“Alle meine Quellen sind in dir!” Ps 87,7. Teil 9

Glaubensimpuls 310

Die Einzigartigkeit des israelitisch-jüdischen Prophetentums wird durch den Propheten Jeshajahu (Jesaja) in vollkommener Weise verkörpert und dargestellt. Er fasst das ganze Prophetentum vor seiner Zeit zusammen, führt es weiter und vertieft es in einer unüberbietbaren Weise. Zusätzlich empfing er von JaHuWaH zukunftsweisende Offenbarungen. Das ist ein Geschenk von unfassbarem Wert, sowohl für das auserwählte Volk als auch für die ganze Menschheit. Ergreifend steht er im Glauben (Vertrauen) Abrahams – und damit in den Verheissungen an Abraham.

In seinem Bericht über seine Berufung zum Propheten (vgl. Jes 6) nimmt er uns alle mit hinein in diese wunderbaren Zusammenhänge. Er sieht JaHuWaH als einzig EINEN König “auf hohem und erhabenem Thron sitzen”.(vgl. Jes 6,1-4). Unter dem Bild eines Königs konnten sich die Menschen etwas sehr Reales vorstellen. Er wollte dem Volk etwas sehr Wichtiges vermitteln. Könige können die Volksmassen zum Guten oder zum Schlechten beeinflussen. Ein verkommener König führt das Volk weg von den Weisungen und Rechtsordnungen JaHuWaHs und stürzt es ins Elend. Was er dem Volk vermittelt – und damit auch uns – ist von äusserster Wichtigkeit, denn die meisten Könige Israels und auch etliche aus Juda, die vor ihm lebten und auch zu seinen Lebzeiten, gingen nicht auf den Wegen JaHuWaHs. Manche begingen schlimme Gräuel wie die Könige der heidnischen Völker. Jeshajahu erlebte vier Könige in Juda. Drei von vier werden mehr oder weniger als gut bezeugt: Usijahu, Jotam und Hiskijahu.

Jeshajahu versuchte das Volk vom irdischen Königtum weg auf den König JaHuWaH zu lenken. In seiner Berufungsgeschichte beschreibt Jeshajahu die Einzigartigkeit des Königs JaHuWaH, der über allen irdischen Königen erhöht ist. Dies war dringend notwendig, denn der dritte von den vier Königen, die Jeshajahu erlebte, war König Ahas. Er war ein König der Gräuel, und was der Prophet im Todesjahr des Königs Usijahus sah sollte Juda in den Tagen des Königs Ahas vor dem Abfall schützen. Was uns von ihm berichtet wird können wir in 2Kö 16,2-4 nachlesen.

In seinem Gesicht sieht Jeshajahu JaHuWaH als den unendlich erhabenen König. Kein Wesen wird jemals gleich ihm König sein, auch kein Gottessohn (gläubiger Jude), von einer Frau geboren, noch einen Jesus-Gott der Christen: “..da sah ich JaHuWaH sitzen auf hohem und erhabenem Thron, und die Säume seines Gewandes füllten den Tempel. Seraphim standen über ihm. Jeder von ihnen hatte sechs Flügel: mit zweien bedeckte er sein Gesicht, mit zweien bedeckte er seine Füsse, und mit zweien flog er. Und einer rief dem andern zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist JaHuWaH (der HERR) der Heerscharen! Die ganze Erde ist erfüllt mit seiner Herrlichkeit!” (Jes 6,1-3), d.h. von seiner Gegenwart erfüllt (vgl. Ps 139). Ergreifend, dieses Gesicht! Entscheidend ist bei alledem nicht das was Jeshajahu sieht, sondern was er hört. Ununterbrochen ruft das eine geflügelte Wesen dem andern zu: “Heilig, heilig, heilig ist JaHuWaH (der HERR) der Heerscharen! Die ganze Erde ist erfüllt mit seiner Herrlichkeit!” (Jes 6,3b).

Das dreimal Heilig hebt JaHuWaH von allem ab. Wenn darum Christen diesen Königstitel an sich reissen und ihn für ihre zweite Gott-Person Jesus Christus beanspruchen oder für den Papst in Rom (s. CIC, u.a. die Funktion der Sakramente), dann ist eine solche Irreführung der Menschen eine Ungeheuerlichkeit die nicht zu fassen ist. Es gibt bei den Propheten nicht einen einzigen Hinweis dafür, dass die Einzigartigkeit JaHuWaHs, des wahren himmlischen Königs, auf irgendwelche Menschen, Menschengötter, Göttersöhne oder als Titel auf Menschen übertragbar wäre oder durch sakramentale Handlungen unwirksam gemacht werden könnte. JaHuWaH ist zudem – als der einzigartige König – nicht von Bediensteten umgeben, also von Menschen, wie alle Könige dieser Erde, sondern von geflügelten Wesen (vgl. Jes 6). Kein Mensch, der sich als König bezeichnet, kann das von sich sagen. Jeshajahu will das im Geiste Abrahams, der Propheten Moshe und Shmuels und aller Gerechten unmissverständlich weitervermitteln.

Jeshajahu unterstreicht weiter diese unvorstellbare Erhabenheit dieses einzigartigen Königs JaHuWaH, indem er sprach: “Wehe mir, denn ich bin verloren. Denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich, und mitten in einem Volk mit unreinen Lippen wohne ich. Denn meine Augen haben den König, JaHuWaH (den HERRN) der Heerscharen, gesehen. Da flog einer der Seraphim zu mir; und in seiner Hand war eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. Und er berührte damit meinen Mund und sprach: Siehe, dies hat deine Lippen berührt; so ist deine Schuld gewichen und deine Sünde gesühnt” (Jes 6,6-7). Was Jeshajahu sieht und hört, was mit ihm geschieht, steht ja im Zusammenhang mit seiner Gerichtsbotschaft die er dem Königshaus und dem ganzen Volk übermitteln muss (vgl. Jes 6,8,-13). Er muss sattelfest in JaHuWaH sitzen, denn das was seine Botschaft auslösen wird und ihm an Leiden bescheren wird, das macht ihn zum leidenden Knecht JaHuWaHs (Gottesknecht). Was bleibt nach der Gerichtskatastrophe noch übrig?: “- ein heiliger Same ist sein Stumpf” (Jes 6,13).

Der Prophet aber verkündet die Zukunft in JaHuWah: “Dann wird er auf diesem Berg die Hülle verschlingen, die das Gesicht aller Völker verhüllt, und die Decke, die über alle Nationen gedeckt ist. Den Tod verschlingt er auf ewig, und JaHuWaH (der HERR) wird die Tränen abwischen von jedem Gesicht, und die Schmach seines Volkes wird er von der ganzen Erde hinwegtun. Denn JaHuWaH (der HERR) hat geredet. An jenem Tag wird man sagen: Siehe da, unser Erlöser (JaHuWaH), auf den wir hofften, dass er uns rette! Da ist JaHuWaH (der HERR), auf den wir hofften! Wir wollen jauchzen und uns freuen in seiner Rettung! Denn die Hand JaHuWaHs (des HERRN) wird auf diesem Berg ruhen” (Jes 25,7-10). Auch hier: keine Erlösung durch eine trinitarische Gott-Person als zweite Mitgottheit, von einer der drei christlichen Gott-Personen (s. Dogmenentwicklung der Kirchengründer bis zur Schaffung der drei Gott-Personen!) Und damit stehen wir auf der gleichen Glaubensbasis wie Jahushua von Nazareth!

In dieser frohen Gewissheit freue ich mich mit euch allen, grüsse euch alle herzlich und wünsche allen einen gesegneten Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard