“Alle meine Quellen sind in dir" Ps 87,7. Teil 12

Glaubensimpuls 313

Das menschliche Zusammenleben ist absolut kein Zuckerschlecken, sowohl in der grossen weiten Wirtschafts- Finanz- und Weltpolitik als auch im kleinen alltäglichen Zusammenleben. Überall und zu jeder Zeit ist das harmonische Zusammenleben durch natürliche oder unvorhersehbare Ereignisse bedroht, doch daran denken wir normalerweise nicht ununterbrochen. Das würde das Leben unerträglich machen. Schlimmer ist es wenn unser Zusammenleben durch wirtschaftliche und politische Einwirkungen von irgendwelchen Menschen bedroht wird und das Böse überhand nimmt. Das geschieht vor allem dort wo sich Menschen auf Kosten anderer bereichern und deren Existenz systematisch ruinieren oder deren Elend schändlich ausnutzen und sich bereichern. Das ist ein uraltes Problem, denn schon auf den ersten Seiten der Bibel lesen wir: “Und JaHuWaH sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde gross war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag. Und es reute JaHuWaH, dass er den Menschen auf der Erde gemacht hatte, und es bekümmerte ihn in sein Herz hinein” (1Mo 6,5-6).

Nebenbei gesagt: JaHuWaH muss nichts gereuen nach menschlicher Art, denn er ist allmächtig und allwissend – im voraus. “Nicht ein Mensch ist JaHuWaH, dass er lüge, noch der Sohn eines Menschen, dass er bereue. Sollte er gesprochen haben und es nicht tun und geredet haben und es nicht aufrecht halten?” (4Mo 23,19). “Auch lügt der nicht, der Israels Ruhm ist, und es gereut ihn nicht. Denn nicht ein Mensch ist er, dass ihn etwas gereuen könnte” (1Sam 15,29). Die Formulierung “es reute ihn” will uns Menschen vermitteln, dass JaHuWaH verschiedene Wege kennt und gehen kann um sein Ziel mit den Menschen zu erreichen. In der äusserst vielfältigen Bildsprache der israelitisch-jüdischen Bibelschreiber heisst der Ausdruck “es reute ihn” so viel wie: “es kehrte ihm den Magen um”! Selbst dann wird er den Menschen nicht aufgeben. Darum schloss er zu jener Zeit einen **Bund mit Noah. Das war ein Bund, der später im Bund mit Abraham aufging **, d.h. ein Bund innerhalb des immer gültigen Bundes mit Abraham. Dieser Bund mit Noah signalisierte sein weiteres zielgerichtetes Vorhaben mit der Menschheit, trotz der schwersten Gerichte, damals.

Im Bund mit Abraham legte JaHuWaH seine Zielsetzung und den Weg zu diesem Ziel ein für allemal fest. In diesem Bund mit Abraham offenbarte JaHuWaH seine globale immer gültige Dimension seiner Heilswege, eine Reife, die nicht mehr überboten werden kann, die niemals mehr einen neuen Bund wie seinesgleichen notwendig macht oder jemals zulassen würde. Darum kann es auch kein sogenanntes “Neues Testament” als einen neuen Bund geben, wie das die christlichen Führer trotzig behaupten. Das ist eine sehr heidnische Vorstellung, die deutlich macht wie wenig die Gründer des Christentums die Bibel kannten und wie wenig sie von dem biblischen Bundesverständnis erkannt hatten. Seit Abrahams Rechtfertigung vor JaHuWaH ist klar was den Menschen vor JaHuWaH gerecht macht, was ihn vor JaHuWaH rechtfertigt. Bei diesem unüberbietbaren Bund heisst es darum: “und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!” (1Mo 12,3). Der Bund am Sinai konkretisiert, entfaltet und vertieft den Bund mit Abraham, schafft das soziale Grundgefüge des menschlichen Zusammenlebens.

Wir leben in einigermassen sicheren Staaten – noch!, obwohl sich das Gefälle zwischen arm und reich wie ein Krebsgeschwür rasant ausbreitet, was zu schweren Auseinandersetzungen führen wird. Immer wieder gibt es Menschen, die vor dem sozialen Abstieg von Menschen warnen und sich für die soziale Gerechtigkeit einsetzen. Sie setzten und setzen ihr Leben für vorbeugende, gesetzlich verankerte Massnahmen ein, damit niemand in die Falle der Benachteiligung oder in den Ausschluss vom sozialen Lebensgefüge gerät. Kinder und Alleinerziehende sind darin am meisten gefährdet und betroffen. Diesen Menschen ist meistens nicht bewusst woher sie dieses Drängen haben, wer es ihnen vermittelt hat, wer der Grund ihres sozialen Engagements ist. Zur Zeit der israelitisch-jüdischen Propheten waren es vor allem die Witwen und Waisen die dem sozialen Abstieg ausgesetzt waren und nicht selten von den Reichen noch zusätzlich ausgebeutet worden waren.

Das Verhalten vieler reicher Leute in unseren Ländern verunmöglicht z.B. immer mehr einfach verdienenden Menschen erschwingliche Wohnungen zu mieten, sodass sogar ihr Arbeitsplatz gefährdet wird und sie unter dem Existenzminimum leben müssen. Das kann folgenschwere innerfamiliäre Spannungen erzeugen. Kinder müssen auf vieles verzichten und werden dadurch doppelt und um ein Vielfaches vernachlässigt und bestraft. Das schafft die besten Voraussetzungen für das Böse. Wie schon gesagt, darauf reagierte JaHuWaH über seine Propheten mit ungeahnter Härte. Das unsoziale Verhalten der Reichen konnte den Verlust des Landes als Heimat mit sich bringen, was zur Zeit Jeshajahus auch geschah. Daraus erkennen wir wie das soziale Gefüge und damit das menschliche Zusammenleben für JaHuWaH oberste Priorität besitzt und allezeit behalten wird.

Wir freuen uns natürlich sehr, dass auch das Leben und Wirken des Jahushua von Nazareth von dieser Priorität durchdrungen war, genauso wie das Leben seiner gerechten Vorväter davon durchdrungen war. Nur so wird die Bitte “dein Reich komme, dein Wille geschehe hier auf Erden, wie er im Himmel beschlossene Sache ist”! verwirklicht (vgl. Mt 6,9-10). Die meisten christlichen Führer aber leben bis heute im Wohlstand. Sie haben sich im Laufe der Jahrhunderte unermessliche Reichtümer angesammelt. Sie sitzen auf diesem Mammon und hüten ihn mit allen erdenklichen Begründungen, vor allem der Vatikan! Die Führer wissen sich nach aussen hin perfekt als sehr soziale Einrichtung zu vermitteln. Die Welt ist diesem Blendwerk total verfallen. Der Vatikan nimmt jährlich dutzende von Milliarden Euro ein und häuft damit seine Reichtümer ins Unermessliche.

Auch zur Zeit des Propheten Jeshajahus nahm das Böse innerhalb des auserwählten Volkes überhand. Der Prophet spricht von den Gerichten die das auserwählte Volk trifft. Wie sieht er das auserwählte Volk, den auserwählten Knecht, nach dem Vollzug der Gerichte? Schrecklich, denn das Nordreich war bereits verwüstet und von Fremden bewohnt: “Wohin wollt ihr noch geschlagen werden, die ihr eure Widerspenstigkeit nur vermehrt? Das ganze Haupt ist krank, und das ganze Herz ist siech. Von der Fusssohle bis zum Haupt ist keine heile Stelle an ihm: Wunden und Striemen und frische Schläge; sie sind nicht ausgedrückt und nicht verbunden, noch mit Öl gelindert. Euer Land ist eine Öde, eure Städte sind mit Feuer verbrannt; euer Ackerland - Fremde verzehren seine Frucht vor euren Augen; eine Öde ist es wie bei einer Umkehrung durch Fremde. Und die Tochter Zion ist übriggeblieben wie eine Laubhütte im Weinberg, wie eine Nachthütte im Gurkenfeld, wie eine belagerte Stadt. Hätte JaHuWaH der Heerscharen uns nicht einen ganz kleinen Überrest gelassen, wie Sodom wären wir, Gomorra wären wir gleich” (Jes 1,5-9). Dazu gehört natürlich Jes 52,13 - 53,12!

Doch was prophezeit JaHuWaH über diesen kleinen Überrest?: “Denn dein Gemahl ist dein Schöpfer, JaHuWaH der Heerscharen ist sein Name, und dein Erlöser ist der Heilige Israels: Schöpfer der ganzen Erde wird er genannt. Denn wie eine entlassene und tiefgekränkte Frau hat dich JaHuWaH gerufen und wie die Frau der Jugend, wenn sie verstossen ist, - spricht dein Erlöser. Einen kleinen Augenblick habe ich dich verlassen, aber mit grossem Erbarmen werde ich dich sammeln. Im aufwallenden Gericht (Zorn) habe ich einen Augenblick mein Angesicht vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade werde ich mich über dich erbarmen, spricht JaHuWaH, dein Erlöser. Wie die Tage Noahs gilt mir dies, als ich schwor, dass die Wasser Noahs die Erde nicht mehr überfluten sollten, so habe ich geschworen, dass ich dir nicht mehr zürnen noch dich bedrohen werde. Denn die Berge mögen weichen und die Hügel wanken, aber meine Gnade wird nicht von dir weichen und mein Friedensbund nicht wanken, spricht JaHuWaH, dein Erbarmer” (Jes 54,5-10). Ist das nicht wunderbar? Wem gehen diese Worte nicht zu Herzen?

Der Prophet aber weiss, dass der Tag kommen wird, da alle Welt, selbst die Ausbeuter der Menschen und der Welt erkennen werden müssen, dass er das Wort der Wahrheit geredet hat. Sowohl die einheimischen Unterdrücker wie auch die Vollstrecker der Gerichte JaHuWaHs von aussen, die über die von JaHuWaH vorgegebenen Gerichtshandlungen hinausgingen, müssen aus dem Munde JaHuWaHs hören: “Ich werde deine Unterdrücker speisen mit ihrem eigenen Fleisch, und von ihrem Blut sollen sie trunken werden wie von Most. Und alles Fleisch wird erkennen, dass ich, JaHuWaH, dein Retter bin, und der Mächtige Jakobs, dein Erlöser” (Jes 49,26). Also keine Hinwendung zu einem trinitarischen oder nicht trinitarischen Jesus-Gott! Diese anhaltende Forderung der Christen an die Juden, ihren Jesus-Gott als einen Messias-Gott anzuerkennen und ihn anzubeten, ist ein eklatantes antijüdisches Verbrechen, das sich gegen JaHuWaHs Willen richtet.

Das unumstössliche Recht JaHuWaHs darf uns zu Dank motivieren, denn dieses Verhalten ist uns allein aus dem geoffenbarten Wort JaHuWaHs an sein auserwähltes Volk weitervermittelt worden. “Was soll ich reden, nachdem er zu mir gesprochen und es selbst ausgeführt hat? Ich will dich loben alle meine Jahre trotz der Betrübnis meiner Seele, o Herr! Ich will dich loben wegen derer, die leben, und für alles, worin mein Geist lebt. Und du machst mich gesund (gemeint ist: du richtest mich seelisch auf) und erhältst mich am Leben (darin und daraus lebe ich). Siehe, zum Heil wurde mir bitteres Leid: Du, du hast liebevoll meine Seele von der Grube der Vernichtung zurückgehalten, denn alle meine Sünden hast du hinter deinen Rücken geworfen” (Jes 38,15-17).

Von Herzen wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat und viel Freude an den Quellen des Lebens. Shalom!

Gregor Dalliard