70 Jahre Israel. Jerushalajim die Taumelschale (d.h. Schwelle des Strauchelns (Sach 12,2). Teil 3

Glaubensimpuls 344

“Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! Vom Sonnenaufgang (Osten) her werde ich deine Nachkommen bringen, und vom Sonnenuntergang (Westen) her werde ich dich sammeln. Ich werde zum Norden sagen: Gib her! und zum Süden: Halte nicht zurück! Bring meine Söhne von fernher und meine Töchter vom Ende der Erde, jeden, der mit meinem Namen genannt ist und den ich zu meiner Ehre geschaffen, den ich gebildet, ja, gemacht habe” (Jes 43,5-7). Sowohl die gläubigen Juden: ”jeden, der mit meinem Namen genannt ist”, als auch die ungläubigen Juden und jene, die es nicht wissen, dass sie Nachkommen der Verheissung sind: “und den ich zu meiner Ehre geschaffen, den ich gebildet, ja, gemacht habe.” Das ist wunderbar, HalleluJaHu!!

Gerne sagen kirchliche Vertreter und antisemitisch besessene Christen, die biblischen Prophezeiungen über die Sammlung der Juden aus aller Welt sei vor und während der Babylonischen Gefangenschaft der Juden ausgesprochen (verheissen) worden. Durch den Erlass des Persischen König Kyrus seien sie bereits in die Phase der Erfüllung getreten und gleich anschliessend erfüllt worden. Die Juden seien damals aus der ganzen bekannten Welt zurück nach Judäa und Jerushalajim gekehrt und damit seien die Prophetien über die Sammlung der Juden aus allen Himmelsrichtungen abgeschlossen gewesen. Es gäbe keine Prophetien, die über diese Zeit hinausgingen, was die Juden angeht. Wer die biblischen Prophetien seriös studiert wird aber Folgendes erkennen: Manche Prophetien weisen tatsächlich auf eine Sammlung des Volkes im oben erwähnten Zusammenhang hin, das ist sicher unumstritten. Manche aber weisen auf den Anbruch des Messianischen Reiches hin und dessen bleibende Existenz, dem aber schwere Tage vorausgehen.

Jecheskel (Hesekiel) war als Sohn eines Priesters, zusammen mit König Jojachin, bei der ersten Deportation (597/98) als Gefangener nach Babel gekommen. Nachdem einige Jahre danach der Tempel in Jerushalajim zerstört worden war und weitere Deportationen gefolgt waren, fielen die meisten Juden in eine tiefe, sehr tiefe finstere und grauenvolle Depression und Verzweiflung. Viele Juden konvertierten zum Gott Marduk, dem Gott der Babylonier. In der Antike herrschte die Überzeugung vor, dass der Gott jenes Königs oder Kaisers, der ein anderes Volk besiegte, der stärkere sei. Der Abfall von JaHuWaH erfasste immer mehr Juden. Jecheskel wurde in dieser äusserst finsteren und verzweifelten Phase, etwa 592, in der Ortschaft Tel Abib zum Propheten und Wächter für das Haus Israel berufen. In dieser Zeit der äussersten Not und Verzweiflung empfängt er die entsprechenden Visionen über den neuen Tempel. In symbolischen Handlungen (Hes 12,6; 4,1; 4,9-11.16-17; 4,12-15), in einer überschwänglichen, ja alle topographischen und alle realen Masse eines Gebäudes sprengenden Weise und in einer äusserst reichen Schau an Bildern stellt er den verzweifelten einen neuen Tempel vor. Genau das brauchten die am Boden zerstörten Menschen zu jener Zeit.

Sacharjahu war ein Prophet aus der Priesterfamilie Iddo. Er war ein Zeitgenosse des Propheten Haggai. Sie waren vom Geist Jecheskels miterfasst und überzeugt, dass ein neuer Tempel entstehen würde. Ihnen kamen die “übertriebenen” Tempelbilder Jecheskels und alles was damit zu tun hatte, nicht als Verrücktheit vor oder als die Gedanken eines frommen Spinners. Sie vermochten das alles in den grausamen Gegebenheiten ihrer Tage einzuordnen. Das Handeln der Propheten in den tiefsinnigsten symbolischen Weisen, die alles Reale überstiegen, war ihnen bekannt und verständlich, während wir, geprägt vom griechisch-römischen Geist, manchmal ganz dumm vor dieser reichen Schöpferkraft stehen und nur wenig davon begreifen.

Nach dem babylonischen Exil riefen sie gemeinsam mit dem Statthalter Serubbabel zum Bau des Zweiten Tempels auf. Durch ihren “Vorgänger”, den Propheten Jecheskel, waren sie ermutigt worden, den Tempel wieder aufzubauen. Jerushalajim war in seiner Geschichte immer wieder zur Taumelschale, zur Schwelle des Strauchelns für Völker geworden. Noch nie aber waren die Nachbarstaaten Israels so geeint und zielstrebig (heute vorübergehend getarnt, Saudiarabien, Ägypten, u.a.m.) gegen Israel vorgegangen (vgl. Sach 12,2) und noch nie war die Weltgemeinschaft so massiv gegen Israel vorgegangen (Sach 12,2) wie in unseren Tagen. Diese Propheten, die damals den Zweiten Tempel bauten, sahen aber in die späteren Zeiten hinein. Vor allem der Prophet Sacharjahu schaut in den Kapiteln 9-14 hinein in das Messianische Reich, ebenso Daniel und andere: “Und JaHuWaH wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tag wird JaHuWaH einzig sein und sein Name einzig” (Sach 14,9).

Allen wünsche ich von Herzen einen gesegneten Shabbat und eine in JaHuWaH gegründete Zeit. Shalom!

Gregor Dalliard