblischen Zusammenhang über das was „Sünde“ wirklich ist kennen die Kirchen nicht. Die Vorstellung und Lehre der Kirchen über den Sündenbegriff bestätigt das. Wo in unseren Übersetzungen das Wort Sünde steht müsste eigentlich das Wort „Ungehorsam“ stehen und zwar Ungehorsam Jahweh und seiner Thora gegenüber. Da die Kirchen die Thora unter dem Begriff Gesetz weitgehend verwerfen und im 4. Jh. durch eine zusätzliche Bibel (NT) ersetzt haben, können sie dem Gehorsam, den Jahshua seinem und unserem himmlischen Vater entgegenbrachte auch nicht folgen.

Die beiden Begriffe Gehorsam und Ungehorsam gegenüber Jahweh und seiner Thora durchziehen die ganze Schrift. Von diesem Verhalten hängt Segen oder Gericht (Fluch), Ehre oder Unehre Jahweh gegenüber ab, einfach alles was Jahweh und das Verhältnis seines auserwählten Volkes zu ihm betrifft.

Ist jemand aus seinem auserwählten Volk bemüht Jahweh und seinen Weisungen in der Thora treu zu folgen – immer im Kontext seiner Gnade und Barmherzigkeit – dann ist er nicht in der Sünde. Es kann aber geschehen, dass sich diese Person trotzdem verfehlt, durch stehlen, Rufmord begehen, die Ehe brechen u.a.m., was wir sündigen nennen. Dann ist eine solche Person schuldig geworden und muss die Schuld in Ordnung bringen. Das steht ausser Diskussion. Sieht sie diesen Fehler ein und bringt in Ordnung was möglich ist, dann ist diese Person deswegen – nach dem Verständnis der Bundesschriften (BuS = AT) – nicht von Jahweh abgefallen. Sie ist im biblischen Sinn also nicht in der Sünde, obwohl sie Jahweh Unehre bereitet und dem Mitmenschen möglicherweise nicht wieder gutzumachenden Schaden zugefügt hat.

Der biblische Begriff Sünde meint also den Ungehorsam, die bewusste oder unbewusste Ignoranz Jahweh und seiner Thora gegenüber und zwar als Dauerzustand. Wenn sich jemand völlig von den wesentlichen Inhalten der Thora lossagt und sie durch religiöse Lehren, Ideologien, Theologien und Philosophien von Menschen „ersetzt„, wie dies bei den Verheideten des auserwählten Volkes der Fall ist.

Unter den Begriff Sünde fällt auch das Verhalten der ultraextremen Juden. Durch ihren übertriebenen Eifer der Auslegung weichen sie von wesentlichen Teilen der Thora ab. Durch eigene Gedanken und Lehren, die sie über die Thora stellen, ersetzen sie schliesslich wesentliche Teile der Thora. Daraus entsteht ein neues verbindliches Lehrgebäude (Gesetz, Menschengebote, vgl. Mt 15). Jahweh wird durch dieses Verhalten ebenso ignoriert und verunehrt.

Auslegung ist zwar notwendig, denn alle jeweiligen (modernen) Entwicklungen müssen und sollen im Lichte der Thora geprüft werden. Wir brauchen Antworten auf den Umgang mit modernen Entwicklungen im Lichte der BuS. Der Gefahr von der Thora abzuweichen, darf nicht durch äusserst strenge Zusatzregeln vorgebeugt werden. Darum bleibt der Umgang moderner Entwicklungen im Lichte der Thora immer eine Herausforderung. Die Gesprächsbereitschaft und der Meinungsaustausch im Lichte der Thora ist allezeit notwendig.

Die Bibel (Thora, Propheten und Schriften, BuS = AT) stellt darum sowohl die ultraextremen Juden als auch die Kirchen unter den Begriff Sünde. Sie berufen sich zwar beide auf Jahweh und die Thora, aber durch ihre speziellen Auslegungen, die sie für absolut erklären und zu heilsnotwendigen Lehren (Menschengebote vgl. Mt 15) erheben, ersetzten sie die Thora und ignorieren Jahweh. Sie schoben und schieben Jahweh und sein Wort in der Thora immer mehr beiseite.

Aus unseren Übersetzungen ist dieser feine aber entscheidende Unterschied zuwenig oder nicht ersichtlich. Zudem lesen wir die Bibel immer durch unsere kirchlich anerzogene Brille des Antijudaismus, was uns ein Umdenken zum biblischen, israelitisch-jüdischen Denken, sehr erschwert. Wir aber haben gar keine andere Wahl, denn wir haben die Bibel (BuS) nur in diesem Denken empfangen.

Aber dieses Denken bringt uns manchmal an die Grenzen unserer Glaubenskräfte, denn wir stellen immer mehr fest, dass wir in den zentralen Fragen des Glaubens komplett verkehrt gelaufen sind. Alle kirchlichen Auslegungen (Exegese), von denen unser Glaubenswesen genährt worden ist, sind nach dem griechisch-hellenistischen Denkmuster gestrickt worden. Ein Umdenken in Jahwehs Gedanken, die auch die Gedanken seiner Propheten und seines treuen auserwählten Volkes sind, stellt unseren bisherigen Glaubensweg buchstäblich auf den Kopf!

Diese schrittweise Feststellung und die Konsequenzen die daraus zu ziehen sind können in der Übergangsphase sehr schmerzen. Jahshua spricht von seiner Treue zu Jahweh. Wer ihm in dieser Treue zu Jahweh nachfolgen will, beschreitet in unserem kirchlich geprägten Umfeld keinen leichten Weg. Aber wir wollen diesen Weg in der Gleichförmigkeit wie Jahshua, die treuen Juden und seine Jünger gehen.

Nun schreibt Shaul unmissverständlich, dass die Schrift alles, d.h. jede Form des Abfalls von Jahweh und seinen Bundesschriften unter den Ungehorsam (die Sünde) eingeschlossen hat. Shaul betont: „Aber die Schrift“, d.h. die Bundesschriften (Thora, Propheten und Schriftrn), das Wort Jahwehs, hat alles was ausserhalb der Bundesschriften (Thora, Propheten und Schriften = AT) und den Menschen als verpflichtende Satzung auferlegt wird, zum Ungehorsam, zur Sünde, erklärt.

Dieser Ungehorsam wird von Shaul als Gesetz bezeichnet. In beiden Formen des Ungehorsams, d.h. im totalen Abfall von der Thora oder in Teilen des Abfalls von der Thora, sind die betroffenen Personen eingeschlossen, gefangen im Gesetz, weggeführt von der Gemeinschaft mit Jahweh und seinen segensreichen Weisungen des Lebens. Fälschlicherweise haben die griechisch denkenden Übersetzer der Bekenntnisschriften (BeS = NT) das Wort Thora mit Gesetz wiedergegeben. Damit schufen sie ein beabsichtigtes Chaos. Jeder Bibelleser, der diesen Dingen nicht auf den Grund gehen kann, kann verständlicherweise auch nicht wissen wann von der Thora die Rede ist und wann von Gesetz.

Solange Nachkommen Abrahams – und als solche erfahren wir uns –, Jahweh und seine Thora nicht wie die Propheten, die Treuen und Gerechtfertigten aus dem auserwählten Volk, Jahshua und die Apostel zu verstehen suchen, stehen sie unter Gesetz (Ungehorsam, Sünde). Der folgende Vers verdeutlicht dies: „Bevor aber die Beziehung zu Jahweh (Glaube) kam, wurden wir unter Gesetz (Ungehorsam, Sünde) verwahrt, eingeschlossen auf die Beziehung zu Jahweh hin (auf den Glauben hin), die geoffenbart werden sollte“ (Gal 3,23).

Dazu kam also Jahshua. Er setzte solche die unter Gesetz (Ungehorsam, Sünde) waren, solche die losgelöst von der Bibel, von den Bundesschriften (Thora, Propheten und Schriften) lebten, frei. Die Apostel und Jünger führten diesen Dienst weiter bis die Kirche sie mundtot machte und einen gegenteiligen Weg beschritt. Doch Jahweh zog und zieht zu allen Zeiten seine Leute aus dieser Unwissenheit und Verkehrtheit heraus. Wir dürfen dazugehören. Ein unermesslicher Grund zur Freude und Danksagung!

Wir standen unter der Zucht des Ungehorsams, des Gesetzes der Sünde. Wir wurden als „Söhne des Ungehorsams“ (vgl. Eph 2,1ff) unter der Geissel des Ungehorsams gezüchtigt (gerichtet), verwahrt, bis Jahshua der Prophet und Gesalbte Jahwehs, wie er sich selbst bezeichnete, für eine von Jahweh bestimmte Zahl, den Anbruch des Endes dieser Zuchtrute ankündigte.

Darum schreibt Shaul weiter: „Also ist das Gesetz (Ungehorsam, Sünde, Trennung von Jahweh und seiner Thora) unser Zuchtmeister geworden, bis auf die Sendung Jahshuas hin, damit wir durch die Beziehung Jahwehs zu uns und umgekehrt davon befreit würden. Nachdem wir aber in diese Beziehung hineingenommen worden sind, (vom Vater erkannt worden sind, vgl. Gal 4,9), sind wir nicht mehr unter einem Zuchtmeister (im Ungehorsam, in der Sünde, im Gericht), denn ihr alle seid Söhne Jahwehs in jener Beziehung wie sie Jahshua HaMashiach hatte (wie sie in allen Propheten und Thoratreuen des auserwählten Volkes war und ist). Denn ihr alle, die ihr die gleiche Beziehung zu Jahweh habt wie Jahshua (d.h. getauft), seid dem Mashiach darin gleichförmig geworden (d.h. habt den Mashiach angezogen).“ (Gal 3,25-27).

Stellen wir uns vor wo sich die vielen ungehorsamen Nachkommen Abrahams geistig überallhin verstrickt haben! Erstens in den verschiedensten religiösen Richtungen und Formen des Heidentums (Ungehorsam, Sünde) oder zweitens: im fanatischen ultraextremen Judentum (Ungehorsam), das sich als den allein wahren Träger der Verheissungen an Abraham verstand und versteht.

Doch sie alle waren und stehen unter der Zucht des Ungehorsams. Wer kann sie noch finden und rufen? Doch Jahweh kannte und kennt die Träger des Verheissungssamens Abrahams ganz genau. Aus allen verkehrten Wegen bringt er sie zurück zu sich und seiner Thora. Hocherfreut schreibt Shaul über sie alle: „Da ist nicht mehr Jude (ultraextremer Jude) oder Grieche (alle aus dem Samen Abrahams die bisher in den unterschiedlichsten Formen des Heidentums eingeschlossen waren), da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau (sie alle gehören gleicherweise zum Samen Abrahams und sind gleicherweise Erben und müssen zu Jahweh zurückgeführt werden), denn ihr alle (aus dem Samen Abrahams) seid einer durch die Sendung und den Dienst des Mashiach Jahshua“ (Gal 3,28).

Ja, sie alle, die aus dem Samen der Verheissung kommen, sind zurückgeführt, heimgebracht worden zu Jahweh und seiner Thora. Das ist entscheidend und wichtiger als unser früherer Zustand, als wir noch im Ungehorsam (Sünde) waren, getrennt von Jahweh und seinen Bundesschriften. Ob ich zu den ultraextremen Juden gehörte (wie Shaul früher) oder ob ich ein Heide (Grieche), Sklave oder Freier, Mann oder Frau, das ist jetzt nicht mehr wichtig. Wichtig ist nur, dass sie alle und jeder Einzelne aus dem Samen Abrahams, als Träger der Verheissung, zurück nach Hause geführt worden sind.

Das war die Sendung Jahshuas, die „verlorenen“ Schafe (d.h. Nachkommen aus dem Samen Abrahams) zum Vater zurückzubringen (vgl. Mt 15,24; 9,13; Jo 10,7.16; 11,51-52; Lk 2,32 u.a.m.).

Wiederum jubelt Shaul auf und schreibt in konsequenter Folge: „Wenn ihr aber durch den Dienst des Mashiach zum Vater zurückgebracht worden seid (d.h. des Mashiach seid), bestätigt ihr, dass ihr aus dem Verheissungssamen Abrahams seid und darum nach Verheissung Erben“ (Gal 3,29). „Weil ihr aber Söhne seid, sandte Jahweh Jahshua zu euch, damit wir den Geist seines Sohnes in unseren Herzen haben, der da ruft: Abba (d.h. Vater)“ (Gal 4,6).

In dieser Freude wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat. Mit einem herzlichen Shalom!

Gregor Dalliard