“Alle meine Quellen sind in dir!” Ps 87,7.

Glaubensimpuls 309

Das auserwählte Volk ist das Königtum, das Messias-Königtum JaHuWaHs. Alles andere ist sinn- und zwecklos”, so schrieb ich im letzten Gim. Für manche Leser ist das nicht so einfach nachzuvollziehen. Das ist sehr verständlich! Vergessen wir nicht: Die Gründer des Christentums hatten das prophetische Wort der Bibel in einer äusserst geschickten Weise pervertiert. Ihre antijüdischen Auslegungen wurden später – mit Hilfe der Staatsmacht – den eroberten Völkern eingepfropft. Trotz meines jahrzehntelangen Bibelstudiums blieb mir die Tiefe und Fülle der biblisch-prophetischen Quellen lange unzugänglich. Wir haben es hier mit einer Perversion der biblischen Auslegung zu tun. Die Bibelauslegung der Christen stellt eine schier unüberwindbare Barriere zum prophetischen Wort der Bibel (TaNaCH) dar.

Ich wollte mich aber den Herausforderungen der biblischen Botschaft stellen. Um das biblische Zeugnis, wie es von den Propheten überliefert ist, kommt keiner herum, der sich nicht an der Perversion des prophetischen Wortes beteiligen will. Der Sinn der Erwählung und die Offenbarungen an Abraham, Jizchak, Jakob und dessen Nachkommen gibt uns den Schlüssel zum Verständnis der Bibel in die Hand. Dieser Schlüssel schliesst uns den Sinn der ganzen Heilsgeschichte auf. Mit diesem Schlüssel werden wir aufgefordert in die Fülle des prophetischen Wortes hineinzuwachsen. Dieses Hineinwachsen würde den zahllosen Auseinandersetzungen unter den vielen christlichen Richtungen ein Ende setzen.

Über zwanzig Jahre hielt ich Vorträge und Seminare, führte Gespräche in all diesen Kirchen und Gemeinschaften. Je länger ich das tat, desto stärker überkam mich ein tiefes Elend. Die christliche Lehre entpuppte sich mehr und mehr als ein imposantes wohl strukturiertes, aber als hohles und leeres Philosophiegebäude das auf Menschenweisheit aufgebaut ist. Jede Kirche und christliche Gemeinschaft reklamiert für sich im alleinigen Besitz der biblischen Wahrheit zu sein. Trotz der vielen ökumenischen Aktionen schotten sie sich untereinander lehrmässig ab. Das zeigt uns doch wie sehr die hunderten von christlichen Kirchen und Gemeinschaften an der geoffenbarten biblisch-prophetischen Heilsgeschichte vorbei lehren.

Jeder gläubige Jude ist messianisch. Als gläubiger Jude ist er Mitarbeiter am Aufbau des Segens und der Verheissungen an Abraham in dieser Welt. Die Erwählung dieses Volkes geht über das verheissene Land hinaus – bis hin zur Erfüllung aller prophetischen Botschaften – wie sie uns von den Propheten klar und verständlich überliefert sind: “Und JaHuWaH wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tag wird JaHuWaH einzig sein und sein Name einzig” (Sach 14,9). “Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder einer seinen Bruder lehren und sagen: Erkennt JaHuWaH! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Grössten, spricht JaHuWaH. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken” (Jer 31,34). Wunderbar! Darum sagt Jeshajahu: “Zion wird erlöst werden durch Recht und die, die in ihm umkehren, durch Gerechtigkeit” (Jes 1,27). Nicht nur alle Juden, sondern auch alle Völker werden zu JaHUWaH ihrem Schöpfer finden: “JaHuWaH wird uns segnen, und alle Enden der Erde werden ihn fürchten” (d.h. ihm dienen, auf seine Rechtsordnungen eingehen und danach leben) (Ps 67,8).

Jeder Mensch ist ein unberechenbares Wesen, verführ- und verleitbar. Ohne Erziehung zum Wesen JaHuWaHs, d.h. zum Leben, entartet der Mensch. Der Psalmist schreibt: “Alle sind abgewichen, sie sind alle verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer” (Ps 14,3; 53,4; Jes 45,23-24). Wer die bisherige Geschichte der Menschheit analysiert kann dem TaNaCH nur beipflichten! Darum sollen alle Menschen in die Ordnungen und Rechtsbestimmungen JaHuWaHs hineingeführt werden, so wie das mit Abraham geschah. Nur darin ist Gerechtigkeit möglich. Darin sollen sie JaHuWaH vertrauen (glauben). Das ist der Weg der inneren Wiedergeburt wie sie JaHuWaH von seinen Geschöpfen erwartet. Wir können nur immer wieder daran erinnern, dass Abraham darin vor JaHuWaH gerechtfertigt war (vgl. 1Mo15,6).

Wer diesen Weg umgehen will und sich hier auf etwas Stellvertretendes, auf das Blut einer Menschengottheit, verlassen will, wie das im Christentum gelehrt wird, der irrt masslos und folgenschwer. Ein solcher Mensch stellt sich gegen das geoffenbarte prophetische Wort und beraubt sich selbst der vollen Gemeinschaft mit JaHuWaH und damit des wahren inneren Friedens. Ein solcher Mensch macht sich mitschuldig an den unzähligen Kriegen und Verbrechen die vom Christentum ausgegangen sind und über die wir einmal Rechenschaft ablegen müssen. Das volkstümliche Sprichwort sagt nicht einfach so: mitgegangen - mitgehangen, auch: mitgegangen - mitgefangen! Übrigens lehnt Jahushua von Nazareth die christliche Erlösungslehre durch das Blut einer Menschengottheit, die zu jener Zeit schon eine lange Tradition kannte, klar und deutlich ab: “Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch (damit ist auch das Blut gemeint) nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben” (Jo 6,63) !!

Ausserhalb des Vertrauens auf JaHuWaH und seiner geoffenbarten Lebensordnungen ist keiner gerecht vor JaHuWaH. Im letzten Gim haben wir Dan 7,18; Hes 34,28 und Dan 7,27 zitiert. Manche unserer Leser haben mit diesen Aussagen Mühe. Sie können sich nicht vorstellen, dass die Juden einmal über sie herrschen werden und das von Ewigkeit zu Ewigkeit! Die Herrschaft der Juden, von der Daniel und die anderen Propheten sprechen, ist keine Herrschaft im irdischen Sinn. Das ist eine bildliche Aussage, die im biblisch-prophetischen Kontext sagen will: Das auserwählte Volk hat seine Aufgabe erreicht, denn von nun an werden sich alle Völker dieser Erde nach den Lebens- und Rechtsordnungen JaHuWaHs ausstrecken, sie erforschen und darin wandeln (vgl. Jes 2,2; Hes 8,20-23 u.a.m).

In Wirklichkeit ist es die Herrschaft JaHuWaHs, denn die von JaHuWaH geoffenbarte Heilslehre die von den Propheten, Gerechten und Pharisäern gelehrt worden ist, wird sich endlich erfüllen: “Betet ihr nun so: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden” (Mt 6,9-10). Darin, in diesem verheissenen Segen an Abraham, wird ein Volk das andere segnen. Die Prophetie an Abraham ist in vollem Gange und die Völker werden in Frieden Leben (vgl. Jes 2,4; Kap 11; Kap 61 u.a.m.) – trotz der gegenwärtigen Zustände in der Welt.

Mit einem herzlichen Shalom und einem gesegneten Shabbat grüsse ich alle herzlich! Gregor Dalliard