“Alle meine Quellen sind in dir" Ps 87,7. Teil 13

Glaubensimpuls 314

In JaHuWaH sind wahrlich die Quellen des Lebens. Ohne diese Quellen sind wir hilflos der frommen Willkür und damit den Ideologien von Menschen ausgesetzt und werden zu Sklaven gemacht. Wir hätten wahrlich keinen Ort der Orientierung und keine Erkenntnis über das was gut und böse ist. Wir haben uns nun schon einige Gedanken über das Höchste im menschlichen Leben gemacht. Es ist – wie wir wissen – die Liebe zu JaHuWaH, die untrennbar mit der Liebe zum Nächsten gekoppelt ist. Das eine gibt es nicht ohne das andere, was alle Propheten und Gerechten Israels bis heut bekennen. Das war auch das Bekenntnis des Jahushua von Nazareth (vgl. Mk 12,29-33). Darüber freuen wir uns natürlich sehr und sind entsprechend dankbar. Die Liebe zu JaHuWaH und damit die Liebe zum Nächsten kann im täglichen Leben ganz schön herausfordernd sein. Darin aber wird der beschlossene Wille JaHuWaHs im Himmel in der Welt realisiert. Wer muss sich nicht sein ganzes Leben lang darin üben? Es ist wie bei einem Spitzensportler. Regelmässig muss er sich einem harten Training unterwerfen um aktiv bleiben und die Früchte seines Erfolges geniessen zu können.

Die Gründer des Christentums haben sich schon von der Gründung an vom prophetischen Wort und damit auch vom Wort Jahushuas von Nazareth gelöst, indem sie aus der Welt verschwinden wollten – eine Weltflucht! Darum sprachen sie von einer – gleich bevorstehenden – Entrückung der Christen in den Himmel. Alles Denken und Reden wurde auf den Himmel fixiert. Ihre Anhänger wurden von den tollsten und unsinnigsten Fantasien überschüttet, denn alle Prophetien wurden fälschlicherweise auf den wiederkommenden Jesus-Gott ausgedeutet und die gleich bevorstehende Entrückung in den Himmel. Man sah sich schon im Himmel, als die Erretteten, weil man an einen Jesus-Gott glaubte, während die Juden, die am prophetischen Wort festhielten, samt der grossen Menschenmasse der Welt, für immer in der Hölle schmoren würden. Man sah sich schon zusammen mit Jahushua an einem grossen Tisch im Himmel Mahl halten und sich freuen. Das kann jeder für sich in der Bibel der Kirchenväter, im sogenannten “Neuen Testament” nachlesen. Wir haben schon viel darüber ausgetauscht.

Der Jesus-Gott würde gleich wiederkommen, so lehrte Paulus seine Anhänger in den Briefen an die Römer- und Thessalonicher u.a.m. Das war ihm angeblich vom Herrn persönlich geoffenbart worden. Er beschwor seine Anhänger ihm das zu glauben, ansonsten würden sie gerichtet werden und zusammen mit den Juden in der immerwährenden Hölle schmoren. Also hörten sie auf zu arbeiten. Sie bestellten ihre Felder nicht mehr, verkauften Hab und Gut und brachten den Erlös nach Jerushalajim, wo der Herr Jesus-Gott gleich kommen und sie entrücken würde. Also warum noch arbeiten! Aber der Jesus-Gott kam zur angegebenen Zeit nicht, auch später nicht! Die Verwirrung war gross, wie uns der Petrusbrief zeigt. Viele verwarfen diese irrsinnige Lehre, während die führenden Leute aus dem Vermögen, das ihnen aus den verkauften Gütern zu Füssen gelegt worden war weiter lebten und sich weitere Irrtümer ausdachten.

Die Christen weigerten sich also wegen der gleich bevorstehenden Entrückung am Aufbau dieser Welt teilzunehmen. Wie die griechischen Philosophen, die Stoiker, Epikureer und andere, verdammten sie diese Welt fortwährend als die Kreation eines Teufels die darum verdammt werden muss. Mit diesem Gift erfüllten sie die Welt. Ihnen war der erste Satz der Bibel unbekannt, das was JaHuWaH geoffenbart hat und die israelitisch-jüdischen Propheten ununterbrochen bezeugten: Im Anfang schuf JaHuWaH die Himmel und die Erde (1Mo 1,1). Und: “Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und an das Frühere wird man nicht mehr denken, und es wird nicht mehr in den Sinn kommen” (Jes 65,17). Mit wem schafft JaHuWaH den neuen Himmel und die neue Erde? Mit den Menschen natürlich!

Als dann der Jesus-Gott im 3. Jh. immer noch nicht wiedergekommen war, wie er angeblich verheissen hatte, wandten sich die christlichen Führer enttäuscht der Welt zu, um aber gezielt nach der Macht zu greifen. Dieser christliche Machtrausch hielt an bis in die neuere Zeit und stürzte ganze Völker in blutige Religionskriege. Der Vatikan ist der ständige Beweis dafür. Ab dem 4. Jh. rappelten sich vereinzelt christliche Gruppen den Werken der Nächstenliebe zu. Werke der Nächstenliebe entstanden nur zögerlich, doch immer waren die Führenden von der Absicht beherrscht über die Werke der Nächstenliebe Einfluss auf Menschen zu nehmen um ihren Machtanspruch ausweiten zu können. Zudem wurden diese Werke der Nächstenliebe weitgehend von dem Gedanken getragen sich von Schuld und Sünde befreien und den Himmel verdienen zu können.

Über die Jahrhunderte beten unzählige Christen das sogenannte jüdische Gebet, das “Unser Vater” oder “Vater unser”. Doch kein Papst, kein Jesuit – oder wer auch immer – nahm bis heute seinen Ansprechpartner, den er für den Gott und Erlöser der Menschheit hält, ernst. Die Konsequenzen werden nicht gezogen. Die Fixierung auf die Hölle, als Verdammungsort für die Welt und der damit verbundene Höllenkult behält im Christentum oberste Priorität. Warum? Weil sich viele Menschen – ohne an den Jesus-Gott zu glauben – in der Welt für Recht und Gerechtigkeit engagieren. Das geht nach den christlichen Dogmen schon gar nicht! Das belegen die vielen Glaubensbekenntnisse der unterschiedlichen christlichen Richtungen.

Wenn Jahushua dieses alte israelitisch-jüdische Gebet als das Gebet bezeichnet und seine Jünger ermahnt dies als das Gebet zu verstehen, das gebetet werden soll, dann meint Jahushua damit nicht, dass es in den christlichen Gottesdiensten heruntergeleiert, heruntergeplappert werden soll. Mag es noch so fromm und meditativ und verinnerlicht gebetet werden, es bleibt ein Geplapper. Jahushua meint damit dasselbe wie die israelitisch- jüdischen Propheten und Gerechten. Es ist der ständige Appell diese Welt zu heiligen durch Recht und Gerechtigkeit, die mit der Liebe gepaart sein wollen. Wer dieses Gebet irgendwann abbetet hat nicht verstanden, dass Jahushua das niemals so gemeint hat. Bei diesem Herunterbeten wird Jahushua, wie alle seine Vorväter, buchstäblich verhöhnt. Wenn er sagt, dass es nicht geplappert werden soll, meint er damit, dass es nicht zu einem liturgischen Gebet (Floskel) gemacht werden darf. Genau das machen fast alle christlichen Gemeinschaften!! Damit meinte er das was alle Propheten und Gerechten Israels verkündeten: Es muss strikte gelebt werden.

Darin lassen sich z.B. die folgenden Worte des Propheten Jeshajahu verstehen: “Wehe denen, die Haus an Haus reihen, Feld an Feld rücken, bis kein Raum mehr ist und ihr allein ansässig seid mitten im Land!” (Jes 5,8). Wer sollte solche Worte heute nicht verstehen? Wer sollte sie nicht verstehen wollen, dass wir uns gegen solche Verbrechen zur Wehr stellen sollten, wie alle Propheten JaHuWaHs und Gerechten? Wir denken an den wunderbaren überlieferten Hebraismus im Zusammenhang mit den Talenten in Mt 25,14-30. Hat Jahushua nicht gesagt, dass wir JaHuWaH lieben sollen mit unserem ganzen Verstand? (vgl. Mk 12,30).

Unseren Verstand, den wir von JaHuWaH als wunderbare Gabe, als Talent, bekommen haben, sollen wir in dieser Welt einsetzten, damit sich diese Welt, unsere nächste Umwelt, im Segen Abrahams verändert. So hielten es alle Propheten und Gerechten JaHuWaHs, auch Jahushua von Nazareth. Wer sich ständig auf den Himmel fixiert, diese Welt als Werk des Teufels predigt und seine Umwelt damit krank macht und seine Hände fromm und weltverachtend in den Schoss legt und in den Himmel blickt, hat weder JaHuWaH noch den Nächsten lieb. Für einen solchen Menschen wird es einmal wohl ein böses Erwachen geben. JaHuWaHs Wille bleibt bestehen: “dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden” (Mt 6,10). Wo Recht und Gerechtigkeit auf dieser Erde aufgerichtet werden, da ist sein Reich angebrochen, da ist die Verheissung an Abraham heute Wirklichkeit geworden.

“Jubelt, ihr Gerechten, über JaHuWaH; den Aufrichtigen ziemt Lobgesang. Preist JaHuwaH mit der Zither; spielt ihm auf der zehnsaitigen Harfe! Singt ihm ein neues Lied; spielt schön auf den Saiten mit Jubelschall! Denn richtig ist das Wort JaHuWaHs, und all sein Werk geschieht in Treue. Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Gnade JaHuWaHs. Durch JaHuWaHs Wort sind die Himmel gemacht und all ihr Heer durch den Hauch seines Mundes” (Ps 33,1-6). Von seiner Gnade umgeben und getragen stimmen wir in diesen Jubelgesang ein. Herzlich grüsse ich alle Gim-Leser und wünsche allen einen segensreichen Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard