“Alle meine Quellen sind in dir!” Ps 87,7. Teil 3

Glaubensimpuls 304

Teil 2 war mir als Brücke zu unserem Thema sehr wichtig um besser verstehen zu können was uns die ganze Bibel eigentlich sagen will, besser: was uns JaHuWaH vermitteln will, was sein Wille ist. Merken wir uns Folgendes! Die Menschen aller Generationen sind versucht ihr Augenmerk, ihr Herz, auf das Äussere zu richten, sich in den äusserlichen Dingen zu verlieren, sich täuschen zu lassen von dem was man sieht, von dem was Eindruck macht. Das ist äusserst gefährlich. Das kann selbst den gläubigen Menschen unzufrieden, aggressiv und unberechenbar machen.

Wir haben im Gim 302 aus dem Propheten Jeshajahu 2,2-5 zitiert. Der Prophet weist auf das hin was auch alle anderen Propheten vor und nach ihm tun: “..am Ende der Tage (wenn die JaHuWaHlosen Tage zu Ende gehen werden), da wird der Berg des Hauses des JaHuWaH feststehen als Haupt der Berge und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des JaHuWaH, zum Haus des Erlösers (Gottes) Jakobs..” (vgl. Mi 4,1-2) Der Psalmist überliefert was in den gläubigen Herzen des auserwählten Volkes tief verankert war und ist: “Wenn ich dich vergesse, Jerushalajim, so werde vergessen meine Rechte! Es klebe meine Zunge an meinem Gaumen, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe!” (Ps 137,5-6).

Achten wir darauf wie die Propheten eindrucksvoll von Jerushalajim und seinem Tempel sprechen, also von den äusseren Dingen, wie etwa: Berg des Hauses des JaHuWaH, feststehen als Haupt der Berge, erhaben sein über die Hügel, hinaufziehen zum Berg des JaHuWaH, zum Haus des Erlösers (Gottes) Jakobs. Wenn ich dich vergesse, Jerushalajim, wenn ich Jerushalajim nicht zu meiner höchsten Freude erhebe usw. Die Stadt, ihre Mauern, ihre Tore, die Paläste, der Tempel werden in der Bibel in aussergewöhnlicher Weise genannt – und das immer und immer wieder.

Damit war und ist eine Versuchung verbunden, die zu verheerenden Auswirkungen führen konnte und kann, sowohl für den Einzelnen als auch für das gesamte auserwählte Volk. Der Sinn und die Bedeutung dieses äusseren Ruhmes konnte und kann leicht missverstanden werden. Die Sprache der biblischen Propheten ist durchgehend geprägt von einer Fülle an Gleichnissen, Bildern, Bildreden und Metaphern. Alle diese äusseren Dinge, diese Pracht und Herrlichkeit des Tempels und der Stadt, sollten und sollen, wollten und wollen nur auf das EINE hinweisen, auf das Wesen JaHuWaHs. Sie sollten nur das EINE bewirken: alle Menschen sollen zu JaHuWaH finden. Sie sollen in seine Ordnungen hineingeboren, wiedergeboren werden, ihr Leben nach seinen Weisungen ausrichten.

Erst dann findet diese herrliche Stadt, dieser berauschende Tempel und alles was mit ihm genannt ist, seine Erfüllung. Wir halten fest: JaHuWaH ging es nie um das Äussere, das Mauerwerk, die grossartigen Quadersteine des Tempels. All das Äussere sollte und soll nur Mittel zum Zweck sein, eine Brücke zum Wesentlichen. Darum wollte JaHuWaH eigentlich auch nie einen Tempel (vgl. 1Chron 17,5), kam aber der Führung des auserwählten Volkes entgegen (vgl. David, König Shlomo, Tempel und Tempelweihe), so wie er auch nie einen König wollte. Die Forderung der Führenden nach einem König bezeichnete JaHuWaH als eine Verwerfung seines Wesens, seines Königtums (vgl.1Sam 8,7) Warum wohl? Im Buch des Propheten Jirmejahu (Jeremia) sind uns diese Zusammenhänge eindrucksvoll und ergreifend überliefert. Nehmen wir die sogenannte Tempelrede heraus. Zusammenfassend ist uns gesagt auf was es JaHuWaH und damit im Leben jedes Einzelnen ankommen soll und muss und was damit immer im Hintergrund bleiben muss. Schnell kann der Tempel und die Berufung auf die Zugehörigkeit zum auserwählten Volk am Sinn der eigentlichen Erwählung und Berufung dieses Volkes vorbeiführen und – mit verheerenden Folgen – zum Aberglaube werden:

“So spricht JaHuWaH der Heerscharen, der Erlöser (Gott) Israels: Macht gut eure Wege und eure Taten, dann will ich euch an diesem Ort wohnen lassen! Und verlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Der Tempel des JaHuWaH, der Tempel des JaHuWaH, der Tempel des JaHuWaH ist dies! Denn nur wenn ihr eure Wege und eure Taten wirklich gut macht, wenn ihr wirklich Recht übt untereinander, den Fremden, die Waise und die Witwe nicht unterdrückt, kein unschuldiges Blut an diesem Ort (im auserwählten Land) vergiesst und nicht anderen Göttern (falschen Erlösern) nachlauft zu eurem Unheil, dann will ich euch an diesem Ort, in dem Land, das ich euren Vätern gegeben habe, wohnen lassen von Ewigkeit zu Ewigkeit” (Jer 7,3-7).

Diese Botschaft durchzieht die ganze Bibel. Die Propheten JaHuWaHs führten mit allen redlichen und erdenklichen Mitteln, mit Bildreden, Gleichnissen, Metaphern und sehr praktischen, und manchmal schockierenden Handlungen, dem auserwählten Volk den Sinn und die Aufgabe ihrer Erwählung und Berufung für die ganze Welt vor Augen. Ich möchte sehr hervorheben: In ihrem brennenden Eifer für die wahren Werte des Lebens, auf die JaHuWaH allen seinen Wert legt, schritten die Propheten gelegentlich zusätzlich zu sehr konkreten und zum Teil – nach unserem hellenistisch-heidnischen Denkmuster – schockierenden Zeichenhandlungen über.

Der Prophet Ahijahu zeriss seinen Mantel in zwölf Stücke (vgl. 1Kö 11,31). Hoshea geht mit einer Dirne eine Ehe ein um das Verhältnis vieler treulosen Israeliten mit JaHuWaH darzustellen (vgl. Hos 1,3). Nackt geht Jeshajahu durch Jerushalajim. Damit weist er auf das Gericht hin, das über Ägypten kommen wird (Jes 20,1-6). Jirmejahu zerbricht einen Tonkrug um das bevorstehende Gericht über viele Treulose in Israel anzukündigen (Jer 19,1ff). Er trägt ein hölzernes Joch, um die Israeliten aufzufordern sich dem Joch von Babylon zu unterwerfen und keinen Widerstand zu leisten (vgl. Jer 27,2ff). Mit verschiedenen Zeichenhandlungen zeigt Jecheskel (Hesekiel) die Sünden der Regierenden an und die bevorstehende Belagerung der Stadt Jerushalajim, u.a. mit einem siedenden Topf, festgebunden in Stricken, er schneidet sich die Haare des Hauptes und des Bartes ab, was zu jener Zeit einer unsäglichen Demütigung gleichkam (vgl. Hes 4,1ff). Er soll über den Tod seiner Frau nicht laut klagen und kein Totenmahl halten um anzudeuten, dass das bevorstehende Gericht über das auserwählte Volk von JaHuWaH gewollt ist (vgl. Hes 24,1ff).

Das sind ergreifende, zu Herzen gehende Zeichenhandlungen der Propheten JaHuWaHs, die uns die vollkommene Hingabe der Propheten an JaHuWaH und an seine heilsamen fundamentalen Lebenswerte für seine Geschöpfe und für die ganze Welt demonstrieren. Über allem steht der Wille JaHuWaHs. Es ist die Treue zu ihm, aus der das menschliche Zusammenleben zum Segen aller Menschen funktionieren kann: Es ist das funktionierende soziale menschliche Gefüge, in dem Recht und Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit, Brüderlichkeit und Verantwortung füreinander Priorität haben, ja haben müssen. Diese Werte fliessen aus dem Wesen JaHuWaHs, dem Schöpfer des Lebens. Sie dürfen nicht durch ein frommes Äusseres, ein frommes Gehabe, pervertiert und übertüncht werden. Jedes äussere Werk (hier Jerushalajim, der Tempel, die Zugehörigkeit) und jede unnötige, verführerische oder quälende äussere Regelung muss darin geprüft und beurteilt werden. Jede Generation muss das – zu ihrem Segen – neu für sich tun und die Menschen dazu anhalten. Das hält das Leben lebenswert und bewahrt uns vor jenen lasterhaften Extremen, die viele Menschen in den sozialen Absturz treiben und wieder andere zu Kriegstreibern macht. Lasst uns im nächsten Glaubensimpuls (Gim) dieses Thema weiter mit freudigem und doch ernsthaftem Sinn vertiefen.

Liebe Grüsse und einen gesegneten Shabbat wünsche ich allen von Herzen. Shalom!

Gregor Dalliard