“Alle meine Quellen sind in dir!” Ps 87,7. Teil 1

Glaubensimpuls 302

Mit diesem eindrucksvollen und befreienden Liederruf beendeten die Musikanten und Chöre Israels am Tempel zu Jerushalajim grosse Pilgerfeste. Die Söhne Korachs dienten im Tempel als Musiker, Sänger und Türhüter. Innerlich wieder aufgerichtet, der Hilfe und Weisung JaHuWaHs im Alltag neu bewusst und sicher, verliessen die Pilger die Heilige Stätte und kehrten mit neuem Elan in ihren Alltag zurück. An den grossen Festen JaHuWaHs strömten manchmal unüberschaubare Pilgerströme in die Heilige Stadt. Mit den israelitisch-jüdischen Pilgern zogen viele Proselyten und Heiden, unter ihnen viele Intellektuelle, die von JaHuWaH ergriffen worden waren. Ihre heidnischen Philosophien gaben ihnen keine Antwort auf die Zusammenhänge des Lebens, sie vermittelten ihnen keinen vernünftigen Sinn des Lebens. Die theologischen Forderungen ihrer Götter schienen ihnen – im Lichte der geoffenbarten Wahrheit an das auserwählte Volk – absurd, quälend, lebensfremd und zerstörerisch.

So suchten nicht nur viele Intellektuelle aus der griechischen Philosophie, sondern auch aus den ehemaligen feindlichen Ländern, wie Babel, Ägypten u.a.m. (vgl. Vers 4) Jerushalajim auf, überzeugt und wissend, dass hier alle Weisheit des Lebens geoffenbart ist. Später fasst der Prophet Jeshajahu dieses geoffenbarte Lebenspotential so zusammen. Mit grosser Freude und tiefer Dankbarkeit möchte ich es gerne wiederholen und mit euch teilen: “Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des JaHuWaH feststehen als Haupt der Berge und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des JaHuWaH, zum Haus des Erlösers (Gottes) Jakobs, dass er uns auf Grund seiner Wege belehre und wir auf seinen Pfaden gehen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort des JaHuWaH von Jerushalajim. Und er wird richten zwischen den Nationen und für viele Völker Recht sprechen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht mehr wird Nation gegen Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen. Haus Jakob, kommt, lasst uns im Licht des JaHuWaH leben (gehen)!” (Jes 2,2-5).

Viele Heiden erlebten in jenen Tagen in Jerushalajim eine Widergeburt in JaHuWaH. Sie kehrten als Wiedergeborene nach Hause zurück und richteten ihr Alltagsleben neu aus. Sie wussten nun: “Alle meine Quellen sind in dir (JaHuWaH)!” (Ps 87,7). Dazu wollen wir natürlich den ersten Teil von Vers 7 mitlesen: “Und singend und den Reigen tanzend werden sie sagen: Alle meine Quellen sind in dir!” Solche Erfahrungen müssen sich bei jedem Pilgerfest zuhauf zugetragen haben. In JaHuWaH wiedergeboren werden, ist ein zutiefst durchgreifender Prozess. Der suchende Mensch kommt endlich zur Ruhe, zur inneren Gewissheit und damit zur notwendigen Gelassenheit. Er kommt in eine geborgene Ruhe hinein, deren Grundfesten nichts und niemand mehr erschüttern kann, darum will er singen und den Reigen tanzen, er wird dazu gedrängt.

Menschen aus den Völkern, die ehemals Feinde Israels waren, die in jenen Tagen mit JaHuWaH, dem Erlöser ihrer ehemaligen Feinde, der nun zu ihrem Erlöser geworden war, Versöhnung und Frieden fanden, sind eine Vorschattung auf die bleibende Gnade und Treue JaHuWaHs. Die Gnade und Treue JaHuWaHs gilt allen Menschen, allen seinen Geschöpfen. Über das geoffenbarte Wort werden sie einmal alle zu JaHuWaH zurückfinden und damit in seine Ruhe eingehen. Jedes Leid und jedes Gericht wird sich rückblickend – auf dem Gipfel der Liebe JaHuWaHs – als heilendes Wirken erweisen. Da wird einmal singend und den Reigen tanzend ausgerufen werden: “Alle meine Quellen waren in dir (JaHuWaH)!” Ja, waren in dir!

Allen wünsche ich von Herzen viel Lust nach den Quellen JaHuWaHs – den Quellen des Lebens – und eine entspannte Gelassenheit in allen Dingen. “So spricht JaHuWaH: Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen” (Jer 6,16). Shalom und einen gesegneten Shabbat!

Gregor Dalliard